FC Bayern:Fans äußern sich kritisch oder treten aus

Und doch ist es für den FC Bayern auch im Jahr 2016 nicht so einfach, allein aus sportlichen Gründen nach Doha zu reisen. Sozialdemokraten aus dem Europaparlament sehen in der Reise weiterhin eine politische Dimension. So habe sie "den Effekt, dass die Position eines Landes wie Katar gestärkt wird", sagte Norbert Neuser, der Koordinator des Ausschusses für Entwicklung. Besonders tief sitzt die Verstimmung jedoch bei den eigenen Anhängern.

Der "Club Nr. 12", eine Dachorganisation der Fanklubs, hat dem Vorstand in direkten Gesprächen mitgeteilt, dass er die Reise kritisch sieht. In Foren und sozialen Netzwerken haben zahlreiche Fans ihren Frust über die Reise formuliert, einer der schärfsten Kritiker war Yalcin Imre, dessen Podcasts bis zu 10 000 Menschen abrufen. Imre bezeichnet sich selbst als "politischen Menschen", er sagt: "Wenn ein Verein ein Verein sein will, muss er auch seine Werte leben. Und für mich legitimiert der FC Bayern allein mit seiner Anwesenheit in Katar das Handeln der dort Herrschenden. Mich enttäuscht es, dass der Klub nicht stärker Stellung zu diesen Themen bezieht." Imre hat daher die Austrittserklärung unterschrieben, von Juni an wird er nicht mehr Mitglied des FC Bayern sein. "Wenn dadurch nur einer anders über die Haltung des Vereins denkt, dann hat es sich für mich schon gelohnt."

"Der FC Bayern hätte ein Zeichen setzen können"

So weit ist Oliver Schmidt, Klubmitglied seit 1991, Mitgliedsnummer 8813, nicht. Auch er betreibt einen Blog, er sagt, er werde auch beim FC Bayern gelesen. Und auch er ist enttäuscht. "Für mich war mein Verein immer ein Vorbild", sagt er, "ich finde, dass er ein Zeichen hätte setzen können, indem er nicht nach Katar reist. Für mich hätte das die Marke des Vereins langfristig gestärkt. So aber unterstützt er durch seine Präsenz ein Land, das für ganz andere Werte steht."

Auch Schmidt hat über einen Austritt nachgedacht, das würde ihm aber eine Möglichkeit nehmen: Als Mitglied darf er im Herbst auf der Jahreshauptversammlung einen Wortbeitrag anmelden. Dann will er den Vorstand auf die Katar-Reise ansprechen. Er hofft dann auf eine Antwort, die den Verein für ihn wieder zu einem Vorbild macht.

© SZ vom 05.01.2016
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