Fortuna Düsseldorf Her mit den Alten!

Friedhelm Funkel: 63, Peter Herrmann: 64, Erich Rutemöller: 71. Ein Senioren-Trio hat Fortuna Düsseldorf reanimiert.

Von Philipp Selldorf, Düsseldorf

Erich Rutemöller war erstaunt, als ihn im vorigen Sommer der Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer kontaktierte, und noch erstaunter war er, als er dann mit eben jenem Vorstandschef im Restaurant "Erpel" in Köln-Lindenthal zusammenkam und dieser ihn fragte, ob er den Posten des Sportvorstands bei Fortuna Düsseldorf übernehmen wolle. "Da habe ich mich erst mal gewundert", erzählt Rutemöller, 71, denn er war zwar während seiner Laufbahn als Fußball-Lehrmeister schon in Bhutan und Tadschikistan, in Nordkorea, Uganda und Namibia sowie in circa 75 anderen Ländern dieser Erde tätig, aber mit der Fortuna aus der Nachbargemeinde Düsseldorf hatte er nie zuvor zu tun gehabt. Doch Rutemöller stellte keine Fragen, wie Schäfer, 40, nun ausgerechnet auf ihn gekommen war. Er sagte zu. Über seine Forderungen musste nicht lange verhandelt werden: Rutemöller bekommt Benzingeld und eine Aufwandsentschädigung, sein Vorstandsjob ist ein Ehrenamt.

Auf dem winterlichen Transfermarkt findet gerade ein Schönheitswettbewerb statt, welcher Spitzenverein sich das noch jüngere und noch teurere Spitzentalente zu sichern weiß. Zurzeit führt Borussia Dortmund dank des 17-jährigen Alexander Isak vor RB Leipzig mit Dayot Upamecano, während sich Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach um den 19-jährigen Leroy Baily bemühen. Gerüchte gibt es auch um den 29-jährigen Julian Nagelsmann (München? Dortmund?), der aber kein junger Spieler, sondern ein verdammt junger Trainer ist. Erich Rutemöller stellt daher mit Recht fest: "Die Spieler werden immer jünger, die Trainer auch - nur nicht bei Fortuna Düsseldorf."

Ein Duo, das in den Tiefen des vorigen Jahrhunderts die Karrieren gestartet hat: Trainer Friedhelm Funkel (rechts) und der langjährige Heynckes-Assistent Peter Herrmann.

(Foto: imago)

Trainer Funkel hat mehr Spiele gespielt und gecoacht als Otto Rehhagel und Jogi Löw

Nach dem Motto des Maggi-Kochstudio (". . . denn Erfahrung ist der beste Koch") hat die Fortuna eine sportliche Führungscrew zusammengestellt, die in scheinbar programmatischer Absicht den Trends im hiesigen Profifußball entgegensteht. Rutemöller, vor 25 Jahren Cheftrainer des 1. FC Köln und seit bald vier Jahrzehnten ein weltweit begehrter Lehrbeauftragter, beaufsichtigt als Vorstandsmitglied die Arbeit von Friedhelm Funkel, 63, und Peter Herrmann, 64, die in den Tiefen des vorigen Jahrhunderts ihre Karrieren als Trainer und Co-Trainer aufgenommen haben. Dass er neulich Frank Schäfer als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums vorgestellt hat, bedeutet kein Abweichen von der Linie. Schäfer ist zwar erst 53 Jahre alt, aber schon seit 1987 als Jugendtrainer im Rheinland tätig. Zweimal betreute er die Profis des 1. FC Köln.

Die Fortuna wird von einer Art Ältestenrat regiert, die skeptischen Bemerkungen darüber halten sich jedoch in Grenzen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Düsseldorfer über den Saisonverlauf nicht beklagen möchten. Nachdem Funkel als spät herbeizitierter Rettungssanitäter den Abstieg abwenden konnte, hat er die Mannschaft auf einen soliden Platz im oberen Mittelfeld gelenkt. Das Fortuna-Team, das nach dem Erstligaabstieg jahrelang in wilde Unordnung zerfiel, nimmt wieder Gestalt an. Es ist eine Mischung aus alten Größen wie Bellinghausen, Bodzek, Fink und Madlung und jungen Karrierestartern wie Ayhan, Akpoguma, Sobottka und Bebou, im Tor steht der erfahrene Rensing, vornedrin der versierte Torjäger Hennings. Neulich beim Telekom-Cup schaffte die Mannschaft ein Remis gegen die Bayern, bevor sie dann Borussia Mönchengladbach, jawohl, vom Platz fegte. "Man sollte das nicht so hoch hängen", sagt Rutemöller, "aber es hat gut ausgesehen." Dem Rückrundenstart an diesem Freitag mit dem Spiel gegen Sandhausen sieht er erwartungsvoll entgegen.

Düsseldorfs Sportvorstand Erich Rutemöller, 71, mit Gips.

(Foto: imago)

Dass Rutemöller demnächst mit Funkel und Hermann einen gemeinschaftlichen 200. Geburtstag feiern könnte, das versetzt die Betroffenen nicht in Unruhe. "Das Erfolgsgeheimnis heißt Spaß und Freude", verrät Funkel, der Unverwüstliche, der mehr Spiele gespielt und gecoacht hat als jeder andere Angehörige des Profifußballs, Otto Rehhagel und Jogi Löw inbegriffen. Vor sechs Wochen haben er und Hermann den Vertrag mit Fortuna bis 2018 verlängert. Beim Co-Trainer hatte es allerdings ein paar Bedenken gegeben. "Der Peter redet ja immer wieder mal vom Aufhören", sagt Rutemöller. Aber dann hat man ihn doch überzeugen können, "was uns alle froh gemacht hat, denn auf den Peter Hermann schwören die Spieler. Dass er jahrelang mit Jupp Heynckes gearbeitet und pausenlos Titel geholt hat, das beeindruckt die unheimlich."

Ob alt oder jung, was schert's den Fußball? "Wichtig ist ja nicht das numerische, sondern das biologische Alter", meint Rutemöller. Ruhestand braucht er nicht. Während der Hinrunde ist er nicht nur regelmäßig aus Köln zur Fortuna nach Düsseldorf gefahren, sondern im Dienst der Fußball-Verbände (mit dem DFB unterhält er einen Beratervertrag) wie üblich um den halben Globus gereist. Er war auf Lehrgängen in Afrika, Asien, Osteuropa. Jetzt werde es "allmählich ruhiger", behauptet er. Doch im Januar war er bereits in Japan, um vor 1300 Trainern über die deutsche Nachwuchsförderung am Beispiel von Fortuna Düsseldorf zu sprechen, auf dem österreichischen Trainerkongress in Wien hat er den Referenten Thomas Schaaf getroffen, und demnächst in Bahrain wird er auch alten Bekannten begegnen. "In Asien", lobt Erich Rutemöller, "wird das Alter geehrt, dort macht man sich das Wissen und die Erfahrung zunutze. Hier denkt man ja oft: Weg mit den Alten, her mit den Jungen." So ist das wohl. Außer in Düsseldorf.