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Freestyle:Sprünge, die andere ins Krankenhaus bringen

SNOWBOARD FREESTYLE SKIING FIS WC 2015 SANKT GEORGEN OB MURAU AUSTRIA 21 JAN 15 FREESTYLE SKIIN

Zeigt spektakuläre Sprünge, die sonst nur Männer stehen können: Lisa Zimmermann

(Foto: imago/GEPA pictures)

Die Freeskierin Lisa Zimmermann gewinnt als erste Deutsche die X-Games. Ihre Tricks galten bei den Frauen bisher als unmöglich.

Lisa Zimmermann fühlte sich in den vergangenen Jahren oft übergangen. Sie hat gehadert und sich gefragt, was sie noch tun muss, damit sie mal eine Einladung für die X-Games erhält. Dabei ist Zimmermann, 20, im Moment die aufregendste Freeskierin des Planeten, Weltmeisterin, Gesamt-Weltcupsiegerin. Sie springt und steht mit ihren Skiern waghalsige Tricks, die bei den Frauen bisher als unmöglich galten. Bei den X-Games mitmachen zu dürfen, den Winterspielen der alternativen Sportarten, ist für Freeskier eine ähnlich große Auszeichnung wie für Schauspieler eine Nominierung für die Oscars. "Ich habe drei, vier Jahre vergeblich darauf warten müssen", sagt Zimmermann.

Mittlerweile kann sie das mit einem beseelten Lächeln erzählen. Denn sie war in diesen Tagen in Aspen/Colorado nicht nur dabei, sondern sie hat den sogenannten "Big Air Contest", den Sport-Oscar auch noch gewonnen - ziemlich überlegen und als erste Deutsche überhaupt.

"Ich kann es nicht glauben", sagte sie anschließend. Wer ihr eher zurückhaltendes Naturell kennt, für den klangen diese Worte fast schon ausgeflippt. Sie behält normalerweise ihr Inneres gerne im Inneren. "Ich dachte niemals daran, den Switch Double Cork 1080 zu stehen. Ich bin wirklich selbst überrascht. Glücklicher hätte es nicht laufen können."

Wie außergewöhnlich ihr Sprung mit drei kompletten Drehungen um die horizontale und vertikale Körperachse war, konnte man auf dem US-Sender ESPN erleben, der die X-Games veranstaltet und überträgt. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich der Puls der Live-Kommentatoren wieder den Werten eines Menschen im Normalzustand angenähert hatte. Sie waren so euphorisch wie südamerikanische Fußballreporter bei Toren ihrer Länder, als Zimmermann im Finale einen Sprung präsentierte, von dem man bisher ausgegangen war, dass ihn nur Männer auf Skiern stehen könnten.

Der Sprung sieht aus wie ein Korkenzieher

Er sieht aus wie ein Korkenzieher, deshalb der Name. Der Sportler springt über eine gewaltige Schanze und dreht sich in der Luft auf zwei verschiedenen Achsen um sich selbst.

Wer mit Lisa Zimmermann telefoniert, merkt schnell, dass sie den Aufgeregtheiten um ihre Person ziemlich unaufgeregt begegnet. Sie spricht ruhig und abgeklärt, sie wirkt viel reifer, als ihre 20 Jahre erahnen lassen würden. Aber sie hat auch einen ziemlich eigenwilligen Kopf, der ihr schon Ärger mit dem Deutschen Ski-Verband (DSV) eingebracht hat, weil sie Verbandsstrukturen für überflüssig und ungeeignet hält, genauso wie manch einen der ihr vorgesetzten Trainer. "Sie ist schon ein spezieller Typ", findet der Sportliche Leiter der deutschen Freestylesparte, Heli Herdt. "Aber wir respektieren ihre eigene Art, weil sie so erfolgreich ist."