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Eishockey:Spaltung befürchtet

Moritz Müller (Köln), EHC Eisbären - Kölner Haie Eishockey, Deutsche Eishockey-Liga, icehockey, Saison 2019/2020, Deutsc

Moritz Müller.

(Foto: Bernd König/imago)

Die Spieler und die Eishockey-Liga streiten über Corona-Klauseln. Die Profis fühlen sich vor allem zeitlich unzulässig unter Druck gesetzt.

Das erste Ziel haben sie schon erreicht: Sie sind ins Gespräch gekommen, und das im doppelten Sinn. Die Ankündigung etlicher deutscher Eishockey-Profis um Moritz Müller (Köln) und Patrick Reimer (Nürnberg), nach dem Vorbild der nordamerikanischen NHL eine Spielergewerkschaft gründen zu wollen, hält die Deutsche Eishockey Liga (DEL) seit Tagen in den Schlagzeilen. Aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage der Klubs und der Liga infolge des virusbedingten Saisonabbruchs sollen die Spieler in ihren Verträgen sogenannte Corona-Klauseln akzeptieren. Diese besagen, vereinfacht dargestellt, dass die Profis in der kommenden Saison auf 25 Prozent ihres Gehalts verzichten. Sollten die Klubs ein vergleichbares wirtschaftliches Ergebnis erzielen wie in der Vergangenheit, würden sie dieses Geld anteilig erhalten. Davon ist jedoch kaum auszugehen.

Noch weiß niemand, ob die neue DEL-Saison wie geplant am 18. September beginnt, ob dann Zuschauer in den Hallen zugelassen sind, ob und mit wie vielen Klubs überhaupt gespielt werden kann. Bis Sonntag, 23.59 Uhr, müssen die 14 Gesellschafter ihre Unterlagen zum Lizenzierungsverfahren einreichen. Die Unterschrift der Spieler gilt als zwingende Voraussetzung für das Erteilen der Lizenz.

Den Unmut der Profis erregt weniger der geplante Gehaltsverzicht. Es sei klar, dass es Einschnitte geben werde, sagte Nürnbergs Kapitän Reimer im SZ-Interview. Es ist vielmehr die Unbedingtheit, mit der die Liga die Unterschriften einfordere, und die Kurzfristigkeit, mit der das Thema an die Spieler herangetragen worden sei. Manche unterstellen DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und Aufsichtsratschef Jürgen Arnold, vor dem Hintergrund der Pandemie die Spielergehälter kürzen zu wollen. "Ich verstehe, dass der Liga gewisse Schwierigkeiten bevorstehen", sagt Nationalspieler Felix Schütz von den Straubing Tigers. "Aber der Umgang mit den Spielern und der Situation ist nicht nachvollziehbar."

Aus Spielerkreisen ist zu hören, die Liga und die Klubs reichten den wirtschaftlichen Druck an die Profis weiter und setzten ihnen das Messer auf die Brust. Manche sprechen gar von Erpressung, andere wollen sich aus Furcht vor Repressalien nicht öffentlich äußern. Vom "gewaltigsten Thema seit Jahren" spricht ein Insider: "Das Spaltpotenzial ist enorm."

"Das ist die größte Krise, die das deutsche Eishockey bisher überhaupt erlebt", sagt auch Lothar Sigl, geschäftsführender Gesellschafter der Augsburger Panther und Mitglied im DEL-Aufsichtsrat. Es gehe aber nicht nur um die Spielergehälter, sondern um die Existenz einer ganzen Branche. Das Thema sei im Aufsichtsrat und in der Gesellschafterversammlung kontrovers diskutiert worden; letztlich habe man sich darauf verständigt, dass "Solidarität walten muss". Laufenden Kosten wie für die Wohnungen der Profis sowie die Gehälter der Angestellten steht eine dicke Null hinter dem Wort Zuschauereinnahmen gegenüber. Ticketing, Merchandising, Catering: "Wenn wir Monate lang nicht mal ein Bier oder ein Paar Würstl verkaufen, werden wir die Saison nicht überleben", sagt Sigl. Die Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ASNB, die das Lizenzprüfungsverfahren für die DEL durchführt, hat wohl schon vor Wochen vor möglichen Problemen gewarnt. Wegen der vielen Unwägbarkeiten greifen die Klubs zum nächstliegenden Hebel: Personalkosten senken.

Der Ärger der Spieler hängt offenbar nicht zuletzt davon ab, wie die interne Kommunikation lief. "Es ist die Hausaufgabe der Klubs, den Spielern die Notwendigkeit des Verzichts nahezubringen", sagt Sigl - und zwar bis Sonntag. An dem Datum will die Liga festhalten. "Die Lizenzunterlagen sind unverändert bis zum 24. Mai abzugeben. Das ist allen Beteiligten bekannt", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke am Freitag der SZ.

Am Mittwochabend hatte Tripcke mit Maximilian Schmidt, dem Anwalt der Spieler, telefoniert. "Ich habe mit ihm gesprochen und die Eckpunkte erläutert. Alle Verhandlungen haben aber zwischen Klubs und Spielern zu erfolgen." Die Mitarbeiter der DEL-Geschäftsstelle sowie die Profi-Schiedsrichter seien bereits seit 10. März in Kurzarbeit, auch Tripcke sagt, er wolle auf "erhebliche Teile" seines Gehalt für die nächste Saison verzichten.

Moritz Müller, Kapitän der Kölner Haie, sagte der SZ, die Spieler seien bereit, in Kurzarbeit zu gehen und auf Gehalt zu verzichten: "Wir wollen unseren Klubs und dem deutschen Eishockey gerne helfen. Aber das Ganze sollte aus Sicht der Spieler ohne Zwang und Zeitdruck passieren." Es gibt weiteren Gesprächsbedarf.

© SZ vom 23.05.2020

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