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Gerald Asamoah über Rassismus-Vorfall:"Solche Leute haben doch eine Schraube locker"

FC Schalke 04 v Werder Bremen - Bundesliga

Gerald Asamoah im Trikot des FC Schalke 04. Von 1999 bis 2011 spielte er für den Revierklub. Nach Stationen bei St. Pauli und Greuther Fürth kehrte Asamoah im Sommer 2013 zurück und spielt jetzt für die zweite Mannschaft der Schalker.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Gerald Asamoah äußert sich zu den Fan-Beschimpfungen gegen Danny da Costa vom FC Ingolstadt. "Das ist ein Schock", sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler - und richtet einen Appell an die Gesellschaft.

Der Fall Danny da Costa hat Gerald Asamoah schockiert. Der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler richtet einen emotionalen Appell gegen Rassismus an die gesamte Gesellschaft: "Jetzt reden wir darüber, in zwei Wochen ist wieder alles vergessen! Dann geht der Alltag wieder los. Wir müssen jetzt die Kinder erreichen, unsere Zukunft, und ihnen sagen, dass so etwas niemals passieren darf", sagte Asamoah dem Sport-Informations-Dienst.

Danny da Costa, 20, dunkelhäutiger deutscher U21-Nationalspieler, war während des Zweitliga-Spiels seines FC Ingolstadt am Sonntag bei 1860 München (0:1) rassistisch beleidigt worden. Sein Mitspieler Ralph Gunesch machte den Fall via Facebook öffentlich. "Der Fall hat mich schockiert, natürlich, es schockiert mich immer. Wir haben das Jahr 2013, und wenn wir jetzt immer noch darüber reden müssen, ist das ein Schock. Das ist unglaublich. Da geht es auch gar nicht nur um Fußball", sagte Asamoah.

"Wenn man sich entschieden hat, in einem Land zu leben, gehört man dazu, egal, mit welcher Hautfarbe. Deshalb tut das auch mir sehr, sehr weh." Er werde selbst immer Rassismus anprangern - aus eigener leidvoller Erfahrung: "Ich habe drei Kinder, die sollen nie das erleben, was ich erleben musste und muss." Die Wirkung auf Kinder sei bei den Vorfällen besonders schlimm. "Da sitzt ein kleines Kind und hört, was sein Vater ruft. Wie kann man das Kind erreichen? Den Vater, der ist Mitte Vierzig, den kann man nicht mehr umbiegen. Den Jungen müssen wir erreichen! Solche Leute haben doch eine Schraube locker. Die jungen Leute sind die Zukunft, da müssen wir ran", forderte der 34-Jährige.

Asamoah berichtete auch aus seiner eigenen Karriere, von Anfeindungen in Rostock und Cottbus. "Das Schlimmste war für mich nach der WM 2006, als ich dachte, diese Zeiten sind um. Wir lagen uns alle in den Armen. Dann ging es nach Rostock, und ich war wieder der Farbige. Das war richtig bitter." Im Stadion, wenn "alle nach der Arbeitswoche ihren Frust rauslassen", sei es schlimm - über Alltagsrassismus werde aber zu wenig geredet. "Wir wissen gar nicht, wie es farbigen Menschen auf der Straße geht, die immer angepöbelt werden. Wie ist es, nicht in eine Diskothek reinzukommen, oder nicht bedient zu werden? Wie geht es den Afrikanern und Menschen von den anderen Kontinenten, die in Deutschland nicht akzeptiert werden?", fragte Asamoah.

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