Frauen Im Takt des Metronoms

Simona Halep freut sich über ihren Sieg über Jelena Switolina und den Einzug ins Endspiel von Wimbledon.

(Foto: Victoria Jones/dpa)

Nach ihrem glatten Zweisatzsieg im Halbfinale rüstet sich Simona Halep für ihr erstes Wimbledon-Endspiel, in dem sie auf Serena Williams trifft.

Von Barbara Klimke, London

Simona Haleps neue Liebe ist das Rasentennis, denn sie weiß nun endlich, wie man auf diesem grünen Belag spielt: So ähnlich wie auf rotem Sand. Lange Grundlinienduelle lieferte sich die 27-jährige Rumänin, eine frühere Nummer eins der Weltrangliste, am Donnerstag mit ihrer Kontrahentin, der Ukrainerin Jelena Switolina. Mit dieser Taktik hat sie sich erstmals in der Karriere einen Platz im Finale von Wimbledon verdient.

Allein die ersten beiden Spiele dauerten zwanzig Minuten. Plopp, plopp, plopp und plopp - fast wie im Takt eines Metronoms flog der Ball von der einen auf die andere Seite. Die Zuschauer auf dem Centre Court drehten rhythmisch die Köpfe hin und her, und Halep gab später zu, dass sie eine relativ anstrengende Strategie auf diesem Untergrund gewählt hatte. Das dritte Spiel verlor sie prompt selbst. Dann hatte sie ihre Gegnerin müde gespielt, gewann das Match 6:1, 6:3 und wusste erneut, dass es hilfreich ist, an sich selbst zu glauben, wenn man einen Weg verfolgt.

Halep ist in Konstanza aufgewachsen, am Schwarzen Meer, "wo es viel Strand, Wasser und frische Luft gibt", erzählte sie in Wimbledon, als sie erstmals im Mittelpunkt des Interesses stand. Schon vor fünf Jahren hatte sie im All England Club das Halbfinale erreicht, damals aber nach einer Knöchelverletzung unglücklich verloren. Ohnehin fand sie, dass das Rasenspiel ihrem Stil des Ballsports widersprach, sie bevorzugte Sandplätze und Hartcourts, die Beläge ihrer Jugend. Erst in dieser Woche legte sie ihren Widerwillen ab.

Simona Haleps Psychologin hat die Rumänin gelehrt, Fehler als Teil des Spiels zu akzeptieren

Seit Jahren schon gehört sie zu den Besten ihres Fachs, die ganz großen Titel aber blieben ihr verwehrt, bis sie 2018 endlich die French Open gewann. Erst in diesem Juni, als ihre Mission der Titelverteidigung scheiterte, sei der Moment gekommen, sagt sie, der ihren Blick auf das Leben einer Profisportlerin verändert hat. Sie verlor im Pariser Viertelfinale gegen Amanda Anisimova aus den USA und sah, dass sich auch für Grand-Slam-Siegerinnen die Welt nach einer Niederlage weiterdreht: "Niemand ist gestorben." Entspannt reiste sie nach London: Vielleicht, dachte sie, klappte es ja doch mit dem Rasen. Sie nahm sich vor, den Rat der Psychologin zu beherzigen, mit der sie seit zwei Jahren zusammenarbeitet und die sie lehrte, Fehler als Teil des Spiels zu akzeptieren. Früher habe sie oft "zu kompliziert gedacht und dann die falsche Entscheidung getroffen." Heute weiß sie, die einfache Taktik führt manchmal geradewegs ins Ziel.

Im Finale steht Halep nun Serena Williams gegenüber: Die 23-malige Grand-Slam-Siegerin hatte 2018 das Endspiel gegen Angelique Kerber auf dem Centre Court verloren. Am Samstag wird Williams mit 37 Jahren einen erneuten Versuch unternehmen, Titel Nummer 24 bei den großen Turnieren (Australian Open, French Open, Wimbledon, US Open) einzuheimsen und mit der mittlerweile 76-jährigen Rekordhalterin Margaret Court (Australien) gleichzuziehen. Im Halbfinale hatte sie leichtes Spiel mit Barbora Strycova beim 6:1 und 6:2. Nicht die leichteste Aufgabe also, die Simona Halep erwartet, aber die hat begriffen, dass sie eine Chance hat, auch auf Rasen: "Ich fühle mich mental stärker, wenn ich auf sie treffe." Sie muss das Spiel nur einfach halten: Plopp, plopp, plopp, wie ein Metronom.