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Golf:Erster Corona-Fall auf der US Tour

Erster Corona-Positivfall nach dem Neustart der amerikanischen PGA Tour: Golfprofi Nick Watney.

(Foto: Yam G-Jun/AP)

Der Amerikaner Nick Watney wird beim PGA-Turnier in Hilton Head Island positiv getestet. Die Verantwortlichen schließen vorerst weitere Infektionen aus, doch optimal lief nicht alles.

Von Gerald Kleffmann, Hilton Head Island/München

Anfangs war es wie so oft: Eine vage, unbestätigte Information tauchte auf. Ein Spieler beim US-Tour-Turnier in Hilton Head Island, verbreiteten amerikanische Golfreporter zu Beginn des vergangenen Wochenendes bei Twitter, sei positiv auf das Coronavirus getestet worden, unmittelbar vor dem Start der zweiten Runde. Schnell war klar, um wen es sich handelte. Nur Nick Watney, 39, fünfmaliger Gewinner auf der US Tour wurde nicht mehr im Tableau gelistet. Die Veranstalter der PGA Tour beendeten die Spekulationen notgedrungen selbst, indem sie bestätigten, dass Watney der Positivfall sei. Er sei zu Wochenbeginn aber privat angereist und nicht in einem von der Tour gecharterten Flieger.

In der Woche zuvor hatten die Profis in Fort Worth, Texas, erstmals wieder ein Turnier seit Ausbruch der Pandemie bestritten. Tests vor dem nächsten Wettstreit in South Carolina fielen bei 369 Personen (Spielern, Caddies, Personal) negativ aus. Vor der zweiten Runde spürte Watney dann Symptome und bestand darauf, sich testen zu lassen. Eine weise Entscheidung.

Ein sogenannter Response Plan griff, den die Tour für die Rückkehr ihres Turnierbetriebs erarbeitet hatte, um auf einen eventuellen Covid-19-Fall vorbereitet zu sein. Watney muss nun zehn Tage in die Isolation. Es begann zudem eine Rückverfolgung, mit welchen Menschen er Kontakt gehabt hatte. "Nick Watney ist einer der nettesten Kerle auf der Tour", sagte US-Open-Sieger Gary Woodland bei ESPN. "Ich hörte, er fühlt sich schrecklich, weil er vielleicht jemanden angesteckt haben könnte, was ja sicher nicht die Absicht war." Immerhin gab es erste Entwarnungen: Die Tests von elf Personen, die Watney getroffen hatte - darunter seine Mitspieler in der ersten Runde, Luke List und Vaughn Taylor sowie deren Caddies - fielen allesamt negativ aus. Das Turnier war am Freitag normal weitergegangen. Wie außergewöhnlich die Zeiten sind, belegt auch die Tatsache, dass ein Spieler den Cut, also die Qualifikation für die zwei Runden am Samstag und Sonntag, schaffte, der mit 62 Jahren zur Risikogruppe bezüglich des Coronavirus zählt: Bernhard Langer. Nach zwei Runden war er 27., mit sechs unter Par. Vor der Schlussrunde fiel er allerdings nach einer 71er-Runde (Par) zurück. Das Turnier in Hilton Head Island hatte Langer übrigens schon einmal gewonnen - 1985, nach seinem ersten Masters-Sieg.

Wie ESPN berichtete, sei es nur Watneys Wunsch, sich testen zu lassen, zu verdanken, dass er wohl nicht andere angesteckt hat. Der Kalifornier trug ein Fitnessband, das ungünstige Werte anzeigte. Während er aufs Ergebnis wartete, hielt er sich jedoch auf der Anlage auf und traf etwa den Weltranglistenersten Rory McIlroy auf dem Putting-Grün. Der Nordire indes ließ sich nicht testen, er sei Watney nicht nahe gekommen, sagte er, betonte aber auch: "Wir sind immer noch mitten in einer Pandemie. Bis diese Sache vorbei ist, müssen wir alle wachsam bleiben, Abstand halten und unsere Masken tragen, wenn wir in die Öffentlichkeit gehen. Und uns weiterhin die Hände waschen." Woodland mahnte seinerseits zu besonderer Vorsicht, weil viele ältere Caddies an der Seite der Profis seien.

Bis zum Memorial-Turnier in Ohio Mitte Juli finden die PGA-Events ohne Zuschauer statt, und so mancher hegt schon Zweifel, ob alles gut geht, sobald wieder Fans auf die Plätze dürfen. "Ein absoluter Zoo hier", staunte Justin Thomas besorgt, "die Strände sind gepackt voll. Alle Restaurants, an denen ich vorbeifuhr, sind besetzt." In den USA steigen die Zahlen der Positivfälle wieder.

© SZ vom 22.06.2020
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