Harald Schumacher

Wenn Sepp Maier temperamentvoll war, dann muss sein Nachfolger im DFB-Trikot als besessen und aufbrausend gelten. Die ihm wohl gesonnen waren, hießen Harald, genannt Toni Schumacher einen "positiv Verrückten". Andere fanden, dass er es einige Male übertrieben habe mit dem Ehrgeiz.

Zum Beispiel im Halbfinale der WM 1982, in dem er Patrick Battiston unkontrolliert entgegensprang, der Franzose minutenlang regungslos auf dem Rasen lag und eine schwere Gehirnerschütterung und einen Halswirbelbruch erlitt. Außerdem verlor Battiston ein paar Zähne, woraufhin Schumacher nach dem Spiel sagte, er werde ihm ein paar Jacketkronen kaufen. Schumacher war daraufhin vor allem in Frankreich der Inbegriff des "hässlichen Deutschen".

In Deutschland hingegen erlangte er mit Kölner Humor und bodenständiger Berufsauffassung große Popularität. Als Torhüter stand er ohnehin über aller Kritik und war ein würdiger Nachfolger von Sepp Maier. 1980 wurde er Europameister, 1982 und 1986 verlor er zwei WM-Finals. Legendär wurde der Ausspruch von TV-Moderator Rolf Kramer. Als in Mexiko der Argentinier Burruchaga kurz vor Schluss alleine auf ihn zulief, flehte er fast: "Toni, halt den Ball - Nein!" Es war das 2:3.

Das Ende der Karriere leitete Schumacher selbst ein. Im März 1987 erschien sein Buch "Anpfiff", das von vielen als Generalabrechnung mit dem deutschen Fußball bezeichnet wurde. Darin erhob er Dopingvorwürfe und kritisierte Mitspieler scharf. Schumacher galt daraufhin als Nestbeschmutzer im Fußball-Business, der DFB suspendierte ihn, der 1. FC Köln löste den Vertrag. "Anpfiff" war der Karriereknick für Schumacher. Ob er es noch einmal schreiben würde? "Lieber ein Knick in der Laufbahn als im Rückgrat", sagte er.

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5. Januar 2010, 16:172010-01-05 16:17:00 © (sueddeutsche.de)