bedeckt München

DTM:Historische 56 Punkte

DTM-Rennen auf dem Nürburgring

Als Erster gestartet, als Erster ins Ziel gefahren – und das gleich zwei Mal: René Rast zeigt, dass mit ihm und Audi noch zu rechnen ist.

(Foto: Juergen Tap/dpa)

René Rast erlebt mit Audi ein perfektes Wochenende auf dem Nürburgring - und bringt die Meisterschaft durcheinander.

Von Anna Dreher, München/Nürburg

Ein bisschen gefährlich ist es dann schon noch geworden für René Rast. Aber als klar war, dass ihn Paul Di Resta und Marco Wittmann nicht mehr einholen würden, da war diese letzte Runde beim Rennen der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) auf dem Nürburgring ein besonderer Genuss. "Wahnsinn, was dieses Wochenende alles passiert ist", sagte Rast überwältigt, nachdem er über Funk schon einen lauten Jubelschrei losgelassen hatte. "Unglaublich, das kann man nicht mit Worten beschreiben."

Nach dem Titelgewinn 2017 fährt Audi in dieser Saison vor allem Mercedes und BMW hinterher

Als erster Fahrer in der Geschichte der Motorsportserie - seit Wiedereinführung des Formats mit zwei Rennen pro Wochenende im Jahr 2015 - hatte keiner geschafft, was Rast in der Eifel nun gelungen ist: Pole Position und Sieg in beiden Läufen mit der maximalen Ausbeute von 56 Punkten. Es war nicht weniger als ein perfektes Wochenende für den Audi-Piloten - und das in einer äußerst schwierigen Saison für die Ingolstädter.

Denn während Rast 2017 als Neuling mit dem Gewinn der Meisterschaft der bestmögliche Start in die DTM gelungen war, fahren er und seine Teamkollegen in diesem Jahr Mercedes und BMW hinterher. Einzig in Zandvoort hatte der 31-Jährige gewonnen - mehr war in dieser Saison bisher nicht drin gewesen. Vor dem Wochenende auf dem Nürburgring hatten die Mercedes-Fahrer neun der 14 Rennen gewonnen, drei Siege gingen an BMW - und einer an Rast. Für Audi war das Wochenende also nicht nur ein schöner historischer Eintrag in die Statistikbücher, sondern auch ein Zeichen an die Konkurrenz: Man hat noch nicht den Anschluss verloren und ist durchaus noch in der Lage, eine fehlerfreie Leistung zu zeigen. Beim vorhergegangenen Rennen in Misano hatte die Pole Position von Loic Duval bereits Hinweise auf die ansteigende Formkurve geliefert. Nun zeigte Rast wieder mal seine Klasse. "Ich weiß auch nicht genau, wie er das macht", sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. "So ein Ergebnis wie hier konnten wir zu Saisonbeginn nicht erwarten, aber wir haben nicht aufgegeben und weitergearbeitet."

Dabei musste Rast am Sonntag am Anfang und am Ende um sein historisches Ergebnis zittern: Lucas Auer schoss in seinem Mercedes vom fünften auf den zweiten Platz vor und hätte Rast fast noch überholt; kurz danach wurde Auer dann von Timo Glock (BMW) abgeräumt. In der Schlussphase schoben sich Di Resta und Wittmann immer weiter an den Mindener heran, der seinen zuvor deutlichen Vorsprung auf die Verfolger aber groß genug hielt, um am Ende der 39 Runden ausgelassen zu jubeln. Für die führenden Mercedes-Lenker war es hingegen ein Wochenende zum Vergessen. Gary Paffett wurde am Samstag zwar Dritter, hinter Bruno Spengler im BMW, hatte am Sonntag aber das Nachsehen: Von Platz zwei gestartet, wurde er nach einem verpatzten Boxenstopp nur Fünfter. Und Di Resta kollidierte am Samstag mit dem BMW von Philipp Eng. Er verpasste als Vorletzter wichtige Meisterschaftspunkte.

Rast hat sich mit diesem speziellen Ergebnis in der Gesamtwertung von Rang sieben vorgearbeitet: Hinter dem Führenden Paffett (206 Punkte) und Di Resta (204) ist er nun nach seinem sechsten DTM-Sieg mit 149 Zählern Dritter, gefolgt von Edoardo Mortara (Mercedes/138) und Wittmann (BMW/137). Ernsthafte Hoffnungen auf eine Titelverteidigung wollte Rast sich am Wochenende aber weiter nicht machen - auch wenn er gerade gezeigt hatte: Nicht nur in der Theorie kann die Wertung in den ausstehenden Rennen in Spielberg (22./23. September) und beim Saisonfinale in Hockenheim (13./14. Oktober) noch durcheinander gewirbelt werden.

© SZ vom 10.09.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite