Europa League Bis bald im Hexenkessel

Ein Bild, das an das Plakat zum James-Bond-Abenteuer „In tödlicher Mission“ erinnert – in Lissabon lautete das Duell João Félix gegen den Frankfurter Torwart Kevin Trapp. Der Portugiese obsiegte.

(Foto: Pedro Nunes / Reuters)

Nach dem 2:4 in Lissabon gibt sich Frankfurt optimistisch. Gefahr droht im Rückspiel dieses Viertelfinales wieder vom famosen Teenager João Félix.

Von Tobias Schächter, Lissabon

Kevin Trapp war der letzte Spieler von Eintracht Frankfurt, der sich Donnerstagnacht aus dem Kabinentrakt im Estádio da Luz auf den Weg zum Mannschaftsbus machte. Aber Trapp war der erste Frankfurter, der sagte: "Das Ergebnis ist nicht optimal." Mit 2:4 hatte die Eintracht gerade bei Benfica Lissabon das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League verloren. Es war die erste Niederlage für die Eintracht in dieser Europapokal-Saison und die erste Pflichtspiel-Niederlage in diesem Kalenderjahr. Vielleicht waren das die Gründe, warum die Frankfurter redeten, als hätten sie gewonnen.

Wer Verantwortlichen und Spielern nach dem Abpfiff zuhörte, spürte nur Zuversicht und Optimismus, im Heimspiel am kommenden Donnerstag doch noch den Einzug ins Halbfinale zu schaffen. Auch Trapp sagte: "Ich habe keine Zweifel, dass wir es noch schaffen können."

Es waren die Umstände der Niederlage, die die Hoffnung in Frankfurt keimen lassen. Rund 70 Minuten musste die Eintracht in Unterzahl agieren, Verteidiger Evan N'Dicka wurde in der 20. Minute nach einem Schubser gegen Benficas Stürmer Gledson im Strafraum vom Platz gestellt; Benfica ging anschließend durch einen verwandelten Elfmeter von João Félix mit 1:0 in Führung. Beim Stand von 1:4 (53.) hatte es dann kurz so ausgesehen, als gingen die dezimierten Frankfurter in Lissabon episch unter. Aber das 2:4 des eingewechselten Gonçalo Paciência (72.) hält die Hoffnung am Leben, Luka Jovic hatte zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen (40.).

Sportdirektor Bruno Hübner lobte die Moral der Mannschaft und spielte gleich nach dem Abpfiff die Ergebnisse durch, die im Rückspiel fürs Weiterkommen reichen könnten: "Wir sind optimistisch, ein 2:0, 3:1 oder ein 4:1 ist möglich." Die Deutung des Geschehens hatte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic vorgegeben, er erklärte gleich nach dem Abpfiff: "Ich habe meinen Jungs gesagt: 'Die hauen wir weg im Rückspiel.' Der Rasen wird brennen, aber nur der Rasen. Ich bin sehr, sehr zuversichtlich für das Rückspiel." Die Enttäuschung nicht zulassen, Trotz entwickeln und auf eine brodelnde Heimkulisse hoffen: Das war die Interpretationslinie der Eintracht. Bobics Vorstandskollege Axel Hellmann sagte: "Ich habe keinen Hexenkessel gesehen, aber die werden nächste Woche einen Hexenkessel bei uns erleben." Und Kapitän David Abraham sagte geradezu drohend: "Wir werden in Frankfurt zeigen, was Eintracht Frankfurt ist."

Die Frankfurter glauben fest daran, in einem Spiel Elf gegen Elf Benfica aus dem Wettbewerb zu werfen, selbstverständlich auch Trainer Adi Hütter, der sagte: "Ich bin überzeugt und glaube daran, dass wir Benfica schlagen können. Das war eine tolle Leistung in Unterzahl, die zwei Tore lassen uns alle Chancen offen."

Aus Frankfurter Sicht ist diese gnadenlos optimistische Sichtweise verständlich. Bis zum Platzverweis dominierte die Eintracht, die Mannschaft stemmte sich nach dem 1:4 erfolgreich gegen eine drohende Klatsche und hätte durch Filip Kostic sogar fast noch das 3:4 gemacht. Und dennoch gibt es in der Frankfurter Binnenerzählung einen Haken: die Stärke von Benfica und Spielmacher João Félix. Der 19 Jahre junge Techniker gilt als neues Wunderkind im portugiesischen Fußball. Warum, das bewies er gegen die Eintracht. Immer, wenn der Junge mit der Nummer 79 am Ball war, glänzte Benfica. Der schmächtige Bursche war der Mann des Abends, erzielte drei Tore selbst und bereitete das 3:1 von Rúben Dias (50.) vor.

"Der portugiesische Fußball kann froh sein, wieder so ein Jahrhunderttalent zu haben", schwärmte Eintracht-Trainer Adi Hütter und stellte den Jungen somit in eine Reihe mit Eusébio, Figo oder Cristiano Ronaldo. Hütter hat schon recht: Es ist gut möglich, dass in dieser Nacht vielleicht der Start einer Weltkarriere zu bestaunen war. Mit seinen ersten drei Toren in Europa brach dieser Instinktfußballer schon einmal einen Rekord von Eusébio: João Félix ist der jüngste Portugiese, der je in einem europäischen Wettbewerb drei Tore erzielt hat. Um João Félix buhlen bereits die ganz, ganz großen Klubs, auch der FC Bayern München zählt angeblich zu den Interessenten. Eintracht-Coach Hütter ist sicher: "Der spielt nicht mehr lange hier."

Der Platzverweis von N'Dicka spielte João Felix in die Karten, der so mehr Raum gewann und diesen immer wieder geschickt nutzte. Dieser geniale Pendler zwischen Angriff und Mittelfeld beherrscht übrigens auch das große Drama mit den großen Gesten - nach seinem 4:1 sank er auf die Knie und hatte Tränen in den Augen. Adi Hütter weiß, dass João Félix auch im Rückspiel eine Gefahr darstellt: "Wir müssen uns was einfallen lassen", sagte er, "ihn rauszunehmen, würde sicher helfen."