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Freestyle-WM:"Sogar die Liftkarte muss ich selber zahlen"

Freestyle

Katharina Förster finanziert sich ihre Skisaison selbst.

(Foto: Harald Marbler)
  • Katharina Förster startet bei der Freestyle-WM auf der Buckelpiste.
  • Der Verband hat die finanzielle Unterstützung an sie eingestellt - Förster muss sich die Skisaison selbst finanzieren.
  • Im Sommer wird sie ihren Job als Sportsoldatin verlieren. Ob für die Kinderpflegerin damit die Olympiateilnahme noch möglich ist, weiß sie nicht.

Mit diesem Anruf hatte Katharina Förster am wenigsten gerechnet. Kurz bevor sie sich aufmachte zu ihrer Asientour Anfang Februar, meldete sich der Deutsche Ski-Verband (DSV) bei der 28-Jährigen. Aus heiterem Himmel, wie sie sagt. Mit den DSV-Verantwortlichen hatte die mehrfache deutsche Meisterin im Buckelpistenfahren seit drei Jahren keinen Kontakt mehr. Nach den Winterspielen 2014 in Sotschi hatte der DSV die finanziellen Zuwendungen für die Buckelpistenfahrer gestrichen. Zu teuer, zu wenig erfolgreich, hieß es damals. Försters Sport ist die einzige olympische Sportart, die der DSV nicht mehr fördert.

Und jetzt also dieser unverhoffte Anruf: Am Telefon meldete sich Sportwart Marc Sieburg und eröffnete Förster, dass der DSV die Flug- und Hotelkosten für die Freestyle-Weltmeisterschaften in der Sierra Nevada übernehmen werde, die an diesem Mittwoch starten.

Katharina Förster ist eine von vier deutschen Teilnehmerinnen, die in Spaniens höchstem Gebirgsmassiv der Betischen Kordillere auf der Buckelpiste teilnehmen wird. "Dass der DSV die Kosten für uns übernimmt, hat mich schon überrascht", gesteht Förster, die in der Nähe von Lindau lebt. Das tut vor allem ihrem Bankkonto gut: Sie hat für diese Wintersaison bereits rund 25 000 Euro ausgeben müssen - so viel muss ein professioneller Ski-Rennläufer aufbringen, um sich eine Weltcup-Saison mit einem Privatteam in Eigenregie leisten zu können.

Und das sind nur die dringlichsten Aufwendungen für die Reisen und Übernachtungen, für den Trainer, den Physiotherapeuten und den Arzt. "Ich muss sogar die Liftkarte selber zahlen", hebt Förster hervor. Um die Ausgaben zu minimieren, teilt sie sich mit den übrigen WM-Teilnehmern Lea Bouard, Laura Grasemann (beide Wiesloch) und Julius Garbe (Glonn) seit drei Jahren den Österreicher Harald Marbler als Trainer.

Um sich ihr professionelles Umfeld leisten zu können, braucht Förster natürlich einen Nebenberuf - und kreative Ideen. Die Sportsoldatin will ja nicht nur im Weltcup mitfahren, sondern mit den besten Athleten mithalten und sie im Idealfall auch bezwingen. Dafür ist es erforderlich, dass sie sich auf höchstem Niveau mit den anderen Athleten messen kann.

Mit Crowdfunding bezahlt Förster die Reise zum Olympia-Ort

Auf der Buckelpiste gibt es im Unterschied zu anderen Wintersportarten nur wenige hochwertige Veranstaltungen weltweit. Sechs Weltcup-Stationen sieht der Kalender für diesen Winter vor, in Finnland, in den USA und Kanada sowie in China, Japan und Südkorea, dem Austragungsort der Winterspiele im nächsten Jahr. Die Reise nach Asien hätte Försters Budget aber gesprengt. Also suchte sie nach Alternativen, um an Geld zu kommen. Ein Banküberfall kam nicht infrage, wie sie mit einem Lächeln sagt. Also probierte sie es mit Crowdfunding, mithilfe der Plattform "Fairplaid" suchte sie nach Unterstützern, um 2000 Euro einzusammeln. Mindestens. Am Ende übertraf sie sogar die eigenen Erwartungen, 3895 Euro kamen zusammen. Nach Abzug der Kosten und der Mehrwertsteuer blieben ihr etwa 3400 Euro übrig.

Nach acht Jahren scheidet sie bei der Bundeswehr aus

Vor allem die Reise nach Thaiwoo war lohnenswert, in China erreichte sie im Parallel-Buckelpistenfahren, dem sogenannten Dual Moguls, den 13. Rang - es ist ihre bisher beste Platzierung im Weltcup. Das Duell Frau gegen Frau kommt ihrem Fahrstil entgegen. "Ich kann schneller fahren, wenn ich gejagt werde und jagen muss", erzählt Förster. Einen Platz unter den besten 20 hat sie sich auch für die Weltmeisterschaft in der Sierra Nevada vorgenommen, dann wäre sie im Finale auf der 200 Metern langen Strecke mit den künstlichen Schneebuckeln und zwei kleineren Schanzen dabei. Sie will unbedingt die Vorrunde überstehen. "Dann ist vieles möglich", fügt sie hinzu, "auch das Podest."

Ob sie es nach der Saison noch einmal mit Crowdfunding probiert, um den nächsten Winter mit dem Saisonhöhepunkt der Olympischen Spiele zu finanzieren, weiß sie noch nicht. Im Moment plagen Förster ernsthaftere Probleme, Existenzsorgen. Im August wird sie aus der Bundeswehr ausscheiden, nach acht Jahren läuft ihr Vertrag als Sportsoldatin planmäßig aus. "Aber ohne Job kann ich den Sport nicht weitermachen", sagt sie. Deshalb geht ihr gerade vieles durch den Kopf. Ihren kostspieligen Sport will Förster nicht aufgeben so kurz vor Olympia, sie hängt an der Buckelpiste. "Wir wollen uns unbedingt allein zurückkämpfen in die Weltspitze." Aber wer sucht schon eine Mitarbeiterin, die im Winter die meiste Zeit über nicht anwesend sein kann, fragt sie sich. Katharina Förster ist gelernte Kinderpflegerin, sie werde sich jetzt wohl eine Stelle suchen, sagt sie. Aber ob sie auch einen passenden und verständnisvollen Arbeitgeber findet, kann ihr niemand garantieren.

Der DSV bezahlt nur den Flug zur WM

Auf die Hilfe des Deutsche Ski-Verbands kann die Buckelpistenfahrerin nicht hoffen. Die Zuwendung für die WM ist eine einmalige Sache. "Es war eine wirtschaftliche Abwägung, dass wir die Sportart nicht mehr finanziell unterstützen", sagt Heli Herdt, der Sportliche Leiter für die Freestyler. "Wir haben keine Sponsorenpartner mehr für die Buckelpistenfahrer gefunden und sind auf die privatwirtschaftlichen Geldgeber angewiesen." Die Athleten könnten sich nur selber helfen, fügt er hinzu. Also durch herausragende Erfolge. Der überraschende Anruf hat also nichts geändert, schon gar nicht das Leben einfacher gemacht für Katharina Förster. Sie bleibt eine Einzelkämpferin mit Geldsorgen.

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