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Fußball-Politik:Wider jeden Widerstand

DFB-Chef Reinhard Grindel.

(Foto: Fabian sommer/dpa)

Der Deutsche Fußball-Bund beschließt einen 150 Millionen Euro teuren Neubau, stimmt dem umstrittenen Grundlagenvertrag zu und löst vorerst den Regionalliga-Streit. Sind damit auch alle Probleme gelöst?

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Wie gut für den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), dass es Philipp Lahm gibt, seit Freitag Ehrenspielführer der Nationalelf und Botschafter der Bewerbung um die EM 2024. Und Bundestrainer Jogi Löw, die Schiedsrichter Felix Brych und Bibiana Steinhaus sowie noch ein paar andere Personen, denen sich danken, gratulieren oder eine Auszeichnung verleihen lässt. Denn wenn der DFB-Boss Reinhard Grindel auf dem Bundestag in Frankfurt derartiges tut, bekommt er immerhin Applaus. Aber wenn er in seinem Vortrag inhaltliche Fragen ansteuert, bewegen die 300 Delegierten ihre Hände oft auffallend zurückhaltend.

Es war ein, im Wortsinn, außerordentlicher Bundestag, zu dem die Fußballfamilie in Frankfurt zusammenkam und bei dem es mehrere gravierende Beschlüsse gab. Das betrifft vor allem das Ja für den Bau der neuen DFB-Akademie auf dem bisherigen Gelände Rennbahn. 150 Millionen Euro darf die Spitze des Verbandes dafür nun ausgeben. Das wird die größte Investition in der Geschichte des DFB. Ursprünglich wollte er schon im Vorjahr mit dem Bau beginnen. Doch noch immer sind alte rechtliche Auseinandersetzungen zwischen den bisherigen Nutzern aus dem Pferdesport sowie der Stadt als Eigentümerin des Areals nicht geklärt. Aber beim DFB sind sie zuversichtlich, dass das bald so weit ist; noch vor dem Abflug zur WM wünscht sich Grindel den Spatenstich. 2021 will der Verband einziehen. Allerdings ist das Projekt deutlich teurer geworden als ursprünglich geplant. Von den 150 Millionen Euro, die der Bau jetzt kosten darf, muss der Verband für bis zu 75 Millionen Euro Kredite aufnehmen.

Dazu gab es einen weiteren gravierenden Einschnitt, indem die Delegierten den Grundlagenvertrag zwischen dem DFB und der DFL als Interessensvertreterin der Profiklubs abnickten. Dies hatten sie zwar vor einem Jahr schon mal getan, aber damals hatten ihnen die umstrittenen Zusatzvereinbarungen nicht vorgelegen. Diese stehen in der Kritik, weil sie, wie sich erst im Frühjahr herausstellte, bereits seit 2013 die im Haupttext gegenseitig vereinbarten Finanzströme begrenzen: So müsste etwa die DFL dem DFB eigentlich drei Prozent ihrer TV- und Ticketeinnahmen zahlen. Weil diese rasant ansteigen, wären das inzwischen zirka 50 Millionen Euro pro Jahr. Doch die Zusatzvereinbarung deckelt den Betrag auf 26 Millionen.

Die DFB-Spitze verteidigt den Gesamt-Vertrag aber als Werk "zum Wohl der Basis". Und die Delegierten stimmten einstimmig zu. Neben diesen millionenschweren Entscheidungen gab es noch ein drittes prägendes Thema: die Reform der Regionalliga. Bisher spielen die Meister der fünf Staffeln (Bayern, Südwest, West, Nordost, Nord) sowie der Zweite des Südwestens in Playoff-Partien drei Aufsteiger aus. Das missfiel allen, doch der Versuch einer Neuordnung geriet zu einer scharfen Debatte. Eigentlich war es der breite Wunsch, die Zahl der Regionalligen auf vier zu reduzieren und jedem Meister den direkten Aufstieg zu ermöglichen. Doch das gelang aufgrund unterschiedlicher Interessen innerhalb der Landesverbände nicht. Stattdessen verabschiedete der Bundestag einen im letzten Moment ausgehandelten Übergangs-Kompromiss: Für 2018/19 und 2019/20 bleibt es bei fünf Staffeln, gibt es aber vier Aufsteiger. Der Südwest-Meister steigt immer sicher auf. Die Sieger der anderen vier Staffeln steigen nur einmal direkt auf und müssen einmal in die Play-offs. In zwei Jahren soll es dann definitiv eine Reduzierung auf vier Staffeln geben. Doch auch an dem Kompromiss gibt es Kritik, wie sich unter anderem in elf Gegenstimmen und 28 Enthaltungen dokumentierte, vor allem aus dem Profilager.

Wie angespannt die Zeiten sind, zeigte sich aber auch in der Rede von DFL-Präsident Reinhard Rauball. Der mahnte, dass es angesichts der vergangenen Monate im Verband dringend Ruhe und Stabilität brauche. Und er merkte in der Debatte ums Schiedsrichterwesen an, es gebe "Handlungsbedarf, der nicht ignoriert werden darf". Noch kurz zuvor hatte Grindel erklärt, man solle aufhören, sich eine Krise im Schiedsrichterwesen "einreden zu lassen". Deutsche Referees seien "die besten der Welt".

© SZ vom 09.12.2017
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