Golf:Die Stille als Gehilfin

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Charles Schwab Challenge - Final Round

Traditionsgewand: Für seinen Sieg erhielt Daniel Berger einen Pokal – und ein Sakko.

(Foto: Ronald Martinez/AFP)

Der Amerikaner Daniel Berger gewinnt das erste Turnier der US PGA Tour nach der 13-wöchigen Corona-Pause. So viel hat sich auch nach der Wiederaufnahme nicht geändert im Feld.

Von Felix Haselsteiner, Fort Worth/München

"Es war vielleicht ein bisschen anders ohne die Fans", sagte Daniel Berger unaufgeregt in die Kamera, die ihn virtuell mit den Fragestellern in Verbindung brachte. Man hatte von Berger nach seinem dritten Sieg auf der PGA Tour am Sonntagabend kaum übermäßig emotionale Bekundungen erwarten können, dafür ist der ruhige Golfprofi aus Florida auch nicht der Typ. Aber dennoch: "Ein bisschen", das erschien doch recht wenig empathisch formuliert. Immerhin lag der Hauptunterschied zwischen der ersten Runde der Players Championship Anfang März - der vorerst letzten offiziellen Turnierrunde auf der Tour vor der Corona-Unterbrechung - und den vier Runden nun bei der Charles-Schwab-Challenge in der Abwesenheit der tausenden Fans, die die Fairways normalerweise bevölkern.

Ansonsten hat sich, so das Fazit des ersten Turniers post Corona, in der Golfwelt in den vergangenen 13 Wochen nicht allzu viel verändert. Rory McIlroy zum Beispiel ist weiterhin deutlich sichtbar der beste Spieler der Welt, hat aber ein ernsthaftes Problem mit Schlussrunden: Durch eine spektakulär schlechte 74er-Runde (vier über Par) am letzten Tag verabschiedete sich der Nordire aus dem Rennen um den Sieg. Auch der Rest der Topspieler in der Saisonwertung, dem FedEx Cup, hat seine Form nicht verloren: In Justin Thomas, Patrick Reed und dem Südkoreaner Sungjae Im, 22, fanden sich am Ende drei Spieler unter den besten Zehn wieder, die auch die Cup-Rangliste mit anführen.

Wenn man schon nach Veränderungen suchen wollte: Der exzentrische Bryson DeChambeau hat in der Pause offensichtlich so viel Zeit im Kraftraum verbracht, dass er von den amerikanischen Medien nicht mehr mit seinem golferischen Vorbild Ben Hogan assoziiert wird - sondern mit dem ehemaligen Wrestler Hulk Hogan.

Was gleichgeblieben ist, ist die Stille. Während die Geräuschkulisse im Fußball oder im Tennis das Geschehen bestimmen kann, gibt es im Golf nur wenige Augenblicke, in denen das Spiel von den Zuschauern abhängt: beim Ryder Cup etwa, oder beim Masters in Augusta, wo das Aufschreien des Publikums über die gesamte Anlage zu hören ist. Bei der überwiegenden Mehrheit der Turniere jedoch bedeutet den meisten Spielern die Stille um sie herum mehr als die Kulisse - und so lässt sich auch Bergers Aussage erklären, zumindest ein bisschen.

Der 27-Jährige spielte seine Schlussrunde in voller Konzentration; im ehrwürdigen Colonial Country Club hätte auch ein Volksfest stattfinden können, es hätte Berger wohl nicht aus der Fassung gebracht. Während seine Konkurrenten, allen voran Xander Schauffele und der talentierte Collin Morikawa, auf den entscheidenden Löchern und im Playoff kurze Putts vorbeischoben, blieb Berger so, wie er schon seine gesamte Karriere über spielt: ruhig, fokussiert und herzlich unbeeindruckt von dem, was um ihn herum passiert.

Der Sohn des ehemaligen Top-10-Tennisspielers Jay Berger war immer schon einer der unspektakulären Profis auf der Tour. Berger gilt als harter Arbeiter, nicht als Showman wie etwa sein Kumpel Jordan Spieth, und folgt wie sein Vater der Philosophie, sich 10 000 Stunden in seinem Leben mit etwas beschäftigen zu müssen, um ein "Meister" einer Disziplin zu werden. Ein erwiesenermaßen erfolgreicher, wenngleich unorthodoxer Ansatz in einem Sport wie Golf, in dem so viel von schwer mess- und trainierbaren Faktoren wie Gefühl und Mentalität abhängt. Doch Berger ist davon überzeugt. Über seinen Sieg am Sonntag, den dritten in seiner Karriere auf der PGA Tour, sagte er: "Ich habe mir das im letzten Jahr hart erarbeitet."

Vor einem Jahr erst hatte Berger sein Comeback gegeben, nachdem ihn eine Verletzung am Handgelenk kurzzeitig sogar über ein Karriereende hatte nachdenken lassen. Ein halbes Jahr konnte Berger nicht Golf spielen - von dieser Erfahrung profitierte er diesmal. Für die meisten Spieler war der Neustart nach wochenlanger Pause eine völlig neue Erfahrung, nicht aber für Berger: "Ich war damals nach meiner Verletzung viel nervöser als dieses Mal nach dem Virus."

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