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Deutsche Eishockey Liga:Lange Beine und ein weiter Weg

DEL; Koelner Haie - Straubing Tigers; Koeln, 17.11.2019 Antoine Laganiere (Straubing Tigers, 28); DEL; Koelner Haie - St

Perfektes Wochenende: Antoine Laganiere machte deutlich, wie sehr er den Straubingern im Dezember gefehlt hatte.

(Foto: Andreas Dick/imago)

Die entscheidenden Stürmer der bayerischen DEL-Derbys: Antoine Laganiere spielt nach Meinung seines Trainers das beste Eishockey, seit er in Straubing ist, Ingolstadts David Elsner hat wie seine ganze Mannschaft nach schwierigem Start aus der Krise gefunden.

Der erste Sonntag im neuen Jahr stand in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) im Zeichen zweier bayerischer Derbys. Die Straubing Tigers empfingen die Augsburger Panther und der ERC Ingolstadt war bei den Nürnberg Ice Tigers zu Gast. Derbyfreude kam bei den Straubingern und Ingolstädtern auf, die die bayerischen Duelle auch deshalb für sich entschieden, weil zwei Stürmer einen sehr guten Tag hatten: Antoine Laganiere (Straubing) und David Elsner (Ingolstadt).

Der Schubser, den Antoine Laganiere mitbekam, machte ihm nichts aus. Der Tigers-Stürmer hielt dennoch seine Position - und brachte sich und seinen Schläger derart gut in Stellung, dass er die Scheibe sehenswert aus der Luft zum 2:1 abfälschen konnte. Und Straubings Stadionsprecher hatte den Torschützen unter dem Jubel der Heimfans im Eisstadion am Pulverturm noch nicht zu Ende durchgesagt, da war Laganiere schon wieder zur Stelle: Der Kanadier hielt den Puck im Augsburger Drittel und servierte ihn Sandro Schönberger, der nur 16 Sekunden nach Laganieres Treffer das 3:1 markierte. Am Ende siegten die Straubinger 3:2, verteidigten ihren zweiten Tabellenplatz und rückten bis auf acht Punkte an den EHC München heran.

Nicht nur für Laganiere war es das Ende eines perfekten Derby-Wochenendes, zwei Tage zuvor hatten die Tigers trotz 0:2-Rückstand noch 4:2 in Ingolstadt gewonnen. Laganiere steuerte dazu eine Torvorlage bei und machte deutlich, wie sehr er den Niederbayern in den vier Wochen zuvor gefehlt hatte. Diese hatte er nämlich verletzungsbedingt verpasst. Was Straubings Trainer Tom Pokel an seinem kanadischen Angreifer hat, machte er direkt vor dessen Comeback klar. "Antoine spielt sein bestes Eishockey, seit ich ihn kenne", betonte er. Pokel schätzt den 29-Jährigen, der seine zweite Saison in Straubing bestreitet, nicht nur "statistikmäßig", also dafür, dass er bis zu seiner Verletzung Straubings drittbester Scorer war, sondern ganzheitlich. "Er ist ein läuferisch sehr starker Spieler, der sehr viel Druck verursacht", erklärte Pokel. Eine besonders wichtige Rolle nimmt Laganiere auch in Unterzahl ein, wo er mit "seinen langen Beinen, seinen langen Armen und seinem großem Schläger" (Pokel) die gegnerischen Spieler vor Probleme stelle. Gegen Augsburg stand Laganiere mehr als vier Minuten in Unterzahl auf dem Eis.

Er habe der Mannschaft in allen drei Spielsituationen, sprich bei Fünf gegen Fünf, in Über- und in Unterzahl, gefehlt, fasste Pokel es zusammen. Auch Jeremy Williams schwärmt von seinem kanadischen Landsmann, nicht nur wegen dessen "großen Körpers": "Legi schleppt Scheiben in die offensive Zone und gewinnt Pucks für uns." Und als Glücksbringer taugt er auch: Nur einmal verloren die Tigers in dieser Saison, als Leganiere eines seiner neun Tore erzielte.

Zu den erforderlichen Qualitäten eines Stürmers gehört es auch, sich voraussehend so vor dem gegnerischen Tor zu positionieren, dass er leichtes Spiel hat, um das zu tun, für was er bezahlt wird: Tore zu schießen. David Elsner gelang das in Nürnberg. Der Ingolstädter Angreifer schlich sich in Minute 14 fast unbemerkt im Rücken der Nürnberger Verteidigung an den zweiten Pfosten, wo er keine Mühe hatte, den Abpraller von Nationaltorhüter Niklas Treutle zu verwerten. Elsners Tor zum 2:1 war das entscheidende beim 3:1-Sieg des ERC, durch den die Oberbayern ihren Platz unter den Top sechs festigten.

"Wir hatten dieses Jahr einen schwierigen Start", sagte Elsner, "jetzt haben wir einen Weg gefunden, dass wir in der Tabelle gut dastehen." Das gilt für den ERC - aber auch für ihn selbst. Wochenlang war er seiner Form aus der Vorsaison, in der er 18 Tore erzielt und damit seine beste Spielzeit absolviert hatte, hinterhergelaufen. Seine Krise war derart groß, dass Ingolstadts Trainer Doug Shedden ihn im Oktober für zwei Spiele sogar auf die Tribüne verbannte. Sheddens Begründung: "Er war schlecht", und habe "nicht David-Elsner-Eishockey" gespielt. Dieses zeichnet sich durch ein dynamisches, körperlich geprägtes Spiel mit viel Zug zum Tor aus. All diese Qualitäten gingen dem 27-Jährigen in den ersten Saisonwochen allerdings ab. Elsner fühlte sich nach eigenen Angaben auf dem Eis nicht wohl und mental nicht bereit.

"Ich war ganz am Anfang ein bisschen enttäuscht von mir selbst und habe mir vielleicht selbst zu viel Druck gemacht, weil es einfach nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt habe", sagte Elsner rückblickend. Mittlerweile denke er nicht mehr an diese Zeit - und schon läuft es wieder. In jedem der vergangenen sieben ERC-Spiele hat er einen Scorerpunkt gesammelt, Elsner harmoniert mit seinen Reihenkollegen Mirko Höfflin und Tim Wohlgemuth. "Diese Reihe hatte ein sehr gutes Spiel", betonte Shedden nach dem Derbysieg. Dass dieser im Schlussdrittel ohne größeres Herzklopfen über die Bühne gebracht werden konnte, hatte auch mit Elsner zu tun: Der gebürtige Landshuter servierte Höfflin die Scheibe zum 3:1, das den Nürnbergern, die zum achten Mal in Serie verloren, die letzten Hoffnungen nahm.

© SZ vom 07.01.2020
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