Geschichten aus der Regionalliga:Unkraut vergeht nicht

07.09.2021 - Fussball - Saison 2021 2022 - TOTO-Pokal - 01. Spieltag: SC Eltersdorf - FC Würzburger Kickers Würzburg FW

Endstation Achtelfinale: Vor gut einer Woche schlug sich Tobias Herzner (li.) mit dem SC Eltersdorf wacker im Toto-Pokal gegen den Drittligisten Würzburger Kickers (hier mit Lars Dietz) - verlor aber mit 0:3.

(Foto: Wolfgang Zink/imago images)

Aufsteiger Eltersdorf gewinnt das Nachholspiel gegen Rain mit 2:0 - und arbeitet trotz schwieriger sportlicher Perspektiven weiter an seinem Namen als freundlicher Amateurverein.

Von Christoph Leischwitz

Quecken bedeutet in Eltersdorf eigentlich "Unkraut", trotzdem haben sich die hiesigen Fußballer den Begriff als Spitznamen ausgesucht; und ganz aktuell sieht es so aus, als ob das Unkraut selbst in der Regionalliga nicht vergeht. Am Dienstagabend, in einem Nachholspiel, gewann der Aufsteiger 2:0 (1:0) beim TSV Rain, schon früh in der Saison war dieses Duell Abstiegskampf in Reinform, und der Sieg war hochverdient und hätte gegen Ende noch höher ausfallen können. Nach drei Dreiern in Serie könne man jetzt auch endgültig davon sprechen, in der vierten Liga angekommen zu sein, sagte Trainer Bernd Eigner: "Wir können absolut mithalten, das hat man gesehen", urteilte der 49-jährige Ex-Profi, der zu seiner aktiven Zeit unter anderem für den FC St. Pauli in der Bundesliga spielte.

Wobei, dass man mithalten kann, das haben sie im Erlanger Ortsteil auch schon geglaubt, bevor die vielen anstrengenden englischen Wochen kamen. An den Ergebnissen der Quecken ist deutlich abzulesen, wo in der Liga die Grenze zwischen Profi- und Amateurfußball verläuft: Mehr als die Hälfte der 25 Gegentore, 13 nämlich, fing sich der SC in den drei Partien gegen die Titelfavoriten Bayern II, Schweinfurt und Bayreuth ein. "Wir haben auch im Trainerteam schon vor der kleinen Serie im Training gemerkt, dass jetzt Automatismen mehr greifen, dass wir weniger Fehler machen", sagt Eigner. Und nun sei auch die Offensive "kaltschnäuziger" geworden, satellt er fest.

Für den kleinen Klub aus Erlangen ist es der zweite Anlauf in der für ihn höchstmöglichen Liga

Für den kleinen Klub aus Erlangen ist es der zweite Anlauf in der für ihn höchstmöglichen Liga. 2013 war er nach einem Jahr gleich wieder abgestiegen, nachdem im Winter eine "unglückliche" Trainerentscheidung getroffen wurde, wie Manager Joachim Uhsemann es heute formuliert. Damals holte man in Dieter Lieberwirth einen erfahrenen und auch sehr engagierten Coach. Doch irgendwie passte es nicht, Lieberwirth gelangen lediglich drei Siege. Mit dabei war damals schon Thomas Dotterweich, der 39-Jährige fungiert heute als spielender Co-Trainer. Eigner habe nun so ein gutes Standing im Klub wie vielleicht noch kein Trainer vor ihm, ist zu hören. Auch wenn er, Stand jetzt, erst einmal keinerlei Profi-Ambitionen hat und findet, dass der Trainerjob in der Regionalliga ein Hobby am zeitlichen Limit ist.

Der von ihm zu Saisonbeginn geforderte Entwicklungsschritt ist einigen augenscheinlich schon jetzt gut gelungen, Calvin Sengül zum Beispiel. "Er war lange ein älterer Jugendspieler", so bezeichnet Eigner den 25-Jährigen. Der Angreifer arbeitete dann aber ausgerechnet in der langen Corona-Pause, in der es an Spielpraxis mangelte, hart an seiner Physis und damit auch an seiner Robustheit. So, wie er in Rain das 1:0 mit einem seiner schnellen Antritte bis zur Grundlinie für Julian Konrad vorbereitete, ist er für die Mannschaft enorm wertvoll. "Das Tor gehört zu 50 Prozent ihm", sagte der Trainer. Offiziell auf dem Konto hat Sengül auch schon fünf.

Gerade der Angriff hatte den Verantwortlichen zu Beginn Bauchschmerzen bereitet. Der torgefährlichste Quecke hat nämlich nach 17 Treffern sein Glück bei den Kleeblättern gesucht, Dickson Abiama wechselte während der langen Bayernliga-Saison 2019/21 zum wenige Kilometer entfernten Kooperationspartner SpVgg Greuther Fürth. Doch die Mannschaft behielt auch ohne ihn in den verbleibenden Partien den ersten Platz und stieg nach 26 Spielen auf. Weitere Weggänge folgten, Manager Uhsemann ist trotz der aktuellen Leistungen durchaus auf der Suche nach Verstärkungen.

Mehr als Abstiegskampf wird auf Dauer aber nicht möglich sein in Eltersdorf. Spielerisch müsse man sich zwar nicht verstecken, findet Uhsemann, aber die Organisation verlaufe fast ausschließlich ehrenamtlich und fordere viel Herzblut. Gerade bei so viel Ehrenamt kann schon einmal Unmut aufkommen, wenn Behörden zusätzliche Hürden aufstellen: Das Bauamt Erlangen verzögere die vom Verband geforderte Überdachung für 100 Sitzplätze immer wieder, heißt es von Seiten des SC. Eltersdorf hat sich als freundlicher Amateurverein durchaus einen Namen gemacht. So ist zum Beispiel zu hören, dass gestandene Regionalligisten recht begeistert vom dort eigens zum Spiel angefertigten Eierlikörkuchen gewesen seien. Nur Punkte, die wollen sie in Zukunft noch weniger abgeben als bisher.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB