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FC Bayern: Fanproteste:"Gewalt angedroht"

Manfred Straßer, Chef des Bayern-Fanklubs "De Rodn Waginga" über die Stimmung in der Kurve, gesteuerte Proteste und eine Pro-Hoeneß-Aktion.

Interview: Gerald Kleffmann

Manfred Straßer aus dem oberbayerischen Waging ist Vorstand des FC-Bayern-Fanklubs "De Rodn Waginga", der 2000 Mitglieder zählt.

SZ: Herr Straßer, beim Spiel Bayern gegen Mönchengladbach wurde ein Transparent nach dem anderen in der Südkurve hochgehalten, mit zum Teil wüsten Beleidigungen gegen Präsident Uli Hoeneß. Wie denkt Ihr Klub?

Straßer: Wir sind sehr enttäuscht, was da gelaufen ist. Alle, mit denen ich bisher gesprochen habe, fanden die Aktion voll daneben. Die Kritik an sich konnte jeder noch ein bisschen nachvollziehen, dass man 1860 nicht finanziell unterstützen muss. Es kommt zu viel Hilfe von Bayern-Seite. Aber den Präsidenten in den Schmutz zu ziehen, ist völlig überzogen.

SZ: Steckt nur ein kleiner Kreis dahinter?

Straßer: Das ist mit Sicherheit nur ein kleiner Kern. Ich gehe davon aus, dass federführend wahrscheinlich die Schickeria das Ganze initiiert hat. Auch wenn es eine kleine Gruppe war: Die Aktion kocht nun hoch, das ist schade. Die Schickeria als Ultra-Vereinigung hat sich auf die Fahnen geschrieben, keine Politik im Stadion zu machen. Und sie machen nichts anderes als Politik, und zwar gegen den eigenen Verein.

SZ: Wie wird die Schickeria in der Fanszene gesehen?

Straßer: Es gibt bei Bayern einen Arbeitskreis Fandialog. Dort sind 30 Fanklubs mit dabei, auch wir. Es gibt immer wieder mal Problemchen mit der Schickeria, auch wenn vieles aufgebauscht wird. Dass man den FCB kritisch hinterfragen muss, ist in Ordnung. Nur die Art zuletzt passte nicht. Gegen Hamburg zogen Leute durchs Stadion, brüllten "Vorstand raus". Dann die Aktion gegen Manuel Neuer ("koan Neuer"- Schilder; d. Red.), das fanden nicht alle in Ordnung. Jetzt der Tritt gegen Hoeneß. Es gibt Überlegungen, analog zu den Neuer-Plakaten eine "Pro-Hoeneß"-Aktion zu machen. Man müsste nur viele dafür gewinnen. Hoeneß hat so viele Verdienste, er hat das alles nicht verdient. Das Schlimmste wäre, wenn er irgendwann sagt, ich habe die Schnauze voll, ich mag nicht mehr. Dann wird's wirklich düster.

SZ: Nun haben aber auch viele moderate Fanklubs am Samstag die Banner mit dem Fanklubnamen verkehrt herum aufgehängt, als Zeichen, dass sie gegen ein Vorgehen im Klub sind.

Straßer: Viele Fanklubs wussten gar nicht genau, worum es bei dieser Aktion geht. Es wurde gesagt, man würde nur gegen eine mögliche finanzielle Zuwendung des FCB an 1860 protestieren. Was dann aber an Sprüchen kam, wusste kaum einer. So wurde vermittelt: Alle Fanklubs stehen dahinter. Teilweise wurde Druck ausgeübt.

SZ: Wie meinen Sie das?

Straßer: Wenn Fanklubs nicht bereit waren, ihr Banner umzudrehen, wurde Druck ausgeübt, das zu tun. Das Ganze ist unserer Meinung nach massiv gesteuert worden von einigen Fans und spiegelt nicht das wider, was die meisten Fans denken. Ich weiß von einem Fanklub speziell, der auch beim Arbeitskreis dabei war. Es ist ja meist einer für das Aufhängen des Banners zuständig, und der wurde offenbar von zehn sogenannten Fans angegangen, er soll doch endlich das Banner umdrehen - ihm wurde Gewalt angedroht. Es war anscheinend nicht alles so freiwillig.

SZ: Fühlen Sie sich als Fanklub missbraucht von anderen Fanklubs?

Straßer: Nein, das nicht. Aber es wirft ein schlechtes Licht auf die Fans des FC Bayern. Mein Trauzeuge aus Hamburg hat mich angerufen und gefragt, ob bei uns noch alles rundläuft. Die lachen sich halbkaputt im Land.

SZ: Bisher sind die Löwen-Fans berühmt dafür, sich zu zerfleischen. Fürchten Sie Ähnliches beim FCB?

Straßer: Die Befürchtung ist da. Ich hoffe jedoch, dass ein vernünftiger Dialog kommt. Die Schickeria ist ja auch im Arbeitskreis.

© SZ vom 05.04.2011

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