Eishockey:Erst tönen, dann treffen

Straubing Tigers - Nuernberg Ice Tigers, 13.08.2021 David Elsner (Straubing Tigers), Eishockey Herren, DEL, Gaeuboden Cu

"Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass ich in Straubing bin": Mit seinem früheren Klub Ingolstadt verbindet David Elsner nicht mehr allzu viel.

(Foto: Eva Fuchs/Hockeypics/imago images)

David Elsner als emotionalen Eishockeyspieler zu beschreiben, ist fast noch untertrieben. Der Stürmer der Straubing Tigers erzielt im Derby gegen Ingolstadt das spielentscheidende Tor - nachdem er über seinen früheren Klub geschimpft hatte. Auch die Karriere des 29-jährigen verlief keineswegs gradlinig.

Von Christian Bernhard

Dass das vergangene Eishockey-Wochenende für David Elsner ein außergewöhnliches war, hat einiges mit der Person David Elsner zu tun. Der Stürmer der Straubing Tigers ist ein emotionaler Eishockeyspieler - und als solcher lebt er bayerische Derbys besonders intensiv. Diesmal sorgte er höchstpersönlich dafür, dass das Straubinger Derby-Wochenende in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit zusätzlicher Brisanz versehen wurde.

Vor dem Derby gegen den ERC Ingolstadt hatte Elsner auf der Pressekonferenz getönt, er werde Ingolstadt das Spiel "zur Hölle machen" - und betrieb dann auch noch explizite Vergangenheitsbewältigung. "Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass ich in Straubing bin", sagte der 29-Jährige. "Und so hart es jetzt klingt: ich sch... auf den Verein, was jetzt gerade in Ingolstadt los ist." Diese Worte kamen dann doch etwas überraschend, hatte der Stürmer ja die vorangegangen sechs Jahre in Ingolstadt gespielt, ehe er im Sommer nach Straubing wechselte. Wie viel Elsner aber daran lag, seine Worte in die Tat umzusetzen, machte auch sein Tigers-Teamkollege Marcel Brandt deutlich, der berichtete, er habe Elsner noch nie so erlebt. David, sagte Brandt, sei "so on fire".

Das von Elsner prognostizierte emotionale Spiel wurde es dann auch. Alleine im Startdrittel gab es 45 Strafminuten, am Ende siegten die Straubinger mit 4:1 - und Elsner erzielte das spielentscheidende Tor. Er würde nicht sagen, dass es glasklar war, dass er treffen würde, sagte er hinterher bei Magentasport, "aber ich habe alles dafür getan, dass ich eines schieße". Dann entschuldigte er sich für seine Wortwahl, die in Ingolstadt nicht besonders gut angekommen war, beim ERC. Was und wie er es gesagt habe, sei den Emotionen geschuldet gewesen, es sollte "nicht in den falschen Hals rein". Der emotionale Elsner läuft in Derbys besonders heiß, er braucht das Feuer auf dem Eis und von den Rängen, um sein körperliches Spiel noch intensiver zu machen.

In seinen Ingolstädter Anfangszeiten bezeichnete sich Elsner noch selbst als "Psychopath", der aufs Eis ging, "um meine Aggressionen loszuwerden"

Intensiv und phasenweise turbulent war auch Elsners bisherige Karriere. Als 17-Jähriger fiel er nordamerikanischen Scouts auf, die eigentlich wegen seiner damaligen Landshuter Teamkollegen Tom Kühnhackl und Tobias Rieder vor Ort waren. Elsner wurde so unerwartet von den Nashville Predators (NHL) gedraftet und wechselte in die kanadische Juniorenliga OHL. Anders als Kühnhackl und Rieder, die sich dort für die NHL empfahlen, konnte er sich in Kanada aber nicht durchsetzen - und kehrte nach einer verkorksten Saison direkt wieder nach Deutschland zurück. Da er auch im hiesigen Eishockeygeschäft nicht richtig Fuß fassen konnte, spielte er schon Anfang 20 mit dem Gedanken, seine Karriere zu beenden.

Doch Elsner biss sich durch, obwohl er sich in seinen Ingolstädter Anfangszeiten noch selbst als "Psychopath" bezeichnete, der aufs Eis ging, "um meine Aggressionen loszuwerden". In der Augsburger Allgemeinen legte er in der vergangenen Saison einen bemerkenswerten Seelen-Striptease hin. Er könne mit Druck nicht umgehen, erzählte er, "ich habe Angst davor, dass ich nicht gut genug bin". All das musste raus, der Stürmer stritt nicht nur einmal mit ERC-Trainer Doug Shedden und schrie Mitspieler an. Um dagegen anzukämpfen, organisierte er sich einen Mentaltrainer, "aber so viel Geld verdiene ich auch nicht, um jede Woche 200 Euro pro Stunde zu zahlen." Shedden erzählte damals, er trage mittlerweile Stahlkappenschuhe, weil Elsner "so viele Arschtritte" brauche.

Im Laufe der vergangenen Saison gab ihm der ERC relativ früh zu verstehen, dass er in Ingolstadt keine große Rolle mehr spielen würde. Also kehrte er in seine niederbayerische Heimat zurück.

Mit Straubing blieb ihm im zweiten Teil des vergangenen Tigers-Derby-Wochenendes dann eine prägende Rolle verwehrt. Beim Straubinger 3:6 am Sonntag in München, das in der Schlussphase so richtig Fahrt aufnahm, als die Tigers mit einem 34-Sekunden-Doppelschlag aus einem 1:3 ein 3:3 machten, um dann doch noch zu verlieren, konnte Elsner keine Offensivakzente setzen. Das soll sich am Mittwoch gegen Titelverteidiger Berlin wieder ändern - zuhause, wo die Tigers in dieser Saison auch schon die Adler Mannheim bezwungen haben. "Es war immer eklig, hier in Straubing zu spielen", erinnert sich Elsner an seine Auftritte als Gegner zurück, "wir reißen uns alle den Arsch auf, um jedes Heimspiel so gut wie möglich zu spielen." Er wird in dieser Disziplin auch in Zukunft das ein oder andere Mal vorangehen.

© SZ/sewi
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