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DEB-Präsident Franz Reindl:Eminenz im Graubereich

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Nicht unumstritten: DEB-Präsident Franz Reindl.

(Foto: Horn/Eibner/imago)

Franz Reindl bewirbt sich um den Vorsitz des Eishockey-Weltverbands - genau jetzt tauchen Vorwürfe aus dem eigenen Haus auf. Es geht um Geld und Macht. Der Zeitpunkt ist brisant.

Von Johannes Schnitzler

Es ist wohl keine "Rebellion", wie der Spiegel sie ausgemacht hat. Und es ist keine an den Grundfesten des Verbandes rüttelnde Krise, wie sie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen Präsidenten Alfons Hörmann schüttelt, dem Mitarbeiterinnen eine "Kultur der Angst" vorwerfen. Aber bemerkenswert ist es allemal, womit sich der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, konfrontiert sieht. Die Rede ist von einem üppigen Monatsgehalt, rund 9000 Euro, und weiteren Annehmlichkeiten, die sich der ehrenamtliche Präsident eines gemeinnützigen Sportverbandes angeblich genehmigt. Die Landes-Eissportverbände Thüringen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein haben deshalb ein sogenanntes Auskunftsbegehren an den DEB gerichtet. Sie haben einen brisanten Zeitpunkt dafür gewählt: just als Reindl seine Kandidatur um den Vorsitz des Weltverbands IIHF öffentlich gemacht hat und das deutsche Team in Riga um eine WM-Medaille spielte.

Eishockey sei sein Leben, sagt der 66-Jährige, das kann man so stehen lassen. Fast ein halbes Jahrhundert ist Reindl im Geschäft. Als junger Stürmer durfte er 1976 den Gewinn der Bronzemedaille in Innsbruck mitfeiern. Später, als Multifunktionär, spielte er eine zentralere Rolle: beim DEB als Generalsekretär und Organisationschef von drei Weltmeisterschaften, seit 2014 als Präsident; bei der IIHF als Mitglied im Council, dem obersten Rat des Weltverbands. Über einen so langen Zeitraum macht man sich nicht nur Freunde. Oder zu viele.

Blatter, Fasel, Lichtner, Reindl: Schließt sich da ein illustrer Kreis?

Reindl war Teil jener Verhandlungsgruppe, die mit dem Vermarkter Infront einen neuen Kooperationsvertrag schloss, der der IIHF bis 2033 rund 450 Millionen Euro bringt. Sein Vertrauter im Council ist IIHF-Generalsekretär Horst Lichtner, einst Marketingdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Lichtners Name taucht auf im Zusammenhang mit der dubiosen Vergabe von Werberechten an die Firma CWL, später Infront, in Zusammenhang mit der Affäre um die "Sommermärchen"-WM 2006. Bei der IIHF fing Lichtner im November 2006 an. Fürsprecher Reindls bei der Wahl zum DEB-Chef waren Infront-CEO Philippe Blatter, Neffe des ehemaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, sowie IIHF-Boss René Fasel, um dessen Nachfolge sich Reindl bewirbt. Schließt sich da ein illustrer Kreis?

Zu den Anwürfen sagte Reindl: "Das schlägt dem Fass den Boden aus." Mit "rudimentärem Insiderwissen" und "teilweise falsch dargestellten Zahlen" werde gezielt versucht, "transparente und bekannte Geschäftsvorgänge zu verdrehen, um den Verband und einzelne Personen zu beschädigen". Seine von 1994 an ausgeübte (und vergütete) Tätigkeit als Geschäftsführer der DEB GmbH sei bekannt, seit dem Vertragsende zum 31. Juli 2020 führe er auch diese Rolle als "administrativer Geschäftsführer" ehrenamtlich aus. Das Präsidium werde die Auskunftsbegehren dreier "eher kleinerer Landes-Eissportverbände" dennoch "mit der notwendigen Gründlichkeit" bearbeiten und die "berechtigten Auskünfte transparent im Rahmen der Informationsverpflichtungen erteilen". Gleichzeitig werde geprüft, ob die "persönliche Kampagne" verbandsschädigend oder persönlichkeitsverletzend sei.

Das Wort Transparenz verwendet Reindl oft. Seine Kritiker sehen aber durchaus Graubereiche. Etwa die Trennung von Sportdirektor Stefan Schaidnagel im vergangenen Dezember "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Personalführung": Nach SZ-Informationen soll Schaidnagel eine fristlose Kündigung erhalten haben. Weil diese in der Form aber offenbar nicht haltbar war, einigten sich beide Parteien außergerichtlich darauf, das Arbeitsverhältnis vorzeitig zum 30. April zu beenden. Schaidnagel soll sogar eine Abfindung erhalten haben. Beide Seiten schweigen dazu.

Umso schriller klingt nun die Anklage der Landesverbände. "Das hat mich richtig getroffen", sagte Reindl am Sonntag der SZ. Er habe sich nichts vorzuwerfen, zwölf der 15 Landesverbände hätten sich von den Vorwürfen distanziert. Wenn Reindl sein Haus im Herbst besenrein übergeben will, sollte er vorher trotzdem Fenster und Türen weit öffnen, um Luft und Licht herein zu lassen.

© SZ/jkn
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