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Cricket-Verbandschef im Interview:Trainersuche per Twitter

Spieler des Pak Orient Cricket Club in München

(Foto: imago sportfotodienst)

Nationaltrainer gesucht, bitte retweeten: Die deutsche Cricket-Nationalmannschaft fahndet auf digitalen Wegen nach einem Bundestrainer. Verbandschef Brian Mantle erklärt, weshalb die Suche so schwierig ist - und warum er auf hochkarätige Hilfe aus dem Ausland hofft.

Wenn ein Sportklub oder -verband einen neuen Trainer sucht, passiert das oft im Verborgenen. Dann wird dementiert, spekuliert, oft wochenlang. Der Deutsche Cricket-Bund (DCB) geht mit der Suche nach einem neuen Bundestrainer offensiver um:

Deutschland sucht einen neuen Cricket-Nationaltrainer, freiberuflich, mindestens Level 3, um uns zur nächsten Europameisterschaft zu führen. Bitte retweeten!

Der Engländer Brian Mantle, 42, ist Geschäftsführer beim DCB und hat die ungewöhnliche Trainersuche im sozialen Netzwerk angestoßen.

SZ.de: Herr Mantle, Ihr Verband sucht per Twitter einen Bundestrainer. Wie kommen Sie denn darauf?

Brian Mantle: Sie müssen wissen, dass Cricket nicht groß ist in Deutschland. Die Nationalmannschaft spielt international aber ziemlich hochklassig, sozusagen bei einer Art B-EM. Deshalb müssen wir laut Regelwerk einen Trainer beschäftigen, der eine gewisse Qualifikation mitbringt, Level-3-Trainer, heißt das. In Deutschland haben wir davon nicht einen einzigen. Also müssen wir im Ausland suchen. Dorthin haben wir aber nicht viele Kontakte.

Wie viele Interessenten haben sich gemeldet?

Wir haben nach unserem Aufruf circa 20 Bewerbungen erhalten, über Twitter und in anderen sozialen Netzwerken. Von diesen 20 Bewerbern werden wir in den nächsten zwei, drei Wochen jemanden nehmen. Es wird wohl entweder ein Holländer oder ein Engländer. Beide Länder sind viel weiter im Cricket als Deutschland.

Dann wohnt der künftige Bundestrainer im Ausland und kommt ab und zu nach Deutschland?

So ist es angedacht. 2014 findet die B-EM in England statt. Da wäre es durchaus ein Vorteil, wenn der Trainer aus England kommt. Für einen Engländer ist es eine schöne Herausforderung, eine deutsche Cricket-Nationalmannschaft zu trainieren. Das ist in etwa so, als würde ein Deutscher den englischen Handballverband unterstützen. Neben England gibt es noch einige europäische Länder mit Crickettradition, Schottland, Holland, auch Afghanistan. Afghanistan ist die Nummer zwölf der Welt, die werden immer besser. Es gibt dort wenige Plätze und natürlich große politische Probleme. Aber sehr viel Talent. Deutschland ist etwas dahinter. Wir sind derzeit die Nummer 37 der Weltrangliste.

Ist das eine positive Tendenz?

Für die Nationalmannschaft auf jeden Fall. Insgesamt hatten wir 2012 rund 1800 Cricketspieler in Deutschland, rund 40 Prozent mehr als im Jahr davor. In diesem Jahr sind noch einmal 20 Prozent dazugekommen. Das sind bessere Wachstumsraten als in jedem anderen europäischen Land. Trotzdem sind wir natürlich noch immer ein Minderheitssport in Deutschland.

Woran merkt man das?

Viele Leute in Deutschland kennen den Sport, aber nicht die Regeln. Manche Städte haben nicht einmal einen eigenen Cricketplatz, wie München. Das Problem ist, dass ein Spiel lange dauert, manchmal den ganzen Tag über. Wenn sie in Deutschland einen Tag lang einen Sportplatz für ein Cricketspiel reservieren wollen, müssen sie vier Fußballspiele absagen. Das ist schwierig.

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