Crowdfunding in der Leichtathletik:6000 Euro für die Saison

Lesezeit: 3 min

Crowdfunding ist ein junges Phänomen im deutschen Sport. Neben Kiffe machen Sprinter Maximilian Kessler (SSC Berlin), Mittelstrecklerin Caterina Granz (LG Nord Berlin) und 400-Meter-Läufer Alexander Meisolle (TV Wattenscheid) mit. Unter den Sportlern sind WM-Teilnehmer, nationale Spitzenathleten, Talente vor dem Durchbruch. Im angloamerikanischen Raum finanzieren Athleten aus derselben Preisklasse seit längerem per Crowdfunding ihre Wettkampfreisen oder Trainingslager. Auf Seiten wie makeachamp.com oder www.rallyme.com stellen sie sich aus wie auf einem Markt: Wer hat die größeren Ambitionen, die bewegendere Geschichte?

Christina Kiffes Geschichte geht so: Sie will Jurastudium und Spitzensport meistern, parallel. Nach drei Wochen hat sie 500 Euro gesammelt, ein Sponsor hat sie unterstützt, es ist ein verhaltener Start. Anfang Januar endet ihre Kampagne, bis dahin muss sie ihr selbstgestecktes Sponsoring-Ziel erreicht haben: 6000 Euro. Treibt sie die Summe auf, darf sie das Geld behalten. Treibt sie zu wenig ein, geht sie leer aus, komplett. Das Geld geht dann an ihre Unterstützer zurück.

Es ist ein Wettkampf, so sieht sie das. Und was hat sie schon zu verlieren? Natürlich gibt es auch immer wieder Kritik am Crowdfunding und die verschwindet auch nicht, wenn es sich dabei um Förderung von Spitzensport handelt. Die Befürchtung ist, dass sich die Politik auf der Sportförderung zurückzieht, wenn sich die Sportler selbt finanzieren.

Für Siebenkämpferin Kiffe ist Crowdfunding ein Versuch, unabhängiger zu sein in einem System, das einem wenig finanziellen Spielraum lässt. Wenn ihre Aktion erfolgreich ist, hätte sie ihren kompletten Bedarf für die kommende Saison gedeckt. Der DLV stellt zwar Trainingslager und Trainingsstätten. Aber wenn es um die duale Karriere geht, um Fahrtkosten zwischen Uni, Sportplatz, Zuhause, "da kommt finanziell nicht viel", sagt Kiffe.

Clemens Prokop ist Präsident des DLV und kennt das Problem mit der dualen Karriere. "Der Sportverband kann nicht alles auffangen", sagt Prokop, die Idee mit dem Crowdfunding halte er deshalb für "innovativ und spannend." Allerdings könne sich nicht jeder Athlet einfach so eine digitale Fangemeinde aufbauen, für dieses Unterfangen benötige man ja auch ein paar Anhänger in der analogen Welt, die das Projekt anschieben. Crowdfunding, glaubt Prokop, ist "kein System, das man für alle etablieren kann."

Auch Kiffe macht sich ihre Gedanken. Ob sich der ganze Aufwand lohnt, während zur gleichen Zeit Berufsfußballer für 90 Millionen Dollar veräußert werden? Den Gedanken schiebt sie rasch wieder weg. "Im Endeffekt", sagt Kiffe, "bin ich Leichtathletin. Das ist meine Leidenschaft."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema