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Glosse:"Ahahahahaha!"

FIS Nordic World Ski Championships Oberstdorf - Men's Ski Jumping HS106

Skispringer, die ausgemachte Clowns sind, existieren ja gar nicht. Oder doch? Piotr Zyla freut sich jedenfalls sehr ausgelassen über seinen WM-Titel auf der Normalschanze.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty)

Wie hieß noch dieser Skispringer, der sich über jeden akzeptablen Sprung lautstark freut? Richtig, Piotr Zyla. Wenn dieser Pole mal Weltmeister wird, dachte man, dann würde es abgehen. Nun war es so weit.

Von Volker Kreisl, Oberstdorf

Skispringen ist eine ernste Sache, da wird nicht gelacht. Okay, die Darsteller freuen sich, wenn sie weit gesprungen sind, aber die Freude wird schnell unter Kontrolle gebracht. Bleibt mir diese Form? Am Ende überziehe ich noch! Ich sollte nicht so viel grübeln, grübelt der Springer.

Skispringer, die aus sich herausgehen, sind selten, und Skispringer, die ausgemachte Clowns sind, die existieren gar nicht. Doch Moment - einer war doch da! Dieser Pole, der vom Trainer mal auf den Boden geholt werden musste, weil er bei den Reportern zu sehr den "Clown" gegeben habe, wie der Trainer fand. Wie hieß dieser Springer noch?, fragte man sich später. Richtig: Piotr Zyla. Der, der so laut lachte nach jedem passablen Sprung, woraufhin man dachte, das wird lustig, wenn der mal Weltmeister wird.

Am Samstag wurde Zyla Weltmeister.

Ein schwer zu beschreibender Schrei, nicht vergleichbar mit den Lauten, die dieser überaus sonnige Mensch sonst ausstößt, fuhr hinauf in die Abendluft. In etwa: Jaa-jaa-hahaha-Jiuu-Aah! Zyla warf sich hin und her, ließ sich von den Gefährten auffangen, und war wirklich das, was man sonst leichthin sagt: selig.

Von wegen alt - "I'm on fire", ruft der neue Weltmeister

Während er dann feixend und blödelnd seinen Parcours vor den Kameras absolvierte, verzogen sich die Journalisten ins Pressezentrum, das sich in einem Theatersaal befindet, auf dessen Bühne abends die Pressekonferenz steigt, jedoch hinter einem riesigen Vorhang, übertragen in den Saal. Es wurde still, man tippte und dachte streng nach, denn Schreiben ist eine ernste Sache. Aber als die ersten sinnvollen Gedanken kamen, da rief jemand: "Ahahahaa!!"

Zyla. Hinterm Vorhang. Sein Englisch ist passabel, aber nicht gut genug, um feine Pointen zu setzen. Das macht ihm aber nichts aus, er lässt einfach der Freude ihren Lauf. Auf die Frage, ob er diesen späten Triumph irgendwann geahnt habe, antwortete er: "Ich dachte: gewinnen? Warum nicht? Ahahahaha!" Er schüttelte sich noch mal und erzählte, wie ein Journalist ihn zuvor mit der Frage nervte, wie gut man denn noch springe, mit 34 Jahren, und er: "So gut ich kann, und das hab ich dann gemacht. Ahahahahaha!"

Während im Saal über den Texten des Tages gegrübelt wurde, obwohl Grübeln auch da nicht viel bringt, hatte das Personal hinterm Vorhang noch Spaß mit Zyla. Es war keine Pressekonferenz mehr, eher eine Spontanparty zur Feier von Zylas erstem großen Titel. Von wegen alt, "I'm on fire!", rief er, in der Tat, und die nächste Lachsalve folgte, längst nicht mehr nur von ihm. Später, als die Journalisten alleine durch die Nacht heimgingen, da erklang es noch mehrmals, schwer zu orten, und doch war es da, bestimmt: Ahahahahaaah!

© SZ/jkn
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