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Tennis:Präsident per Video-Schalte

"Ich habe einen großen Respekt vor der Aufgabe": Dietloff von Arnim.

(Foto: Imago)

In einem überraschenden Manöver wird Dietloff von Arnim zum neuen starken Mann im Deutschen Tennis-Bund gewählt. Er möchte die Außendarstellung verbessern und findet, dass sich andere Sportarten "geschickter" anstellen.

Von Gerald Kleffmann

Dietloff von Arnim kennt die deutsche Tennisgeschichte, der Besitzer einer Werbeagentur in Düsseldorf ist nicht nur ein Anhänger dieses Sports, sondern auch seit vielen Jahren in handelnden Funktionen aktiv. Zehn Jahre agierte er als Turnierdirektor des inzwischen eingestellten World Team Cups in seiner Heimatstadt. In den vergangenen sechs Jahren stand Arnim dem Tennis-Verband Niederrhein vor. Als vor zwei Jahren die Lizenz des Hamburger Männerturniers am Rothenbaum neu vergeben wurde, hatte er sich auch beworben, den Zuschlag bekam die Österreicherin Sandra Reichel.

Seit dem vergangenen Sonntag ist Dietloff von Arnim nun wirklich auf der nationalen Bühne angelangt. Der 61-Jährige wurde auf der nachgeholten Mitgliederversammlung zum 18. Präsidenten der DTB-Historie gewählt, er ist gar der erste, der per Video-Abstimmung von den 17 Landesverbänden gekürt wurde. "Ich habe einen großen Respekt vor der Aufgabe", sagt Arnim am Montag entsprechend ehrfürchtig, wenngleich er verständlicherweise weniger überrascht von seiner Inthronisierung war als die Öffentlichkeit am Wochenende.

Seit 2014 hatte der pensionierte Lehrer Ulrich Klaus die Geschicke verantwortet, nach Jahren vieler interner Querelen hatte er es geschafft, den Verband zu befrieden. Der 70-Jährige hatte am Sonntag seine dritte Amtszeit angestrebt. Aber wie sich die Lage darstellt, war da längst klar, dass der Stab der Verantwortung weitergereicht werden würde. Ende des vergangenen Jahres, schildert Arnim, sei er erstmals in Tenniskreisen gefragt worden, ob er sich die oberste DTB-Position vorstellen könne. Wer ihn ansprach, sagt der erfahrene Stratege nicht, aber dass er aus Landesverbänden die Rückmeldung erhielt, es sei "vielleicht doch mal Zeit für einen Wechsel", führte zum eigenen Entschluss: Er stehe bereit. Von diesem Moment an lief quasi ein interner Wahlkampf, der von der Öffentlichkeit unentdeckt blieb. Der DTB selbst hatte nicht publik gemacht, dass es einen Gegenkandidaten zu Klaus gibt. Erst eine Meldung des Tennis Magazins, drei Tage vor der Wahl, legte den Fakt offen.

Georg von Waldenfels warnte in einem Schreiben vor Ämterhäufung

Arnim hatte sich in Einzelgesprächen den Rückhalt der benötigten Mehrheit gesichert, letztlich gab es am Sonntag nur einen Punkt, an dem seine Wahl offenbar hätte scheitern können. Vor der Abstimmung stand eine Satzungsänderung auf der Tagesordnung, die besagt, dass Landespräsidenten auch als Vizepräsidenten im DTB-Präsidium sitzen dürfen. Klaus hatte sich gegen diese Neuerung ausgesprochen, die ja die Problematik einer Interessenskollision in den Ämtern beinhaltet, etwa bezüglich Kontrollfunktionen oder Entscheidungsfreiheiten. Die FAZ zitierte noch vor dem Sonntag aus einem Schreiben, das der ehemalige DTB-Präsident Georg von Waldenfels an Mitglieder des Bundesausschusses versandt hatte. Er warnte vor den Gefahren von Ämterhäufung.

Dietloff von Arnim sagt, er halte das Problem für "relativ gering", ihm gehe es mehr um den Aspekt, dass Entscheidungen im Team gefunden werden sollen. Er kann aber Bedenken nachvollziehen. "Wenn wir das nicht schaffen, wird man diesen Passus bei der nächsten Mitgliederversammlung wieder zur Abstimmung stellen", versichert er. Vorerst gilt er aber, die Änderung erhielt die nötige Zweidrittelmehrheit; Klaus war daraufhin nicht mehr zur Wahl angetreten. Auf zwei von fünf DTB-Vizes trifft die neue Regelung zu: Bayerns Verbandschef Helmut Schmidbauer sowie Raik Packeiser vom Verband Niedersachsen-Bremen. "Es sollte keine Hürde sein, dass ein Landespräsident auch Vize im DTB werden kann", sagt Schmidbauer.

Arnim, der ohne Gegenstimme blieb, will ab sofort die interne Kommunikation verbessern: "Wir müssen die Landesverbände in Prozesse mehr einbinden, das wollen sie auch", sagt er. Zudem sieht er Defizite in der Außenpräsentation. Arnim findet etwa, dass sich andere Sportarten "geschickter darstellen". Immerhin sei der DTB mit 1,4 Millionen Mitgliedern der größte Tennisverband der Welt. Und er strebt eine Strukturreform an. Der DTB solle professioneller organisiert werden, mit bezahlter Geschäftsführung und einem Präsidium, das einem Aufsichtsrat gleicht. "Zu viel ist auf ehrenamtliche Schultern abgewälzt worden", sagt Arnim: "Wir sind alle der Überzeugung, dass das nicht mehr zeitgemäß ist."

Der Vertrauensvorschuss ist spürbar groß. "Dietloff von Arnim ist ein Mann, der den DTB weiterbringen kann", sagt Schmidbauer. Arnim selbst freut sich auf seine Aufgabe. "Es wird seit 100 Jahren Tennis gespielt, Tennis ist seit 100 Jahren erfolgreich", betont er. "Das Konstrukt funktioniert."

© SZ/moe/jkn/ska
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