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Fifa-Skandal:Hilfsgelder, die nie ankommen

  • Funktionäre in der Fifa tarnten ihre korrupten Geschäfte offenbar mit Spendengeldern, die die Empfänger nie erhalten haben.
  • Chung Jong-Moon würde gerne Fifa-Präsident werden, muss aber Fragen zur Fluthilfe für Pakistan beantworten.
  • Die FBI-Ermittlungen voranschreiten: In Italien stellt sich der argentinische Rechtehändler Alejandro Burzaco der Polizei.

Auch Chung Jong-Moon war zugegen, als sich Spitzenvertreter der globalen Fußballgemeinde am Wochenende in Berlin beim Champions-League-Finale versammelten. Für die meisten war der Spielausgang marginal - schließlich ging es neben dem Rasen auch um das Ausloten von Allianzen und individuellen Chancen im Kampf um die Nachfolge Sepp Blatters. Der Fifa-Boss will angeblich auf einem Sonderkongress in den nächsten Monaten von der Spitze des Fußball-Weltverbandes abtreten. Und Chung, 63, hat erklärt, dass er sich für den Job sehr interessieren würde.

Der Südkoreaner hat Erfahrung, er saß lange im Fifa-Vorstand (1994 bis 2011) und führte seinen Nationalverband (1993 bis 2009). Zugleich gehört er der mächtigen Hyundai-Familie an, zählt zu den reichsten Männern des Landes und war in der Vergangenheit politisch stark ambitioniert. So einer kann Gewicht einbringen, wenn es um die Wahl des neuen Fifa-Chefs geht.

Aber nun hat auch er Fragen zu beantworten - wie andere Funktionäre, die derzeit als Kandidaten für Blatters Nachfolge gelten. Der Franzose Michel Platini, Präsident von Europas Fußball-Union, weil er bei der Wahl des WM-Ortes 2022 für Katar stimmte und sein Sohn später bei einer katarischen Firma unterkam. Oder Scheich Al-Sabah aus Kuwait, der höchst erfolgreich Mehrheiten in der Sportwelt schmiedet, aber im Kontext mit Korruptionsvorwürfen gegen engste Mitarbeiter selbst schon mit dem Sportthema Nummer eins in Berührung kam. Und Chung? Muss einen Vorgang in Pakistan erklären.

Es geht um eine 400 000-Dollar-Spende des Spitzenfunktionärs an Pakistans Fußballverband. Sie sollte nach der Flutkatastrophe 2010 dem Wiederaufbau einer zerstörten Fußballanlage dienen. Weitere 250 000 Dollar sollte Asiens Fußballverband (AFC) beisteuern. Das Aufbauprojekt kam bis heute nicht in Gang, der pakistanischen Zeitung Dawn zufolge liegt das Geld gut verzinst auf einem Konto des Landesverbands. Mit Wissen des AFC, wie die pakistanische Föderation versichert.

Interessant ist der enge zeitliche Zusammenhang zwischen ungenutzter Spende und wichtigen sportpolitischen Entscheidungen. Chung kämpfte damals um einflussreiche Posten, insbesondere um den Platz als Fifa-Vizepräsident, der Asien zusteht. Am Ende unterlag er bei der AFC-Abstimmung Anfang 2011 Ali bin al-Hussein. Der jordanische Prinz beklagte nach der Wahl, dass "signifikanter Druck" auf nationale Verbände ausgeübt worden sei, Kandidaten aus dem Chung-Block zu wählen.