Frankreich in der Einzelkritik:Benzema treibt den TGV alleine an

Karim Benzema ist der Fixpunkt seines Teams. Torwart Hugo Lloris erinnert bisweilen an Roman Weidenfeller. Und Raphael Varane steht auf dem Rasen wie die Christus-Statue über Rio. Die Franzosen beim 0:1 gegen Deutschland in der Einzelkritik.

Von Thomas Hummel, Rio de Janeiro

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Frankreich in der Einzelkritik:Hugo Lloris

World Cup 2014 - France vs Germany

Quelle: dpa

Karim Benzema ist der Fixpunkt seines Teams. Torwart Hugo Lloris erinnert bisweilen an Roman Weidenfeller. Und Raphael Varane steht auf dem Rasen wie die Christus-Statue über Rio. Die Franzosen beim 0:1 gegen Deutschland in der Einzelkritik.

Hugo Lloris: "Neuer ist wirklich der beste Torwart der Welt" hatte er vor dem Spiel gesagt. Vorauseilender Gehorsam? Zeigte zumindest, dass sein Spiel mit den Füßen nicht so ausgefeilt ist wie das seines Gegenübers. Vor allem bei Schüssen mit rechts erinnerte er stark an Roman Weidenfeller. Beim 0:1 hätte er indes auch als bester fußballspielender Torwart der Welt keine Chance gehabt. Hatte sonst nichts zu tun, hielt dann aber nach 82 Minuten seine Elf im Spiel, als er gegen Schürrle rettete. Zeigte anschließend, dass er auch den Strafraum verlassen kann und bolzte den Ball auf die Tribüne. Bolze gleich danach den zweiten Ball ins Seitenaus - ist eben kein Manuel Neuer.

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Frankreich in der Einzelkritik:Mathieu Debuchy

World Cup 2014 - France vs Germany

Quelle: dpa

Mathieu Debuchy: Wird schon beim FC Arsenal gehandelt als Rechtsverteidiger. Schwenkt der dortige Trainer Arsène Wenger nun auf die Holzhacker-Methode um? Hatte in der ersten Halbzeit zwei Szenen, in denen er knapp um einen Elfmeter herumkam. Vervollständigte seinen rustikalen Eindruck mit einigen Fouls. Seine beste Szene blieb, als er Sami Khedira bei einem Befreiungsschlag mit dem Ball eine Backpfeife verpasste.

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Frankreich in der Einzelkritik:Raphael Varane

France v Germany: Quarter Final - 2014 FIFA World Cup Brazil

Quelle: Getty Images

Raphael Varane: Großes, riesiges, monströses Abwehrtalent von Real Madrid. Muss allerdings körperlich noch zulegen, will er dort Pepe und Sergio Ramos verdrängen. Diese beiden wären beim 0:1 als Gegenspieler von Mats Hummels wohl nicht vom Körper des Dortmunder abgeprallt wie ein Volleyball an einer Mauer. Sah in diesem Zweikampf schlecht aus. Wollte später seine technischen Fähigkeiten vorführen, lupfte einen Pass allerdings an den Kopf von Thomas Müller statt über den Bayern-Profi. Stand in der ersten Halbzeit einmal da wie die Christus-Statue über Rio, weil er so gar nicht verstand, warum die Deutschen so häufig bis zu ihm durchkamen. Versuchte, nach der Pause alles gut zu machen, sein Kopfball geriet aber zu schwach für Neuer.

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Frankreich in der Einzelkritik:Mamadou Sakho

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Quelle: AFP

Mamadou Sakho: Teil zwei der unerfahrenen Abwehr mit Varane. Agierte allerdings in wichtigen Szenen abgeklärter als sein Partner. Und wenn es sein musste, holte er fast den Scherenschlag raus. Ansonsten sehr unauffällig, was als Abwehrspieler kein Grund für eine schlechte Beurteilung sein muss. Fiel immerhin bis unters Stadiondach des riesigen Maracana mit seinem blonden Irokesen-Schnitt auf. Zum ersten Mal fußballerisch fiel er nach 69 Minuten mit einem fatalen Fehlpass auf, doch die Deutschen nutzten ihn nicht. Musste kurz darauf vom Platz.

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Frankreich in der Einzelkritik:Patrice Evra

World Cup 2014 - Quarter final - France vs Germany

Quelle: dpa

Patrice Evra: Als Anführer der Revolte von Knysna 2010 auf Wiedergutmachungstour. Spielt in Brasilien eine starke und fast leise WM. Konzentriert sich auf sein Können auf dem Platz, was für Gegenspieler Thomas Müller unangenehm war. Evra gehört zu den besten Linksverteidigern der Welt, kann im Gegensatz zu seinem Gegenüber Höwedes links vorne anständige Aktionen bieten, schlug einmal eine herrliche Flanke auf Benzema.

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Frankreich in der Einzelkritik:Yohan Cabaye

World Cup 2014 - Quarter final - France vs Germany

Quelle: dpa

Yohan Cabaye: Wollte dem Spiel seiner Mannschaft Struktur verleihen. Kam allerdings in der ersten Halbzeit überhaupt nicht dazu, mit kleinen, feinen Pässen das Spiel seiner Mannschaft einzuleiten. Musste sich ständig der Attacken von Khedira, Özil und Klose erwehren und blieb mit dem Ball stecken als stünde er auf Rios Straßen während der Stoßzeit im Stau. Begann nach der Pause viel besser, was gleich die ganze Mannschaft dankte. Musste dennoch nach 72 Minuten raus für einen Stürmer.

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Frankreich in der Einzelkritik:Blaise Matuidi

France v Germany: Quarter Final - 2014 FIFA World Cup Brazil

Quelle: Getty Images

Blaise Matuidi: Hatte einen Spezialauftrag: Bastian Schweinsteiger hieß der Gegner, den er anlaufen sollte. Das tat er auch fleißig, als er jedoch vor ihm stand, hatte der zumeist schon den Ball weitergespielt. Rieb sich dabei so auf, dass er lange Zeit überhaupt nichts zum offensiven Spiel der Franzosen beitragen konnte. Machte sich nach dem Seitenwechsel über die linke Seite auf, was für erheblichen Wirbel in der deutschen Abwehr sorgte.

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Frankreich in der Einzelkritik:Paul Pogba

France v Germany: Quarter Final - 2014 FIFA World Cup Brazil

Quelle: Getty Images

Paul Pogba: Wie viel ist er nun wert? 60 Millionen Euro? 80 Millionen Euro? Toni Kroos wollte die Summe, die der nächste Verein für diesen 21-jährigen Stern am Talentehimmel zu zahlen bereit ist, offenbar ordentlich drücken, so verbiss sich der Münchner ins Privatduell mit Pogba. Der Franzose hatte damit häufig mehr Probleme als ihm lieb war, konnte sich während der ersten Halbzeit nur einmal spektakulär aus Kroos' Umklammerung befreien, um anschließend gleich einen Fehlpass zu spielen. Dass Pogba überhaupt kein Faktor im Spiel war, tat den Franzosen sehr weh.

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Frankreich in der Einzelkritik:Mathieu Valbuena

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Quelle: AFP

Mathieu Valbuena: War dies nicht das größte Missmatch des Spiels? Der kleine, wendige, trickreiche Valbuena gegen den steifen Höwedes? Da mussten die Franzosen doch was draus machen! Denkste! Valbuena gewann eine Halbzeit lang keinen Zweikampf gegen den Schalker, bewies allerdings Spielintelligenz, und wich deshalb in die Mitte aus, wo er starke Szenen hatte. Der gefährlichste Angreifer seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit, zwang Manuel Neuer zu einer kniffligen Parade. Übernahm sich allerdings auch, als er zuerst mit Boateng und dann mit Schweinsteiger ins Luftduell ging. Die beiden schweren, deutschen Massivkörper begruben ihn zweimal unter sich.

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Frankreich in der Einzelkritik:Antoine Griezmann

World Cup 2014 - France vs Germany

Quelle: dpa

Antoine Griezmann: Der Querläufer. Zog an der Linie zum Abseits etliche Sprints an, was den Deutschen theoretisch sehr weh hätte tun können. Die Pässe aus dem Mittelfeld waren allerdings stets zu lang, nicht einmal der schnelle Griezmann konnte sie erreichen. Blieb aber frech und ein ständiger Unruhefaktor. Ob er noch lange in San Sebastián spielen wird? Baute nach der Pause allerdings ab, hatte einige technische Probleme. Die Hitze?

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Frankreich in der Einzelkritik:Karim Benzema

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Quelle: AFP

Karim Benzema: Wirkt wie der Fixpunkt der französischen Mannschaft, wenn er mit seinem stämmigen Körper, seinem düsteren Ausdruck vorne auf die Bälle wartet. Ihm würde man auch zutrauen, den TGV von Paris nach Lyon alleine zu ziehen. Und so suchten ihn seine Mitspieler immer wieder, manchmal fanden sie ihn auch. Benzema vergab seine ersten Möglichkeit aber relativ kläglich, als er aus zehn Metern vorbeischoss. Beim zweiten Mal köpfelte er Mats Hummels gegen den Bauch, was auch kein Meisterstück war. Versuchte zunehmend, den Ball mit seiner mächtigen Brust herunterzustoppen, was ihm erstaunlich oft gelang, sogar im Strafraum, doch dann brachten die Deutschen ständig noch ein Körperteil dazwischen. Scheiterte mit der letzten Chance an Neuers rechter Hand.

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Frankreich in der Einzelkritik:Laurent Koscielny

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Quelle: AFP

Laurent Koscielny: Eher ungewöhnlich, dass ein Abwehrspieler nach 70 Minuten ins Spiel kommt, wenn die Mannschaft zurückliegt. Unauffällig.

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Frankreich in der Einzelkritik:Loïc Rémy

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Quelle: AFP

Loïc Rémy: Eher gewöhnlich, dass ein Stürmer nach 72 Minuten kommt, wenn die Mannschaft zurückliegt. Sollte über rechts Benedikt Höwedes weiter bearbeiten. An dem war kein Vorbeikommen.

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Frankreich in der Einzelkritik:Olivier Giroud

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Quelle: AP

Olivier Giroud: Letzte Hoffnung für Frankreich. Kam nach 84 Minuten auf das Feld, sollte das nötige Tor schießen. Köpfte erst einmal den Ball ins Seitenaus. Völlig wirkungslos.

© Süddeutsche.de/fued
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