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Deutscher Fußball-Bund:Prämierter Spielertrainer

Der DFB hat wieder einen neuen Präsidenten: Einstimmig wählt der Bundestag den Freiburger Fritz Keller, dessen erste Aufgaben es sein wird, Amateure und Profis zu versöhnen.

Der neue Mann an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist zunächst etwas desorientiert. Im Zuge der ausgiebigen Beglückwünschungen zum Präsidentenamt hat Fritz Keller einen Blumenstrauß bekommen, jetzt streunt er mit dem Bukett in der Hand ein wenig ratlos über die Bühne. "Wo soll ich denn hin?", fragt er. Kurz darauf kann er dann den für ihn vorgesehenen Platz einnehmen.

Fritz Keller, 62 Jahre alt und bisher Präsident des SC Freiburg, ist seit Freitag der neue DFB-Chef - erwartungsgemäß und anders als sein Vorgänger Reinhard Grindel einstimmig gewählt. Er wird nicht mehr so viel Machtfülle haben wie vorherige Präsidenten, aber er soll trotzdem Gesicht und Stimme des krisengeplagten Verbandes werden. Diverse und gewaltige Probleme sind zu bewältigen, insbesondere im angespannten Verhältnis von Profis und Amateuren. Und die Strategen im Verband erhoffen nicht zuletzt, dass der DFB dank Keller und dessen Art fortan etwas anders und sympathischer rüberkommt.

Der gebürtige Freiburger unterscheidet sich in der Tat von seinen Vorgängern. Ein erfolgreicher Geschäftsmann ist er, Winzer, Hotelier und Gastronom, seine Weine und Restaurants sind vielfach preisgekrönt. Zugleich kann er für sich reklamieren, seit jeher mit dem Fußball verbunden zu sein. Schon sein Vater war ein großer Fan, und der große Fritz Walter, der Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 1954, wurde sogar Kellers Patenonkel. Als seine Schriftkünste ausreichend geschult waren, um die Unterschrift des Vaters nachzuahmen, habe er auf nicht ganz legalem Weg die erste Vereinsmitgliedschaft beim TuS Oberrotweil erlangt, erzählte Keller.

Funktionär wiederum ist er seit 1994, als er in den Vorstand des SC Freiburg kam. 2010 rückte er dort in die erste Reihe, zunächst als Vorstandschef, später nach einer Satzungsänderung als Präsident mit eher repräsentativen Funktionen. Eigentlich habe seine Lebensplanung ein bisschen anders ausgesehen, berichtete er. Ein Wohnmobil habe er sich zugelegt, aber mit dem habe er schon im vergangenen Jahr nur hundert Kilometer geschafft - jetzt habe er es wieder verkauft.

27.09.2019, xfux, Fussball Deutscher-Fussball-Bund, 43. Ordentlicher DFB-Bundestag 2019, emspor, v.l. Praesident Fritz

Blumen für den Neuen aus Baden: Fritz Keller, 62.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Als eine Stärke Kellers gilt, dass er mit Menschen kann. Bodenständig, humorvoll und gesellig, solche Wörter fallen oft, wenn es um Kellers Eigenschaften geht. Aber nicht nur in Freiburg wissen sie, dass er auch aufbrausend sein kann, wenn ihm etwas nicht passt - nicht zuletzt fragwürdige Schiedsrichter-Entscheide zu Ungunsten seiner Freiburger. Und ein guter Geschäftsmann wird man ja nicht nur mit humorvoll-bodenständigem Auftreten, es bedarf auch mancher strikt kaufmännischen Entscheidung.

Dass Keller ein irgendwie anderer Funktionär sein soll, kommt am Freitag schon in der Bewerbungsrede zum Ausdruck. Er zwängt sich nicht hinters Pult, sondern geht frei auf der Bühne umher. Duktus und Vokabular entstammen auch nicht immer dem klassischen Funktionärs-Baukasten. Ein paar flotte Sprüche baut er ein, auch wenn es manchmal etwas arg salopp daherkommt; etwa, wenn er Politikern anrät, sie sollten "nicht nur schwätzen", sondern anpacken. Aber ein paar Dinge, die er anspricht, sind doch auffällig. Eine bessere Umgangs- und Kommunikationskultur will er dem Verband vermitteln, und in seinen Parforceritt durch die tausend Themen baut er sogar den Gedanken ein, wie es denn sein könne, dass eine Kreisliga-Mannschaft 200 Euro Strafe zu zahlen habe, wenn sie kurzfristig mal ein Spiel absagen müsse.

Große Themen gibt es aber auch zu bereden: Keller kündigt an, dass er dem DFB in Kürze eine externe Generalinventur aller sportlichen und wirtschaftlichen Bereiche verordnen werde. Das ist insofern erstaunlich, da der DFB erst vor zwei Jahren eine Beraterfirma im Haus hatte, die für einen siebenstelligen Betrag die Strukturen prüfte. Das genügt Keller offenkundig nicht: "Dann werden wir in die Ecken schauen, es geht nicht nur um Finanzen, sondern auch um Finanzströme, es geht um Entscheidungsprozesse."

Die Präsidenten des DFB

Ferdinand Hueppe 1900 - 1904

Friedrich Wilhelm Nohe 1904 - 1905

Gottfried Hinze 1905 - 1925

Felix Linnemann 1925 - 1945

Peco Bauwens 1950 - 1962

Hermann Gösmann 1962 - 1975

Hermann Neuberger 1975 - 1992

Egidius Braun 1992 - 2001

Gerhard Mayer-Vorfelder 2001 - 2004

Mayer-Vorfelder/Theo Zwanziger 2004 - 2006

Theo Zwanziger 2006 - 2012

Wolfgang Niersbach 2012 - 2015

Rainer Koch/Reinhard Rauball 2015 - 2016

Reinhard Grindel 2016 - 2019

R. Koch / R. Rauball 4/2019 - 9/2019

Fritz Keller ab 9/2019

Es ist allerdings die Frage, welche effektiven Folgen es haben wird, dass der DFB nun über ein neues Gesicht und eine neue Stimme verfügt. Denn der Präsident ist nicht mehr operativ tätig, die Richtlinienkompetenz in der DFB-Satzung wurde gestrichen. Zudem ist Keller umringt von einflussreichen Personen. Rainer Koch, der oberste Amateurvertreter und erste DFB-Vizepräsident, der von den 257 Stimmberechtigten im offenen Votum zehn Gegenstimmen und sieben Enthaltungen bekam, übernimmt die internationalen Ämter. Generalsekretär Friedrich Curtius wird auch Geschäftsführer der neuen Tochtergesellschaft namens DFB-GmbH, in die alle wichtigen Aktivitäten des Verbandes wie die Nationalelf und die neue Akademie übergehen. Hinzu kommt Christian Seifert als Geschäftsführer und starker Mann der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem Interessenverband der 36 Profiklubs aus erster und zweiter Liga.

Einen Vorschlag Kochs, nach dem der neue Präsident künftig an der Mittellinie des Spielfeldes stehen möge, mit gleichem Abstand zu Amateuren und Profis, räumte Keller in seiner Rede gleich einmal ab. Ein bisschen Bewegung brauche er schon, er sehe sich eher als Spielertrainer, der sich auch mal selbst einwechsle, "am liebsten als Zehner" - und, so sagt er wenig später: "Ich werde auch reingrätschen, wenn es was zum Reingrätschen gibt!"

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