Fußball:Der Kreis schließt sich

Fußball: Abschied und Neubeginn: Sven Bender (li.) und sein Zwillingsbruder Lars nach ihrem letzten Spiel für Leverkusen gegen Dortmund im Mai.

Abschied und Neubeginn: Sven Bender (li.) und sein Zwillingsbruder Lars nach ihrem letzten Spiel für Leverkusen gegen Dortmund im Mai.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Lars und Sven Bender kehren nach ihren eindrücklichen Profifußball-Karrieren zu ihrem Heimatverein TSV Brannenburg zurück und helfen beim 5:2-Sieg gegen Flintsbach - in der Kreisklasse 1.

Von Jonas Kraus

Am Anfang war es dann doch etwas ungewohnt. Na klar, in Brannenburg kenne jeder Sven und Lars Bender, meint Marc Wolf, der Fußballchef des ansässigen TSV. Und klar, die Benders seien "super umgängliche Typen", Starallüren seien ihnen fremd. Dennoch: "Als sie zum ersten Mal im Training waren, hat der eine oder andere von den jungen Spielern ganz schön gezittert." Dass sie sich diese Saison die Kabine mit zwei Ex-Profis teilen, das konnten sich die Amateurkicker dann doch nicht vorstellen. Warum auch sollten sich die Benders das antun? Kreisklasse 1 statt Bundesliga?

"Nun, so sind sie halt", sagt Fußballchef Wolf lapidar. Als klar war, dass sie am Ende der vergangenen Saison mit 32 Jahren ihre Profikarrieren bei Leverkusen beenden, habe man Kontakt aufgenommen. Und siehe da: "Beide wollten nochmal mit ihren Kumpels kicken." Und so kam es, dass die Bender-Zwillinge am Sonntag zum ersten Mal seit der E-Jugend wieder gemeinsam für Brannenburg (Landkreis Rosenheim) auf dem Platz standen. Als Doppelsechs führten sie ihr Team zum 5:2-Sieg gegen Flintsbach. Premiere geglückt, auch ohne Bender-Treffer.

"Wir planen mit ihnen", sagt der Fußballchef des TSV: "Wenn sie was machen, dann zu 100 Prozent."

450 Zuschauer waren gekommen, eine stolze Zahl. In Zukunft aber dürften deutlich mehr Fußballfans den Weg nach Brannenburg finden, ein einmaliges Erlebnis soll der Einsatz der Benders nicht bleiben. "Wir planen mit ihnen", sagt Wolf. "Wenn sie was machen, dann zu 100 Prozent."

Diese Eigenschaft führte dazu, dass Lars und Sven Bender zu den wohl beliebtesten Fußballern des Landes zählen. Keine Skandale, keine überflüssigen Übersteiger, dafür harte Zweikämpfe. Und viele Verletzungen. "Wir gehen nie, nie von dieser Spielweise weg! Wenn es irgendwann aus Verletzungsgründen nicht mehr geht, dann gehen wir halt", sagte Lars Bender vor vier Jahren der SZ.

Im vergangenen Frühjahr machten die beiden diese Ankündigung wahr. Das Gastspiel in Dortmund am letzten Spieltag war das letzte Profispiel der beiden. Am Ende verwandelte Lars Bender noch einen Elfmeter, für den er extra eingewechselt worden war. Eigentlich sollte er nicht spielen, er war wieder mal verletzt.

Am Sonntag wurde Lars beim Stand von 4:1 ausgewechselt, Sven spielte durch. Beide begannen ihre Karriere einst in Brannenburg, wechselten dann über Unterhaching und 1860 München in die Bundesliga. Sven zu Dortmund, Lars zu Leverkusen, wo sie am Ende wieder zusammen spielten. Beide seien bereits wieder gewohnt kampfstark aufgetreten, berichtet Wolf, der aber zugibt: "Das ist bestimmt schwer für die beiden, sich von Bundesliga auf Kreisklasse umzugewöhnen."

Zumindest neben dem Platz aber klappt das schon hervorragend. Sven habe den Gästen nach dem Spiel eine Kiste Bier spendiert, auch in der eigenen Mannschaft hätten sich die beiden mit solchen Aktionen schon beliebt gemacht. Die anfängliche Nervosität der Mitspieler ist ziemlich schnell verflogen.

© SZ/sewi/lib
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