Mein Freund, der Ball

Moderne Ligatrainer denken in langfristigen Projekten. Ihre Grundidee ist: Dominant spielen statt destruktiv, mit dem ersten Blick nach vorn statt quer und zurück; Mut zum Risiko; aggressiv den Ball und Gegner jagen statt hinten Räume abdichten und auf ein Zufalls-1:0 hoffen. Hochtouriger Angriffsfußball Marke Leverkusen, Hoffenheim (beide fast immer), FC Bayern (erkennbar ansatzweise) oder HSV, Dortmund, Wolfsburg (alle manchmal) erfrischt die Liga. Noch 2006 hatte sich der Trend des perfektionierten Ergebnisfußballs vollendet - mit Italien als Weltmeister und Verteidigern als Heldenfiguren. Jahrelang hatten Trainer an immer ausgefeilteren Strategien des Torverhinderns geforscht. DFB-Chefstratege Urs Siegenthaler beklagte: "Handlungslösungen für die Offensive fehlen."

Die Generation Rangnick aber begreift den Ball nun wieder als Freund, nicht als Feind. "Früher", sagt Hoffenheims Trainer, "habe ich zu 70 Prozent das Spiel gegen den Ball trainiert, heute sind es 75 Prozent eigener Ballbesitz." Das Offensivspiel soll nicht mehr nur auf Gottvertrauen, abgefälschte Schüsse und zufällige geniale Momente aufgebaut sein - sondern auf automatisierte Spielzüge, auf Geplantes, auf Schritt für Schritt Erlerntes.

Foto: dpa

15. November 2008, 13:232008-11-15 13:23:00 ©