DEL:Schritt aus dem Gemetzel

Nick Schilkey (Iserlohn Roosters) und Michael Clarke (Augsburger Panther 44) im Zweikampf; Augsburger Panther vs. Iserl

In der ersten Saison war seine Rolle war überschaubar, in der zweiten soll Michael Clarke (rechts, hier gegen seinen Ex-Klub Iserlohn) vorangehen.

(Foto: Klaus Rainer Krieger/imago images/Krieger)

Die Augsburger Panther sind unglücklich in die Saison gestartet, umso wichtiger war ihr jüngster Erfolg gegen Bietigheim. Doppeltorschütze Michael Clarke soll künftig öfter so wertvoll für sein Team sein.

Von Christian Bernhard

Mark Pederson sagt über sich selbst, er sei ein ziemlich ruhiger Typ, und wenn man ihn so am Dienstagabend beobachtete, konnte man nicht anders, als diesen Eindruck zu teilen. Pederson ist seit diesem Sommer Trainer der Augsburger Panther und hatte die ersten drei Saisonspiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verloren. Die Auswärtsfahrt zum Aufsteiger Bietigheim Steelers war deshalb mit einem gewissen Druck verbunden, der dem stoischen Pederson beim 4:2-Sieg aber nicht anzumerken war. Toll sei der Sieg, sagte der 53-jährige Kanadier in der Pressekonferenz, ohne eine Miene zu verziehen, der "Unterschiedsmacher" seien die zwei Überzahltore seiner Mannschaft gewesen.

Ein weiterer Unterschiedsmacher war Michael Clarke. Der Kanadier mit deutschen Wurzeln erzielte seine ersten zwei Saisontore, die durchaus erlösenden Charakter für ihn hatten. Clarke war zur verkürzten Corona-Saison 2020/21 noch Augsburg gekommen, die Panther erwarteten sich einiges vom Angreifer, der mit 13 Treffern Iserlohns bester Torschütze der Vorsaison gewesen war. Doch so wie die Augsburger als Team überzeugte auch Clarke nicht, nur vier Tore gelangen ihm. Der 27-Jährige, der erst 2018 aus dem nordamerikanischen Universitäts-Eishockey in den Profibereich gewechselt war, stagnierte.

Trainer Pederson schätzt Clarkes Flexibilität und sieht noch viel Potential in ihm

Trotz seiner überschaubaren Debütsaison im Panther-Trikot verlängerte der Klub im Mai seinen Vertrag um ein Jahr. Trainer Pederson schätzt Clarkes Flexibilität - er kann als Mittelstürmer wie als Außenangreifer spielen - und sieht noch viel Potential in ihm. "Er ist erst seit drei Jahren Profi und in seiner persönlichen Entwicklung ganz sicher noch nicht am Ende angelangt", sagte Pederson, Clarke werde nun eine "größere Rolle anstreben".

Zu Beginn der Saison war Clarkes Rolle allerdings maximal minimalisiert, das Augsburger Auftaktspiel bei der Düsseldorfer EG (3:5) musste er von der Tribüne aus ansehen. Beim Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters (1:4) am vergangenen Freitag stand der läuferisch starke Linksschütze dann erstmals auf dem Eis, zwei Tage später leistete er sich gegen die Kölner Haie im Schlussdrittel einen leichtsinnigen Scheibenverlust, der zum 2:2-Ausgleich des Ex-Augsburgers Jon Matsumoto führte. In der Verlängerung verloren die Schwaben dann noch die Partie.

In Bietigheim durfte Clarke trotzdem wieder an der Seite von Colin Campbell und Adam Payerl in einer der Augsburger Parade-Angriffsformationen ran - und lieferte dort ab: Beim 2:1 in Minute 50, durch das die Panther die Partie drehten, kamen seine läuferischen Qualitäten zum Tragen. Clark zog mit Tempo im eigenen Drittel los, profitierte davon, dass sich zwei Bietigheimer beim Versuch, ihn zu stoppen, gegenseitig behinderten und schloss die von ihm kreierte Zwei-gegen-eins-Situation mit einem platzierten Handgelenkschuss ab. Zuvor hatte er schon jene Steelers-Strafzeit herausgeholt, die sein Kapitän Brady Lamb zum 1:1 in Überzahl genutzt hatte (39.). Nach David Stielers 3:1 (54.) machte Clarke mit einem Treffer ins leere Steelers-Tor alles klar (59.). "Wir hätten schon in den ersten drei Spielen viel mehr verdient gehabt als nur einen Punkt", sagte er bei Magentasport. "Jetzt haben wir die drei Punkte geholt, die wir sehr gebraucht haben."

Vor den anstehenden Derbys haben sie den kanadischen Torjäger Matt Puempel aus Schweden geholt

Dass diese besonders wertvoll sein können, war schon vor der Partie zu spüren. "Jeder weiß, wo Augsburg steht und wo wir stehen", sagte Steelers-Kapitän Constantin Braun mit Blick auf die Tabelle. In der diesjährigen DEL-Spielzeit geht es erstmals seit 16 Jahren wieder gegen den sportlichen Abstieg, mindestens ein DEL-Klub wird am Saisonende den Gang in die DEL2 antreten müssen. Das ist nicht nur für Panther-Hauptgesellschafter Lothar Sigl eine "neue Situation", wodurch ein Klub wie Augsburg "als allererstes im Blickwinkel" haben müsse, "möglichst nicht in dieses Gemetzel reinzukommen", wie er vor dem Saisonstart betonte.

Um das zu verhindern, bekommen Clarke und die Panther nun Unterstützung. Vor dem anstehenden Derby-Heimspiel-Wochenende - am Freitag sind die Straubing Tigers zu Gast (19.30 Uhr), am Sonntag der ERC Ingolstadt (16.30 Uhr) - gaben die Augsburger am Mittwoch die Verpflichtung des kanadischen Angreifers Matt Puempel bekannt. Pederson bescheinigte dem 28-Jährigen, der von den Malmö Redhawks aus Schweden kommt, "absolute Torjägerqualitäten".

© SZ/lib
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