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Fabelhafte Elf der Hinrunde:Hösotreulic besiegt den furchtbaren Neuer

Ein vierköpfiges Monster hat keine Angst vor dem Torhüter aus München. Gladbachs Yann Sommer ist nicht nur schön, sondern auch stark. Und Augsburgs Paul Verhaegh hätte eine Statue verdient - mit oder ohne Beule in der Hose. Die SZ.de-Elf der Hinrunde.

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Quelle: SZ

Verheerend viele Beteiligte der Bundesliga haben vor Manuel Neuer kapituliert. Diese Erkenntnis basiert auf einer SZ-internen Analyse zum Zustand der sogenannten "Großchance". Haufenweise Stürmer haben die Hosen voll, wenn sie allein vor dem Bayern-Torwart auftauchen - am vergangenen Freitag schlotterten dem Mainzer Yunus Malli gleich zweimal die Knie.

Aber es gibt Hoffnung: Ein vierköpfiges Monster namens "Hösotreulic" hat es doch gewagt, ein Tor gegen Neuer zu schießen. Benedikt Höwedes, Elkin Soto (er tunnelte Neuer sogar), Marco Reus (damals noch munter im Auto unterwegs) und Ivica Olic - diese vier Superhelden haben es tatsächlich gewagt. Sie haben der Liga gezeigt: Angst lähmt! Immer weiter versuchen! Das Unmögliche ist möglich! Wir freuen uns so sehr über dieses Lebenszeichen der Toreschießerei, dass wir umgehend einen Monsterfanclub gründen wollen: "Die Höllenhunde Hösotreulic", das hätte was.

(jbe)

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Yann Sommer

Borussia. Mönchengladbach - FC Zürich

Quelle: dpa

Seit seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio ist deutschlandweit bekannt: Yann Sommer, der modelnde neue Torwart aus der Schweiz, ist Single. Ob in Mönchengladbach jetzt noch mehr Frauen ins Stadion kommen, ist nicht bekannt.

Eintrittskarten zu bekommen dürfte bei der Borussia aber nicht leichter werden. Das liegt nicht nur am schönen Yann, sondern auch am guten Yann. Der 25-Jährige trat die Nachfolge des Gladbacher Torwart-Helden Marc-André ter Stegen an, und sogar ihm selbst fiel auf: "Es kümmert in Nordrhein-Westfalen nicht viele, wenn der FC Basel in der Champions League gegen Chelsea gewinnt. Ich kam praktisch ohne Vorgeschichte an, im Prinzip mit null Kredit." Das hat sich geändert.

Sommer hielt in der Vorrunde zumeist fantastisch, war vielleicht der beste Torwart der Liga (Manuel Neuer spielt bekanntlich auf der Position des Libero mit Handschuhen). Mitunter hielt er auch gegen die eigenen Mitspieler. In Augsburg donnerte André Hahn versehentlich den Ball aufs eigene Tor, doch Sommer parierte blitzschnell. Und schön, selbstverständlich.

(hum)

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Moritz Stoppelkamp

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Quelle: AP

Die Bibel ist bekanntermaßen ein Buch voller Weisheiten. Wer dran glaubt, dem eröffnet es bisweilen unerklärliche Verweise auf die Neuzeit. Zum Beispiel Psalm 82, Absatz 3: "Schaffet Recht dem Armen und dem Waisen und helfet dem Elenden und Dürftigen zum Recht."

Nun muss als leichter Übertreiber gelten, wer den SC Paderborn zum Elenden und Dürftigen der Bundesliga machen will. Doch verwaist vom großen Geld ist der Aufsteiger sicherlich der ärmste Schlucker der Liga. Und nichtsdestotrotz belegen die Ostwestfalen nach der Hinrunde nicht den letzten, sondern immerhin den zehnten Platz. Warum? Kann eigentlich nur an göttlicher Hilfeleistung liegen. Aus exakt 82,3 Metern hat Moritz Stoppelkamp im September gegen Hannover 96 das 2:0 erzielt. Kommentar des Propheten Stoppelkamp: "Ich wusste nicht, dass ich überhaupt so weit schießen kann." Mit göttlicher Hilfe ist eben alles möglich.

(hum)

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Marco Reus

Training Borussia Dortmund - Marco Reus

Quelle: dpa

Falls Marco Reus abergläubisch ist (und welcher Fußballer ist das nicht?), dann dürfte er seinen Weihnachtsurlaub im Keller verbringen und hoffen, dass die Mäuse nicht aus den Löchern krabbeln. Dass nichts mehr passiert bis zum Silvester-Geballere. Bis dieses 2014 vorbei ist.

Die vielleicht einmalige Chance, Weltmeister zu werden, verpasste er am Fernseher. Der frühere Zimmerkollege Marvin Bakalorz grätschte ihn ins Krankenhaus. Karl-Heinz Rummenigge schwafelte monatelang über seinen Arbeitsvertrag. Sein Klub wandelte sich zum Absteiger. Und dann kommt eine Polizeistreife daher und entlarvt eine Lebenslüge: jahrelanges Fahren ohne Führerschein. Was für ein Drama!

Alle Amateurfußballer, die im vergangenen Jahr einen Karriereknick erlebten, ein tölpelhaftes Eigentor schossen, sich verletzten - all diese können den Christbaum betrachten und getröstet daran denken: Marco Reus hat es schlimmer erwischt.

(hum)

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Paul Verhaegh

FC Augsburg v SC Freiburg - Bundesliga

Quelle: Adam Pretty/Getty Images

Die Generation Playstation muss jetzt stark sein: Paul Verhaegh ist fast so gut wie Cristiano Ronaldo. Genau, DER Ronaldo. Der echte, wahrhaftige, ölige. Der Ronaldo, dem sie jetzt auf seiner Heimatinsel Madeira eine Bronzestatue mit übergroßem Geschlechtsteil gewidmet haben. Verhaegh kommt nicht von einer Insel, er stammt aus dem Limburger Land in Holland. Das ist da, wo auch Mark van Bommel seine ersten Grätschen geübt hat.

Verhaegh hat andere Qualitäten: Er kann ausgezeichnet Elfmeter verwandeln (für Niederländer ist das keine Selbstverständlichkeit). Ganze fünf Mal traf der Augsburger in dieser Hinrunde schon vom Punkt. Besser ist europaweit nur einer: Ronaldo, der sechs Strafstöße verwertete. Wir fordern daher dringend eine Statue für Verhaegh - mit oder ohne Beule in der Hose!

(jbe)

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Christoph Kramer

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Quelle: AFP

Als Christoph Kramer fünf Jahre alt war, begann er Fußball zu spielen. Als er 18 war, bestand er das Abitur an der August-Dicke-Schule in Solingen. Doch nie war im Leben des Christoph Kramer so viel los wie 2014. Der 23-Jährige wurde Weltmeister, er musste zig Mal von seinen Erinnerungslücken im Endspiel berichten, nachdem er in der 17. Minute mit Ezequiel Garay zusammengekracht war. Und auch nach der Rückkehr aus Brasilien ging es turbulent zu. Am elften Spieltag schoss er das spektakulärste Tor der Hinrunde: Aus 45 Metern überlupfte er seinen eigenen Torwart, der BVB gewann dank Kramer 1:0. Der defensive Mittelfeldspieler nahm seinen Fauxpas bewundernswert lässig. "Es war doch ein schönes Tor - nur leider in die falsche Richtung", meinte er.

Doch Kramer kann auch ernst: Das Fußballgeschäft sei "manchmal wie in einem modernen Menschenhandel", kritisierte er und bezog sich auf das Gezerre zwischen Leverkusen und Gladbach um seine Person. An diesem Montag wurde bekannt, dass Kramer zu Bayer zurückkehrt und bis 2019 verlängert. Vielleicht kehrt dann wieder etwas Ruhe in sein Leben ein.

(sonn)

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Naldo

VfL Wolfsburg v 1. FC Koeln - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ronaldo Aparecido Rodrigues ist jetzt Deutscher, deshalb nennen sie ihn auf dem Amt fortan "Herr Naldo". Herr Naldo wurde Anfang Dezember eingebürgert. Seit Paulo Rink war kein Südamerikaner mehr so deutsch wie der baumlange Mann aus Florianopolis im Süden Brasiliens. Außerdem ist Herr Naldo seit Jahren ein hervorragender Fußballer, neben Ivica Olic ist er mit fünf Saisontreffern sogar als bester Torschütze des VfL Wolfsburg.

Dabei ist Herr Naldo Abwehrspieler. Wenn er Tore erzielt, dann meistens mit dem Kopf - oder mit seinem rechten Fuß. Der birgt einen solchen Wumms, dass Herr Naldo damit auch Straßen aufbohren könnte. Das einzige, was Herr Naldo jetzt noch benötigt, ist ein deutscher Spitzname. Wie wäre "Nagel-Naldo"?

(jbe)

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Armin Veh

Werder Bremen - VfB Stuttgart

Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Es gibt diese Geschichte, die Armin Veh selbst mal erzählt hat und die von anderen für wahr befunden wurde. Ein junger bayerischer Kicker vom FC Augsburg ging mit 18 Jahren zu Borussia Mönchengladbach, wo Jupp Heynckes Trainer war. Dort traf der Bayern auf einen anderen hoffnungsvollen Bayern. Veh galt als noch begabter als dieser Franke, der Jahre später zum Weltfußballer und Weltmeister aufsteigen sollte und Lothar Matthäus heißt. Doch Veh war stinkfaul. Er hatte keine Lust, sich für Bundesliga- oder Länderspiele zu quälen.

Auch als Trainer hat Veh sich nicht verändert, er macht nur das, wozu er Lust hat und was er mit Herz und Leidenschaft vertreten kann. So kann der 53-jährige Bauchmensch eine Mannschaft wie den VfB zur deutschen Meisterschaft coachen (2007). Und nur so lassen sich seine überraschenden Rücktritte in Rostock, Hamburg, Frankfurt - und vor wenigen Wochen in Stuttgart - erklären. Armin Veh ist Amin Veh und wird bleiben, wer er ist. Er lässt sich nicht verbiegen, schon gar nicht für ein bisschen Ruhm.

(schma)

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Juan Bernat

FC Bayern Muenchen v SC Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Linksverteidiger müsste man sein, dann öffnet sogar der FC Bayern seine Pforten. Bestes Beispiel ist Juan Bernat - der kleine Spanier absolvierte in seiner ersten Bundesliga-Hinrunde alle 17 Spiele. Erst kam ihm seine Vielseitigkeit zugute (Bernat beherrscht das Spiel nach hinten wie auch das Wuseln nach vorne), dann profitierte der Spanier von David Alabas Verletzung. Das Resultat: Die Bayern begrüßen ohne große Planspielereien den nächsten Klasse-Außenverteidiger in ihrem Kader.

Fast mühelos gliederte sich der 21-Jährige ins Pep'sche Sonnensystem ein und kreiselte fleißig mit. Zum Ende der Hinserie wurde er sogar noch stärker. Gegen Leverkusen kratzte er heldenhaft einen Kullerball von Bellarabi von der Linie, es folgten zwei Torvorlagen gegen Freiburg und Mainz. Sollte Guardiola mit Alaba im Mittelfeld planen, wird Bernat auf Links weiterwuseln dürfen. Vielleicht schafft er sogar 34 Einsätze.

(jbe)

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Roberto Firmino

1899 Hoffenheim v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Er soll geweint haben, wie so viele seiner Landsleute an diesem Abend, als im WM-Halbfinale die brasilianische Nationalmannschaft die 1:7-Niederlage gegen Deutschland kassierte. Von Roberto Firmino, 23, behaupten manche, dass Brasilien mit ihm diese schwarze Nacht womöglich sogar erspart geblieben wäre.

Jedenfalls hat die Demütigung der WM Firmino nicht davon abgehalten, in das Land der Peiniger zurückzukehren. Der Hoffenheimer Mittelfeldspieler war schon in der vergangenen Saison einer der prägenden Fußballer in der Bundesliga gewesen, in dieser Hinrunde hat er sein Spiel auf ein neues Niveau gehoben. Er ist schnell, trickreich und übersieht schon lange nicht mehr seine Mitspieler. Und Tore schießt er auch - Firmino ist ein kompletter Spieler. Carlos Dunga, der neue Nationaltrainer Brasiliens, verhalf Firmino zum Debüt in der Nationalmannschaft. Gegen Österreich machte er kürzlich sein erstes Tor. Er weinte - diesmal vor Rührung. Nun träumt er davon, Tore gegen Deutschland zu erzielen.

(schma)

© SZ.de/jbe/leja

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