bedeckt München 29°

Fifa:Rückschlag für den DFB

DFB-Vize Rainer Koch

Rücksicht auf die deutsch-französische Freundschaft: DFB-Vizepräsident Rainer Koch verzichtet auf eine Kandidatur um einen Platz im Spitzengremium des Weltverbandes.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Vizepräsident Rainer Koch verzichtet vorerst darauf, für den Rat des Fußball-Weltverbandes Fifa zu kandidieren. Sein Platz geht an einen Kollegen aus Frankreich, der sich kritischer gegenüber Fifa-Chef Gianni Infantino positioniert.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) muss in seinen Bemühungen um größeren internationalen Einfluss einen Rückschlag hinnehmen. Am Donnerstag teilte der Verband mit, dass Vizepräsident Rainer Koch, 60, im März anders als geplant nicht für einen Platz im Rat des Weltverbandes Fifa kandidiert. Damit ist klar, dass der deutsche Fußball und der DFB als größter Einzelverband der Welt erstmals seit 2002 über einen längeren Zeitraum nicht im Führungsgremium des Weltverbandes vertreten sein werden. Seit damals waren nacheinander - und höchstens von einigen Übergangswochen unterbrochen - Gerhard Mayer-Vorfelder, Franz Beckenbauer, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach sowie Reinhard Grindel Mitglieder der Fifa-Exekutive.

Grindel war im Frühjahr im Zuge einer Uhren-Affäre nicht nur als DFB-Präsident zurückgetreten, sondern auch von seinen internationalen Ämtern. Ihm folgte interimistisch der Franzose Noel Le Graet. Ursprünglich war geplant, dass dieser im März ausscheidet und wieder ein deutscher Funktionär nachrückt - gemäß der Absprachen der DFB-Führungsriege um den neuen Präsidenten Fritz Keller sollte das Koch werden. Doch Le Graet will weitermachen. "Mit Blick auf die deutsch-französische Freundschaft sowie aus Respekt vor Noel Le Graet und seinen Verdiensten um den Fußball", habe er sich entschieden, nicht zu kandidieren, sagte Koch nun.

In die aktuellen Personalien spielen allerdings auch die internationalen Positionierungen hinein. Denn Europas Fußball-Union (Uefa) entscheidet selbst, welche neun Europäer sie in das 37-köpfige Fifa-Gremium entsendet. Zugleich gibt es zwischen der von Aleksander Ceferin geführten Uefa und der Fifa unter deren Präsidenten Gianni Infantino ein tiefes Zerwürfnis. Die Europäer wehren sich gegen die diversen Alleingänge und teils mysteriösen Projekte Infantinos, mit denen dieser nach mehr Macht und Geld im Fußball strebt. Da liegt es nahe, dass die Uefa ins Leitgremium des Weltverbandes nur Personen entsenden will, auf die sie bauen kann - und das scheint bei den Deutschen aktuell offenbar nicht der Fall zu sein.

Der frühere DFB-Präsident Grindel war zwar in seiner Amtszeit für viele Punkte kritisiert worden, bei internationalen Fragen aber profilierte er sich mit einer klaren Haltung gegen Infantino. Nach seinem Aus im April ist von den Deutschen diesbezüglich nichts mehr zu vernehmen. Stattdessen ist der DFB erkennbar um ein anderes Verhältnis zu Infantino bemüht. Der Franzose Noel Le Graet hingegen, der nun im Fifa-Rat bleiben soll, hatte sich im Sommer beim Konvent des Weltverbandes in Paris kritischer positioniert.

In den Uefa-Vorstand dürfte Koch beim Kongress im März sicher einziehen. Einen Platz im Fifa-Rat allerdings, der laut DFB weiterhin das Ziel bleibt, kann er erst 2021 wieder anstreben.

© SZ vom 13.12.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite