Frauen-Bundesliga Umgestellt und eingespielt

An vielen Toren beteiligt, eines selbst erzielt: Fridolina Rolfö (rechts, gegen Sarah Zadrazil) erzielte das 4:0.

(Foto: Sven Leifer/imago)

Die Damen des FC Bayern gewinnen 5:0 gegen Verfolger Turbine Potsdam - und stellen sich auf einen kampfbetonten Ausflug nach Prag ein.

Von Anna Dreher

Thomas Wörle lief in kleinen Schritten etwas nach links. Dann wieder nach rechts. Ein Stück zurück. Und vor. Es waren keine hektischen Bewegungen, zu Unruhe hatte Wörle am Sonntag selten Grund. Und doch konnte sich der Trainer des FC Bayern München nicht hinsetzen. Er schaute und überlegte. Vor allem aber redete und rief Wörle, wenn seine Spielerinnen am Ball waren und wenn sie es nicht waren, wenn sie an der Seitenlinie direkt vor ihm standen und wenn sie an der anderen Ecke des Platzes waren. Er redete und rief so viel, dass seine Stimme nach dem Spiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam ihre Kraft verloren hatte. Aber an diesem Tag hatte Wörle die wichtigen Dinge gesagt. Und seine Spielerinnen die richtigen Entscheidungen getroffen.

Das 0:6 gegen Wolfsburg scheint vitalisierend gewirkt zu haben

Potsdam reiste als direkter Verfolger zum Campus des FC Bayern an, mit neun Punkten Abstand. Ein Sieg war für den FC Bayern also weniger deswegen wichtig, um diesen Gegner auf Abstand zu halten - sondern vor allem, um als Zweiter keine Punkte im Duell um die Bundesliga-Tabellenspitze gegen den VfL Wolfsburg zu verlieren. Dies gelang: Der FC Bayern setzte sich 5:0 (3:0) gegen Potsdam durch. Weil Wolfsburg in Freiburg 3:2 gewann, bleibt München zwar punktgleich hinter dem amtierenden Meister. Das Spiel am Sonntag zeigte aber, dass diese Mannschaft in den vergangenen Wochen viel Selbstvertrauen angehäuft hat. Der Sieg war der zehnte in Serie, die letzte Niederlage war am 30. September. Und das 0:6 gegen Wolfsburg scheint in seiner Heftigkeit eine Art vitalisierende Wirkung gehabt zu haben.

Im zweiten von sechs Spielen binnen 20 Tagen jedenfalls zeigte sich der FC Bayern von Beginn an eingespielt, trotz Rotation. Im Vergleich zum am Dienstag gewonnenen Pokalviertelfinale gegen Frankfurt veränderte Wörle seine Startelf auf vier Positionen. Statt Carina Wenninger, Melanie Leupolz, Lina Magull und Mandy Islacker begannen Kristin Demann, Lineth Beerensteyn, Sydney Lohmann und Jovana Damnjanovic. "Wir haben uns eine gewisse Stärke aufgebaut, das nehmen alle mit", sagte Wörle. "Wir haben gerade eine gute Breite auf hohem Niveau im Kader, da gibt es kein Gefälle. Wir können wechseln, weil gute Alternativen da sind." Das Team übte viel Druck aus, vor allem Nationalspielerin Demann leitete mit guter Übersicht entscheidende Spielzüge ein, häufig über Fridolina Rolfö oder Sydney Lohmann. In der zwölften Minute war es Dominika Skorvankova, die aus 18 Metern die Führung erzielte: linker Innenpfosten, Tor.

Potsdams Angriffe verpufften oft, weil Anspielstationen fehlten. Kapitänin Svenja Huth versuchte zwar, überall zu sein. Doch so schwer das ohnehin schon ist - gegen die an diesem Tag taktisch sehr diszipliniert auftretenden Bayern war es das erst recht. "Unser Hauptproblem ist gerade, dass wir gefühlt bei jedem Angriff ein Gegentor bekommen", sagte Huth frustriert. "Wir haben defensiv, aber auch offensiv zu langsam umgeschaltet. Und gegen so ein Team ist das dann einfach schwierig." Wie schwierig, bekam Potsdam oft zu spüren. Fast mühelos wuselten sich die Münchnerinnen noch zwei Mal in der ersten Halbzeit an ihnen in Richtung Strafraum vorbei. Sara Däbritz legte den Ball mit einem technisch feinen Pass auf Rolfö quer, die gab ihn weiter und Beerensteyn erhöhte auf 2:0. Dann traf Däbritz selbst (35.), mit einem ähnlich strammen Schuss wie zuvor Skorvankova. Potsdams Defensive? Kam nicht rechtzeitig zurück.

"Wir haben gewusst, dass wir über Außen und hinter der Abwehrkette Räume finden würden", sagte Demann. "Und wir profitieren natürlich davon, dass die Rotation bei uns nichts durcheinanderbringt. Wir sind gerade in so einem guten Lauf." Potsdam versuchte sich kämpferisch im Widerstand, aber in der zweiten Hälfe holte sich München mit cleveren Kombinationen und schönen Toren noch mehr Selbstvertrauen. In der 68. Minute wurde Potsdam geradezu überrannt, Rolfö fügte sich bei der Wahl ihrer Technik in das Muster ihrer Vorgängerinnen, als sie kaltschnäuzig zum 4:0 ins lange rechte Eck abzog.

"Wir hatten uns vorgenommen, viel Druck auszuüben. Unser Zug zum Tor war heute schon sehr stark, die Angriffe variabel, das lief alles sehr gut", fand Wörle. Däbritz spielte reaktionsschnell auf die zur Halbzeit eingewechselte Jill Roord. Potsdams Defensive? Kam nicht hinterher. Und so lief Roord ungestört auf ihr Ziel zu, Torhüterin Vanessa Fischer stellte sich in den Weg und musste zusehen, wie Roord den Ball über sie zum 5:0 (79.) lupfte.

Diesen Mittwoch steht in Prag das Hinspiel des Viertelfinals in der Champions League gegen Slavia an. Das sei ein sehr kämpferischer, aggressiver Gegner, prognostizierte Wörle. Aber nach diesem Spiel konnte er mit heiserer Stimme sagen: "Dafür muss ich keine meiner Spielerinnen extra motivieren."