Eishockey Druck auf den Ventilen

Die Augsburg Panther hatten gegen Düsseldorf oft Grund zum Jubeln, hier freuen sich Matthew White (v.l.n.r.) David Stieler und Adam Payerl.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Zum Playoff-Auftakt in der DEL sehen die Zuschauer in Augsburg und Köln viele Tore - und noch mehr Strafminuten. Die Verlierer trösten sich mit der Aussicht auf schnelle Revanche.

Von Johannes Schnitzler

Alexander Barta drehte noch eine Runde. Die Warterei dauerte jetzt doch arg lange, und Steffen Tölzer, der Kapitän der Augsburger Panther, kann ein wirklich zäher Gesprächspartner sein. Also fuhr Barta los und nutzte die Wartezeit sinnvoll. Sammelte Schläger auf, ein Paar Handschuhe, einen Helm. Fuhr zur Strafbank und lieferte alles bei seinen Teamkameraden ab. Fuhr wieder los. Noch ein Helm, noch zwei Schläger. Bartas Vertrag mit der Düsseldorfer EG läuft zwar noch bis 2021. Sollte der 36-Jährige für die Zeit nach der Profikarriere aber schon über neue Betätigungsfelder nachdenken: Als Müllentsorger hätte er eine große Zukunft. Während alle anderen im ausverkauften Curt-Frenzel-Stadion von Augsburg noch darauf warteten, dass die Schiedsrichter ihr Urteil fällten, drehte DEG-Kapitän Barta seine Runden und klaubte die Überreste einer Massenschlägerei zusammen. Als der Stadionsprecher endlich das Strafmaß verkünden durfte, sagte er im schönsten Schwäbisch: "Des dauert jetzt a bissle."

An diesem Dienstag - Spieltag eins im Playoff-Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) - ist ein bisschen mehr zu Bruch gegangen als ein paar Schläger. Zum Beispiel die seit Jahrhunderten tradierte Theorie, dass Playoff-Spiele, ganz besonders in der frühen Phase einer Best-of-seven-Serie, streng von Vorsicht, Taktik und Disziplin geprägt sind. Die Augsburger Panther zertrümmerten diese Vorstellung mit einem 7:1-Sieg gegen die DEG, während parallel in Köln die Haie von den Panthern aus Ingolstadt mit 2:6 Toren aus der eigenen Halle geschossen wurden. Beide Partien kulminierten jeweils im letzten Drittel in heftigen Auseinandersetzungen. In Köln summierten sich am Ende 56 Strafminuten, in Augsburg gelangten die Strafbänke bei insgesamt 150 Minuten an den Rand ihrer Aufnahmefähigkeit. So viel Druck war zum Playoff-Auftakt noch nie auf den Ventilen.

Augsburg gegen Düsseldorf, diese Paarung hatte es in den Playoffs noch nie gegeben. In der Hauptrunde war das eine klare Angelegenheit gewesen: Augsburg war zwar am Ende Dritter, die DEG nur Sechster - alle vier direkten Duelle waren aber an die DEG gegangen. Am Dienstag brauchten die Panther zehn Minuten, dann drehten sie auf: Matt White (11./45.), Patrick McNeill (26.), Daniel Schmölz (33.), Simon Sezemsky (50./56.) und Scott Valentine (53.) schossen den höchsten Sieg der Augsburger Playoff-Geschichte heraus. Das Team von Trainer Mike Stewart setzte die Düsseldorfer von Beginn an konsequent und mit hoher Laufbereitschaft in deren Drittel unter Druck und raubte der DEG mit harten Körperattacken die Lust am Kombinieren. Düsseldorf verzettelte sich zusehends in unnötigen Strafzeiten, wie Barta einräumte: "Das waren definitiv zu viele heute. Augsburg hat das eiskalt ausgenutzt."

Stewart warnt vor zu großer Euphorie: "Not too high, not too low, das ist unser Mantra."

Die nie nachlassende Augsburger Angriffslust und Düsseldorfs Frust entluden sich gleichermaßen beim Stand von 6:1 in einer wilden Rauferei. "Wir sind eine Mannschaft, die sich nichts gefallen lässt, das haben wir heute gezeigt", sagte Barta - und fügte, etwas leiser, hinzu: "Auch wenn's nicht immer schlau war." Aber auch darauf wussten die Panther die bessere Antwort: Sezemsky stellte mit seinem zweiten Treffer vier Minuten vor Schluss den Endstand her. "Das war nur ein Spiel, aber von mir aus kann's gerne so weitergehen", sagte der Abwehrspieler. Stewart warnte vor allzu großer Euphorie: Der Sieg sei gut fürs Selbstvertrauen, ja. Aber: "Not too high, not too low, das ist unser Mantra." Auch vor zwei Jahren gegen Nürnberg führten die Panther im Viertelfinale und schieden am Ende nach sieben Spielen doch noch aus. Die Enttäuschung darüber nagt bis heute an dem Austrokanadier, darum riet er seinem Team: "Abhaken. Morgen aufstehen und wieder an die Arbeit gehen."

Die Verlierer äußerten sich in beiden Fällen ähnlich. Für die Kölner Haie, die von geradlinig agierenden Ingolstädtern um den starken Schlussmann Jochen Reimer cool ausgekontert wurden, gestand Nationalstürmer Freddy Tiffels: "Wir haben heute zu dumm gespielt." Aber die Serie werde noch lang dauern: "Wir haben jetzt noch sechs Spiele und wollen vier gewinnen. Sie haben jetzt eins und sollen sich glücklich damit fühlen."

Düsseldorfs Trainer Harold Kreis gab zu: "Das haben wir uns anders vorgestellt. Aber Gedächtnisschwund ist eine gute Eigenschaft in den Playoffs." Am Freitag geht es bereits weiter mit Spiel zwei. "Ob du 1:2 oder 1:7 verlierst, ist letztlich egal", sagte Alexander Barta: "Wir sind hingefallen und werden wieder aufstehen." Düsseldorfs Saubermann fand immerhin etwas Trost darin, dass er den Puck ordentlich zum Ehrentreffer (54.) im Kasten von Augsburgs Keeper Olivier Roy verstaut hatte: "Das war das einzig Gute daran, dass der Roy keinen Shutout hat." Alles weitere wollen die Düsseldorfer am Freitag zu Hause bereinigen.