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Costa Rica:"Wir haben keine Angst"

Costa Ricas Bryan Ruiz feiert sein Tor im Freundschaftsspiel gegen Belgien.

(Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP)

Costa Rica, das war mal einer der krassesten WM-Außenseiter überhaupt. Doch schon 2014 scheiterte das Team erst mit Pech im Viertelfinale an Holland. Und 2018 sagt Trainer Oscar Ramirez: "Unsere Rolle hat sich verändert."

Von Simon Meier

"Wir atmen die WM schon, wir fühlen, wie sie in uns aufsteigt." Es war der 26. März, als Oscar Ramirez dies sagte, am ­Vortag eines Testspiels, das Costa Rica gegen Tunesien verlieren ­sollte. Seine Spieler entspannten sich in der Eingangshalle eines ­Hotels in Nizza, der so gemütlich wirkende Trainer der "Ticos" machte währenddessen klar: Nein, die WM werde kein Spaziergang werden für Costa Ricas Gruppengegner.

Der kleine Staat, der nur fünf Millionen Einwohner zählt, machte bei der WM 1990 bei seiner allerersten Endrundenteilnahme und der sensationellen Achtelfinal-Qualifikation internationale Schlagzeilen - Gruppengegner ­damals waren Brasilien, Schweden und Schottland. Heute zählt das Land zwar immer noch zu den Außenseitern. Aber der kleinste WM-Teilnehmer ist Coasta Rica nicht mehr. Vor vier ­Jahren unterlag das Team der Niederlande im Viertelfinale erst im Elfmeterschießen. "Dank unserer Stabilität und unserer Resultate haben wir uns Respekt erarbeitet. Unsere Rolle hat sich verändert", sagt Ramirez.

Er erinnert sich auch, wie er die Erfolgsgeschichte als Spieler 1990 erlebte: "Die Mehrheit von uns spielte in der heimischen Liga, niemand war bei einem großen Klub. Wir logierten auch nicht in noblen ­Hotels, weil uns das Geld fehlte."

Die Zeiten haben sich geändert, und die Costa Ricaner gehen ­voller Zuversicht in ihre fünfte End­runde. Die wichtigen Spieler stehen mittlerweile bei Real Madrid (Torwart Keylor Navas), Deportivo La Coruña (Mittelfeldspieler Celso Borges) oder Sporting Lissabon (Kapitän Bryan Ruiz) unter Vertrag. "Wir haben keine Angst", sagt ­Ramirez, "ich erinnere daran, dass wir 2014 die Gruppe mit Italien, England und Uruguay ungeschlagen überstanden haben. Wir ­können gut mit Schwierigkeiten umgehen - das ist eine Eigenschaft unserer Bürger."

Oscar Ramirez ist seit 2015 im Amt. Er gibt sich nie überheblich, verströmt aber viel Zuversicht aus der Überzeugung heraus, die richtige Mischung gefunden zu ­haben für seine Mannschaft. "Sie besteht aus der Erfahrung derer, die beim Abenteuer 2014 schon dabei ­waren, und der Energie und dem Willen jener, die ihr ­erstes großes Turnier bestreiten ­werden."

© SZ vom 14.06.2018

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