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Eishockey:Gegen die Sprinter

Gro en Grund zum Feiern fuer Danny aus den Birken Torwart EHC Red Bull Muenchen in der 5 Halbfin; Eishockey

Beste Statistik: Danny aus den Birken, 33, ist der stärkste Torhüter der CHL-Saison. Der beste Scorer Ryan Lasch spielt allerdings für Frölunda.

(Foto: Heike Feiner/imago)

Der EHC München reist als Außenseiter zum Finale der Champions Hockey League - Gegner Frölunda hat den Titel seit 2016 zweimal gewonnen.

Wenn Kinder "Ich packe meinen Koffer" spielen, muss jeder Spieler wiederholen, was der Vorgänger in seinen Koffer verstaut, und der Liste sodann ein weiteres Stück hinzufügen. Der erste sagt vielleicht: "eine Zahnbürste", der zweite: "eine Ameisenfarm", worauf der dritte fortfahren könnte: "...eine Zahnbürste, eine Ameisenfarm - und eine Taucherausrüstung." Das Spiel geht so lange, bis einer etwas vergisst oder alle vor Lachen japsen.

Wenn Mads Christensen, dänischer Nationalstürmer beim deutschen Meister EHC Red Bull München, mitspielt, ist der Spaß von eher kurzer Dauer. Was es brauche, um an diesem Dienstag das Finale der Champions Hockey League (CHL) gegen die Frölunda Indians zu gewinnen, wurde Christensen am Sonntag nach dem Spiel gegen die Düsseldorfer EG gefragt. Christensen antwortete: "Wir müssen unser Selbstvertrauen mitnehmen." Selbst wenn pro Mann 20 Kilo erlaubt sind, dürfte der EHC damit einiges an Übergepäck mit sich führen. Das 4:1 gegen die DEG war der neunte Sieg in Serie in der Deutschen Eishockey Liga, die Münchner bersten vor Selbstvertrauen. Vor der Abreise der Mannschaft am Montag mit Flug LH 2428 nach Göteborg ließ Nationalspieler Patrick Hager wissen: "Wir fahren da hin, um zu gewinnen." Vielleicht war im Handgepäck ja noch Platz für eine Zahnbürste.

Andererseits treffen die Münchner in den Frölunda Indians auf das erfolgreichste CHL-Team überhaupt. Seit Einführung des Wettbewerbs in der Saison 2014/15 standen die Schweden dreimal im Finale, zweimal (2016 und '17) gewannen sie den Titel. "Wir haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass die Champions League ein wichtiger Wettbewerb für uns ist. Und wir gehen immer an den Start, um zu gewinnen", sagt Indians-Trainer Roger Rönnberg. Auch der 47-Jährige sitzt auf einem mit Zuversicht prall gefüllten Koffer. Neben einem Pokal, der aussieht wie eine übergroße Bialetti-Espressomaschine mit zwei Henkeln, erhält der Sieger ein Preisgeld von insgesamt 365 000 Euro. Dieses soll bis 2023 kontinuierlich auf 720 000 Euro steigen und sich samt Prämien und Spesen auf eine runde Million summieren.

In der demonstrativen Entschlossenheit schwingt freilich großer Respekt mit. "Das wird ein hartes Finale", sagt Rönnberg. Er habe den deutschen Meister im Halbfinale gegen Salzburg (0:0, 3:1) beobachtet und sah sich bestätigt: "München ist ein sehr organisiertes, defensiv starkes Team mit einigen sehr talentierten Spielern." EHC-Trainer Don Jackson wiederum beeindruckt das Tempo der Schweden: "Jeder Spieler ist ein Sprinter." Zwar haben die Indians vier ihrer jüngsten sechs Ligaspiele verloren. Im mit 12 044 Zuschauern ausverkauften Scandinavium gelten sie aber nicht nur wegen des Heimvorteils als Favoriten. In Ryan Lasch (vier Tore, 17 Vorlagen) hat Frölunda den besten Scorer der Champions League in seinen Reihen. München wiederum hat in allen K.o.-Runden seine Auswärtsstärke bewiesen und in Danny aus den Birken den statistisch gesehen besten Torhüter im Wettbewerb. Bundestrainer Toni Söderholm, der am Dienstag mit dem "Top Team Peking" gegen die Schweiz sein Debüt an der Bande gibt, sagte: "Ich sehe die Chancen bei 55:45 für Frölunda. Das wird ein knappes Spiel."

Dass ihr Top-Scorer John Mitchell und Maximilian Kastner verletzt fehlen werden, ist für die Münchner fast schon Normalität. Die Einstellung werde entscheiden, sagt Jackson. Gut, dass er wenigstens Daryl Boyle und Mads Christensen wieder hat, der nach vier Monaten Verletzungspause gegen die DEG sein Comeback feierte: "Mads bringt Leben ins Team", sagt Jackson. Der 31-Jährige meint: "Die Frage ist: Hat man den richtigen Tag? Aber wir werden alles, alles reinlegen." Mehr geht nicht, egal wie groß der Koffer ist.

© SZ vom 05.02.2019

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