Eishockey:Gesprächsbedarf bei den Löwen

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Eishockey: "Es passieren sehr komische Dinge im Verein", finden die Fanvereinigungen der Tölzer Löwen. Diese sind der Meinung, dass das Eishockey unter dem aktuellen Vorstand keine Zukunft habe.

"Es passieren sehr komische Dinge im Verein", finden die Fanvereinigungen der Tölzer Löwen. Diese sind der Meinung, dass das Eishockey unter dem aktuellen Vorstand keine Zukunft habe.

(Foto: Peter Kolb/imago)

Beim DEL2-Klub Bad Tölz gerät das Sportliche in den Hintergrund, es geht mehr um den Führungsstil des Präsidenten. Die Fanvereinigungen haben sich zusammengeschlossen und fordern in einer Petition "Veränderungen im Vorstand".

Von Christian Bernhard

Kevin Gaudet ist so etwas wie die personifizierte Erfahrung, was das Trainergeschäft im Profi-Eishockey betrifft. Seit 31 Jahren ist der gebürtige Kanadier in dieser Welt unterwegs, er hat zahlreiche Jahre in Deutschland höchster Liga, der DEL, trainiert, ist mehrfach Meister in der DEL2 geworden und hat jahrelang als Cheftrainer der Capitals in Wien gearbeitet. Gaudet ist viel herumgekommen und hat noch mehr erlebt. Und trotzdem kommt auch einer wie Gaudet noch ins Staunen. "Hier ist es anders", sagte der 58-Jährige, der seit rund zweieinhalb Jahren die Tölzer Löwen trainiert, am Mittwoch. So etwas habe er noch nie erlebt.

Er meint damit nicht nur, dass sein Team verletzungsbedingt wieder einmal besonders gebeutelt ist. Am Dienstag waren die Löwen zu Gast bei den Ravensburg Towerstars, dem Tabellenführer der DEL2, und hatten dort nur elf Feldspieler im Kader. Diese schlugen sich wacker, kassierten erst drei Minuten vor Spielende den entscheidenden Gegentreffer zur 2:4-Niederlage.

Gaudet meinte das Drumherum in Bad Tölz, dieser Tage rumort es wieder ganz besonders im Umfeld. Gaudet spürt also wieder einmal, dass der Eishockey-Standort Bad Tölz "nicht einfach" sei, wie er sagt.

Seit vergangenen Freitag haben die Tölzer Löwen in Ralph Bader einen neuen Geschäftsführer. Er ist nach Christian Donbeck und Jürgen Rumrich, den nun er ablöste, der dritte Löwen-Geschäftsführer in den vergangenen zwölf Monaten. Gaudet bezeichnet die vielen Wechsel an neuralgischer Stelle in so kurzer Zeit diplomatisch als "nicht optimal". Zudem trennten sich die Tölzer vor kurzem auch von der Rechtsanwältin Birgitt Breiter, die als Sanierungsexpertin im Hintergrund wichtige Arbeit bei der wirtschaftlichen Stabilisierung der Löwen geleistet hat, auch Pressesprecher Simon Rentel ist weg. Ein großes Kommen und Gehen also, das vielen nicht gefällt - und für das sie den Vorstand verantwortlich machen.

"Es passieren sehr komische Dinge im Verein", findet Korbinian Fischhaber. Der Vorstand, so ist seine Einschätzung, verliere gerade sein Gesicht. Fischhaber spricht für die größten Fan-Vereinigungen der Löwen, die sich aufgrund der "gravierenden Verfehlungen" zusammengeschlossen und zufälligerweise am selben Tag der Vorstellung des neuen Geschäftsführers Bader eine Petition mit dem Titel "Zeit für Veränderungen im Tölzer Eishockey" veröffentlicht haben. Unter dem aktuellen Vorstand, so ist darin zu lesen, habe das Tölzer Eishockey "keine Zukunft mehr".

Christian Schallenkammer, einer der Initiatoren der Petition sagt, dass er keine Ambitionen auf das Präsidentenamt hat

Die Petition ist ein offener Angriff auf Hubert Hörmann, den Präsidenten des EC Bad Tölz und Beiratssprecher der Tölzer Eissport GmbH (TEG), und damit dem starken Mann im Tölzer Eishockey, der von seinen Kritikern als "Sonnenkönig" bezeichnet wird. Knapp 500 Personen haben die Petition bis Mittwoch unterzeichnet. Fischhabers Wunsch wäre es, wenn der aktuelle Vorstand eigenständig personelle Änderungen auf den Weg bringen würde. Oder wenn sich Hörmann in diesem Zusammenhang auf neue Ideen von außen einlassen würde. Die Initiatoren jedenfalls sind für Gespräche mit Hörmann offen. Zu diesen gehört auch Christian Schallenkammer, der schon 2020 vergeblich versucht hatte, eine neue Vereins-Führungsmannschaft ins Rennen zu schicken. Beide hoffen, dass Hörmann auf sie zukommt.

Hörmann würde gerne das Konzept der Gegenseite sehen, den "Masterplan", der dahintersteckt. Schallenkammer, den er als "Rädelsführer" der Initiative ausgemacht hat, sei "sich nicht mal im Ansatz bewusst, was er sich da für ein Amt aufhalsen würde", sagte er. Schallenkammer selbst sagt, er habe keinerlei Ambitionen auf den Vorstandsposten, sondern ein paar Leute in der Hinterhand. Die scheuen aber anscheinend den offenen Disput mit Hörmann und wollen sich deshalb noch nicht aus der Deckung wagen. Kritik an Hörmann gibt es indes nicht nur von Fanseite, nach SZ-Informationen ist auch von unzufriedenen Sponsoren die Rede, die Hörmann eine "Ein-Mann-Show" vorwerfen.

Die Petitions-Initiatoren wissen, dass ihr schärfstes Schwert eine außerordentliche Mitgliederversammlung wäre. Um eine solche einberufen zu können, brauchen sie die Zustimmung von einem Fünftel der rund 1050 Mitglieder. Fischhaber möchte sich im Moment nicht dazu äußern, ob eine solche außerordentliche Mitgliederversammlung angestoßen werden soll. Schallenkammer ließ aber bereits durchklingen, dass die Vorbereitungen hierfür laufen.

"Sag niemals nie", antwortete Hörmann auf die Frage, ob er glaube, dass es zu einer solchen Versammlung kommen könnte. Für ihn ist das die "erste Hürde", an der sich die Petitions-Initiatoren zu beweisen haben. Klar ist für den amtierenden Präsidenten indes, dass er sich dann zurückziehen würde. "Sollte es zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung kommen, bei der es darum geht, ob der Hörmann bleiben oder gehen soll, würde ich mich diesem Votum nicht stellen", erklärte er. Die Amtsperiode, die noch bis 2024 läuft, sei ohnehin seine letzte, sagte er. Hörmanns Herzenswunsch ist, dass Bader, der dritte Geschäftsführer binnen eines Jahres, möglichst lange im Amt bleibe: "Wir brauchen Kontinuität, daran gibt es nichts zu rütteln." Darüber sind sich in Bad Tölz offenbar doch alle einig.

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