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Doping im Gewichtheben:Russische Heber wurden früher fast nie getestet

Erste Erfolge hat er bereits erzielt. Bis vor einem Jahr legte der Weltverband IWF selbst fest, welche Sportler kontrolliert werden. Die Folge: Obwohl die russischen Gewichtheber mehrere Medaillen bei Weltmeisterschaften holten, wurde 2011 nur ein einziger von ihnen getestet, 2012 überhaupt keiner. Ajans Verband bestimmte dies so. Mittlerweile gibt es eine wenigstens formal unabhängige Anti-Doping-Kommission im Weltverband, die die Kontrollen transparenter macht. Auch russische Athleten müssen nun zum Dopingtest. Dass es immer noch so viele positive Fälle gibt, könnte also schlicht ein Indiz dafür sein, dass nun besser kontrolliert wird.

Zufrieden ist Baumgartner mit den Anti-Doping-Bemühungen allerdings noch immer nicht. "Solange es Raum für Spekulationen gibt, ist es nicht gut für eine Sportart", sagt er. Derzeit engagiert sich Baumgartner im Weltverband dafür, dass Athleten ihren Trainer und Arzt benennen müssen, damit diese leichter bestraft werden können. Schon beim Treffen in Almaty könnte die Initiative durchgesetzt werden.

Anabolika, die nicht nachweisbar sind

Auch Anti-Doping-Experte Sörgel erkennt an, dass sich etwas getan hat in der Gewichtheber-Szene: "Sie ziehen nun mit." Ein Anfang, mehr nicht. Der Pharmakologe aus Nürnberg rät dazu, im Kampf gegen den Missbrauch auch Methoden der Kriminalistik anzuwenden. "Detektive sollten bei Wettkämpfen kontrollieren, mit wem die Sportler Kontakt haben, was sie und ihre Helfer mit sich führen", sagt Sörgel und warnt: "Längst gibt es Anabolika, die von kriminellen Chemikern hergestellt werden und die zumindest derzeit nicht nachweisbar sind." Mit aufspürbaren Steroiden wie Stanozolol würden sich nur Athleten aus denjenigen Nationen erwischen lassen, die sich keine anderen Substanzen leisten können, so Sörgel.

Wird im Gewichtheben womöglich weiterhin gedopt wie damals, als Gerd Bonk vollgepumpt zu Wettkämpfen antrat, staatlich organisiert vom DDR-Sportsystem, und dann ein Leben lang an den Folgen des systematischen Dopingmissbrauchs litt? Sörgel will es nicht ausschließen.

Wirkung der Dopingmittel

Dehydrochlormethyltestosteron: Das Anabolikum wurde in der DDR entwickelt und staatlich organisiert eingesetzt - oft ohne Wissen der Athleten. Es bewirkt ein schnelles Wachsen der Muskeln, kann zu Leberschäden, Bluthochdruck und erhöhter Aggressivität führen. Frauen können unfruchtbar werden.

Methyltestosteron: Das anabole Stereoid ist eines der stärksten synthetischen Testosterone und kann in Tablettenform eingenommen werden. Schon nach wenigen Wochen nimmt die Muskelmasse extrem zu. Es kann zu Akne, Haarausfall und Organschäden führen, viele Konsumenten bekommen Depressionen.

Stanozolol: Das anabole Steroid stärkt den Muskelaufbau und damit die Leistungsfähigkeit. Es erhöht das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, es kann zum Herzinfarkt kommen, zu Leberschäden und Langzeitschäden an Gelenken.

Metandienon, Methenolon, Nandrolon (Norandrosterone), Oxandrolon: ebenso anabole Steroide