Doping:Haltbarkeit zählt doch

Die nationale Anti-Doping-Agentur ändert ihre Richtlinien für Dopingtests. Die Kontrolleure müssen zukünftig auf das Haltbarkeitsdatum ihres Materials schauen. Dennoch bleiben Fragen offen.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat die Kontrollfirmen, Kontrolleure und die akkreditierten Labore angewiesen, bei Dopingtests künftig auch stets die Haltbarkeit der benutzten Materialien zu prüfen. Utensilien mit überschrittenen Haltbarkeitsdaten würde die Nada künftig nicht mehr verwenden, teilte sie am Donnerstag in einer Stellungnahme mit. Damit reagierte die Bonner Agentur auf einen SZ-Bericht vom Donnerstag über ein offenkundig grundsätzliches Problem bei den Standards der Dopingkontrollen.

Mehreren Athleten zufolge gab es Fälle, in denen bei Bluttests veraltetes Material eingesetzt wurde. Für die Nada war es gemäß bisheriger Auffassung aber gleichgültig, ob das Haltbarkeitsdatum überschritten war oder nicht. Sie wertete die Probe als wissenschaftlich und rechtlich valide; ihr lägen keine Erkenntnisse vor, wonach sich veraltetes Material auf die Analyseergebnisse auswirken könne, erklärte sie. Experten sind in der Frage anderer Ansicht und verweisen darauf, dass Tests mit veraltetem Material, insbesondere mit Röhrchen bei der Blutentnahme, zu unplausiblen Ergebnissen führen könnten. Mit der Änderung ihrer Richtlinien schafft die Nada Klarheit für künftige Tests. Unklar bleibt, was das für Proben aus der Vergangenheit bedeutet. Bei den Röhrchen, die noch im Labor stehen, soll es Überprüfungen geben. Jedoch werden diese nach gewisser Zeit vernichtet. Als heikel könnte sich das Thema noch bei den Tests erweisen, die für den Blutpass berücksichtigt werden. Damit wollen die Dopingbekämpfer über längere Zeiträume Schwankungen im Blut feststellen, die auf Manipulationen hindeuten. Nicht ausgestanden ist die Causa auch für Sportrechtler. Athleten und Verbände sollten "in Erfahrung bringen, bei welchen zurückliegenden Blutkontrollen verfallene Probenröhrchen verwendet worden sind", sagt Rainer Cherkeh (Hannover), den Mandanten in drei Fällen über den Einsatz abgelaufener Materialien unterrichtet hatten: "Die Nada, die für die Verbände die Dopingkontrollen gegen Entgelt organisiert und durchführt, hat darüber Auskunft zu erteilen."

© SZ vom 25.09.2015
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