Frankfurt Ende der Wanderschaft

Vor viereinhalb Jahren hatte Sebastian Rode (2.v.l.) letztmals für Frankfurt gespielt. Nun überzeugte er in der ersten Partie nach seiner Rückkehr.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Sebastian Rode gibt ein gutes Comeback beim 3:1 der Eintracht gegen Freiburg.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Trotz vieler Höhen und Tiefen in seiner Karriere hat sich Sebastian Rode die Bodenständigkeit bewahrt. In der Winterpause ist der 28-Jährige zu Eintracht Frankfurt zurückgekehrt, daran geknüpft die Erwartung, endlich wieder im Profigeschäft mitspielen zu dürfen. Wann er letztmals ein Pflichtspiel von Anpfiff an hatte bestreiten dürfen, daran erinnerte er sich konkret nicht mehr: "Gegen Legia Warschau, wurde mir gesagt", erzählte Rode im Nachgang des 3:1-Heimerfolgs der Eintracht gegen den SC Freiburg.

Es war ein Champions-League-Gruppenspiel mit Borussia Dortmund, als der Trainer dort noch Thomas Tuchel hieß. Nach einer umfassenden Rotation hatte Rode am 22. November 2016 als rechter Verteidiger geholfen, einen 8:4-Kantersieg einzufahren - bis heute der Torrekord für die Champions League. Verdammt lang her, anschließend folgten für den Allrounder mit dem großen Aktionsradius nur Kurzeinsätze und Verletzungspausen. Deshalb empfindet Rode heute jede beschwerdefreie Spielminute als Glück.

Sein Comeback, das nach 72 Minuten unter höflichem Applaus mit der Auswechslung endete, beurteilte Rode zurückhaltender ("Bin mit meiner Leistung zufrieden") als sein Umfeld. Trainer Adi Hütter meinte: "Er hat so gespielt, als sei er nie weg gewesen. Er war einer unserer Aktivposten. Das verdient ein Kompliment." Nebenmann Gelson Fernandes, der Dauerrenner im defensiven Mittelfeld, urteilte nicht minder erfreut: "Er hat die richtige Mentalität, und er hat Lust, Fußball zu spielen - er hat in Dortmund keine anderthalb Jahre Ferien gemacht. So ein Spieler mit einer so hohen Identifikation tut einer so internationalen Truppe wie unserer gut."

Der weit gereiste Schweizer sprach damit den Heimatfaktor an, mit dem Rode die polyglotte Vielfalt der Eintracht komplettiert: Er stammt aus Alsbach-Hähnlein an der Bergstraße, in Bensheim im Odenwald baut er mit seiner Jugendliebe Johanna, Tochter des ehemaligen Frankfurter Finanzvorstandes Thomas Pröckl, ein Haus. So einer kann zweifelsfrei beurteilen, wie sehr sich der Klub mit dem Adler im Logo während Rodes Wanderschaft zum FC Bayern (2014, ablösefrei) über den BVB (2016, zwölf Millionen Ablöse) zurück zur Eintracht (zunächst auf Leihbasis) verändert hat. Schon bei seiner Präsentation hatte der einstige Jugendnationalspieler festgestellt, die Eintracht habe immer viel Potenzial gehabt: "Jetzt ist es erwacht." Nach seinem guten Comeback am Main fügte er an: "Es gibt einiges zu verbessern, aber mit dieser Mannschaft ist vieles möglich."

Speziell mit diesem tollkühnen wie torgefährlichen Trio im Angriff, das die Gegner nach Belieben überrennt. Selbst Frankfurts Funktionäre verwenden inzwischen den Begriff "Büffelherde", um die Durchschlagskraft des Franzosen Sébastien Haller (zehn Tore, acht Vorlagen), des Kroaten Ante Rebic (sechs, drei) und des Serben Luka Jovic (13, drei) in einem Wort zu bündeln. Nur Trainer Hütter hält sich raus: "Ich nenne sie so nicht", aber es sei angenehm, "wenn man als Trainer weiß, dass einer immer in der Lage ist zu treffen". Gegen Freiburg lautete die Reihung: 1:0 Haller (36.), 2:0 Rebic (40.), 3:0 Jovic (45.).

Nachdem Haller den Ball per Kopf ins Netz gewuchtet hatte, ließ sich Rebic zu seiner feinen Solo-Einlage nicht lange bitten. Und dann vollendete Jovic nach grobem Schnitzer von Freiburgs Robin Koch, der als letzter Mann vor dem Torwart den Ball vertändelte, zum dritten Frankfurter Treffer, ehe Nils Petersen für den SC noch das 1:3 gelang (69.). Der Frankfurter Angriff bestehe aus "Qualitätsspielern der Extraklasse", bestätigte Freiburgs Defensivkraft Dominique Heintz. Das Trio sei wegen seiner Qualitäten - Wucht, Entschlossenheit, Instinkt, List - kaum zu verteidigen.

Wer trifft, so der Franzose Haller, sei letztlich egal: "Wir sind füreinander da und müssen füreinander arbeiten." Ein Novum gelang dem Trio aber am Samstag: Erstmals gab es ein Ligaspiel, in dem jeder von ihnen traf.