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Eishockey:Güterzug auf Ehrenrunde

Rangelei rauferei Pruegelei Schlaegerei zwischen im Tor Patrick McNeill 20 Augsburger Panther

Rangelei am Tor: Die Serie zwischen München und Augsburg, die schon so viele Wendungen erlebt hat, schlug am Sonntag ihre nächste Kapriole.

(Foto: Christian Kolbert/imago)

Der Außenseiter Augsburg erzwingt mit einem 2:0 gegen Titelverteidiger München ein entscheidendes siebtes Spiel im Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft.

Es war ein kühler Frühlingstag in Augsburg, der Himmel leicht bedeckt bei herbstlichen acht Grad. Um das Curt-Frenzel-Stadion pfiff ein eisiger Wind. "Die sollen sich warm anziehen, wenn sie nach Augsburg kommen", riet Steffen Tölzer den Spielern des EHC Red Bull München. Tölzer ist Familienvater, aber aus ihm sprach nicht der fürsorgliche Papa, der weiß, wie leicht man sich bei falscher Kleidung was wegholt. Es sprach der Kapitän der Augsburger Panther, die am Freitag in München 0:1 verloren hatten und in der Halbfinalserie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft 2:3 zurücklagen. München fehlte nur ein Sieg zum Einzug ins Finale gegen Mannheim. Augsburg war unter Zugzwang. Aber: "Es ist noch nicht vorbei", knurrte Tölzer vor Spiel sechs.

Wenn alle Partien zuvor mit nur einem Tor Unterschied zu Ende gehen, wäre es ja nur folgerichtig gewesen, wenn auch diese ganze Serie hauteng bleiben würde. Und Tölzer behielt recht. Augsburg gewann 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) und erzwang ein siebtes Spiel am Dienstag (19.30 Uhr) in München. Es ist noch nicht vorbei.

Panther-Trainer Mike Stewart überraschte mit zwei Personalien: Verteidiger Scott Valentine, über den Stewart am Freitag gesagt hatte, für ihn komme ein Einsatz "noch zu früh", stand nach fünf Spielen Pause ebenso erstmals wieder im Kader wie Christoph Ullmann. Der Stürmer hatte im sechsten Viertelfinalspiel gegen Düsseldorf seine Zunge verschluckt und eine Gehirnerschütterung erlitten und seitdem kein Spiel mehr bestritten. Aber in so einer Partie konnte die Playoff-Erfahrung des 35-Jährigen, der mit Mannheim zweimal Meister war, vielleicht den Ausschlag geben. Wofür Valentine steht, bekam Münchens Yasin Ehliz in der 13. Minute zu spüren, als der Kanadier ihn mit dem Feingefühl eines Bulldozers zu Boden rammte. "Er bringt Robustheit mit", sagte Stewart.

Augsburgs Trainer strahlt in diesen Playoffs eine fast unheimliche Ruhe aus. "Wenn wir so spielen wie die letzten 20 Minuten in München, mache ich mir überhaupt keine Sorgen", sagte er vor der Partie "Wir müssen nur bereit sein, alles zu opfern." Das erste Drittel verlief wie viele vor ihm in dieser vibrierenden Serie. Der Meister schoss häufiger aufs Augsburger Tor und hatte mehr Scheibenbesitz. Aber München hat keinen Nimbus der Unbesiegbarkeit mehr wie in den vergangenen Jahren. Chancen blieben zunächst selten. "Das Spiel war eine Kopie der vorherigen", sagte EHC-Coach Don Jackson. Nach 15 Sekunden stand Frank Mauer frei und traf nur Olivier Roy, kurz vor Drittelende war Andreas Eder auf dem Flügel durchgebrochen. Wieder blieb der Augsburger Keeper Sieger. Die Qualität der Gelegenheiten erhöhte sich im zweiten Abschnitt. Keith Aulie hatte die Führung für die Gäste auf dem Schläger, das Tor war leer, aber Aulie traf den Pfosten. Auch Daryl Boyle verfehlte das Ziel. Roy verließ immer öfter seinen Platz zwischen den Pfosten, um bei der Abwehrarbeit aktiv zu unterstützen.

Als das Netz sich dann beulte, lag aber nur ein Knäuel aus vier oder fünf Spielern darin. Nur nicht die Scheibe. Ein Panther nach dem anderen musste auf die Strafbank, die Münchner Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Mehrmals durfte der Meister mit zwei Mann mehr auf dem Eis agieren. Aber Augsburg überstand auch zwei Drei-gegen-Fünf-Situationen. "Wir waren läuferisch gut und wir haben viel investiert", sagte Stewart. Und als Matt Stajan, mit mehr als 1000 NHL-Einsätzen der erfahrenste Spieler überhaupt auf dem Eis, sich eine Strafzeit leistete, waren die Panther zur Stelle. Eine Chance, nur "eine große Chance", darum gehe es im Powerplay, sagt Stewart. Und die Chance kam: Vier Sekunden vor der zweiten Pause löffelte Adam Payerl den Puck zum 1:0 in den Winkel, EHC-Torhüter Danny aus den Birken hatte ihm den Puck auf den Schläger gelegt. Für Payerl war es der erste Treffer in den Playoffs, für das Stadion das Signal zum Urschrei. Die Lautstärkemessung ergab einen Wert von 105 Dezibel - das entspricht dem Pfeifen eines Güterzugs.

Die Serie zwischen München und Augsburg, die schon so viele Wendungen erlebt hat, schlug nun ihre nächste Kapriole. "Wir ackern weiter. Und wenn wir unseren Stiefel spielen, dann können wir sie an die Wand spielen", hatte Augsburgs Henry Haase vor dem Spiel versprochen. Das war vielleicht ein bisschen vollmundig formuliert, an die Wand spielten sie München nicht. Aber die Panther lagen in Führung und fuhren ihre gefährlichen Konter. Sahir Gill, Jaroslav Hafenrichter, Hans Detsch und Matt White vergaben jedoch allesamt. Warum sollten sie auch einen Zwei-Tore-Vorsprung haben, wenn doch ein Tor reicht.

München bemühte sich, den Weg in dieses Spiel zurückzufinden. Als Don Jackson Danny aus den Birken aber für einen weiteren Feldspieler vom Eis nahm, schickte Payerl mit seinem zweiten Treffer ins leere Tor den Güterzug auf die Ehrenrunde. Auf der Uhr standen noch sechs Sekunden. "Es ist eine enge Serie", sagte Payerl. Und sie ist noch nicht vorbei.