Frühere Fifa-Vorstand Blazer:Der nächste Akt der Operette steht bevor

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Seit 2012 kooperiert Blazer mit dem FBI. Neben Fifa-Größen soll er auch Leute bespitzelt haben, die an den WM-Bewerbungen 2018 und 2022 beteiligt waren. Laut Mailverkehr hatte Blazer in eine Suite im Londoner Fünf-Sterne-Hotel May Fair geladen; darunter Alexej Sorokin, Chef der russischen WM-Bewerber 2018; Frank Lowy, Kopf der australischen Bewerbung, Anton Baranow, Sekretär des russischen Sportministers und Fifa-Vorstands Witalij Mutko, oder Peter Hargitay, ein schillernder langjähriger Berater Blatters. Nicht alle kamen. So musste Alan Rothenberg, der Mann hinter der WM 1994 in den USA, leider absagen: "Chuck, ich komme nicht nach London, lass uns reden, wenn Du zurück bist", zitiert das Blatt aus den Mails.

Insgesamt 44 Fußballfunktionäre soll das FBI über Blazers Notizfundus anvisiert haben, darunter Blatter. Die Ermittlungen, die Rechtshilfegesuche in Ländern wie der Schweiz beinhalten sollen, seien mit einer Grand Jury ausgestattet, heißt es. Das wäre heikel: Eine Wahrheitskommission zu belügen, birgt hohe Haftgefahr. Den Umstand, dass Teile der verdeckten FBI-Aktionen in London stattgefunden haben sollen, griff am Montag schon der britische Parlamentarier Damian Collins auf. Er fordertet die nationale Betrugsbehörde Serious Fraud Office zu eigenen Ermittlungen auf.

Ein zweiter kooperierender Zeuge

Das FBI hat noch einen zweiten kooperierenden Zeugen: Jack Warners Sohn Daryan, der in Miami unter Langzeit-Hausarrest steht. Er gab den Finanzminister in Papa Jacks schmutzigem Geschäftsgeflecht. Das FBI spürt Geldwegen in der Karibik und anderswo nach. Ob da noch was kommen könnte für hohe Fifa-Funktionäre?

Seit Jahren gelten internationale Ermittlungen als einzig wirkungsvolle Waffe gegen die Korruption im Weltfußball; dagegen hat die Selbstheilungsshow der Fifa nur Operettenwert. Der nächste Akt steht bevor: Ethik-Richter Hans-Joachim Eckert will einen Zwischenbericht zur Ermittlung seines Kollegen Michael Garcia zu den WM-Vergaben 2018/2022 an Russland und Katar vorlegen. Dass nichts Handfestes zu erwarten ist, gilt in der Branche als ausgemacht. Zumal die Fifa gerade die Qatar Airways als neuen Topsponsor ins Auge fasst. Der alte Partner Emirates steigt wegen miserabler Imagewerte aus; die Kunden hatten sich beschwert. Und dem russischen Präsidenten Putin versprach Blatter jüngst "bedingungslose Unterstützung" der Fifa.

Die filmreifen FBI-Ermittlungsmethoden könnten aus Blazers Umfeld gesickert sein; der 69-Jährige ist schwer an Darmkrebs erkrankt. Zweifelhaften Ruf besitzt er auch in Glücksspielkreisen; mit der Fifa wollte er auf diesem Sektor ins Geschäft kommen. Dem FBI gelang 2012 ein gewaltiger Schlag gegen ein illegales Glücksspiel- kartell, als dessen Kopf der russische Sportfunktionär und Mafia-Kapo Alimsan Tochtachunow gilt. Dabei zeigte sich, dass der Ring im Trump Tower residiert hatte - nur einige Etagen über dem Concacaf-Büro im 17. und Blazers Luxusappartement im 49. Stockwerk. Gegen Tochtachunow, Gründer der russischen Fußballstiftung, den man auch schon beim privaten Treffen mit Blatter sah, hat das FBI seit Jahren mehrere Haftbefehle. Echte Fifa-Filme sind vermutlich eher aus solchen Stoffen gemacht.

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