Boxer Tom Schwarz Schmerzhafter Abstand

Tom Schwarz musste gegen Tyson Fury einiges einstecken.

(Foto: REUTERS)
  • Bei seinem ersten Auftritt auf großer Bühne verliert Tom Schwarz deutlich gegen Tyson Fury.
  • Gegen den britischen Klitschko-Bezwinger übersteht der Deutsche noch die erste Runde - dann ist in der zweiten Schluss.
  • Fury wird nach diesem Sieg 2020 wohl erneut gegen WBC-Champion Deontay Wilder antreten.
Von Benedikt Warmbrunn

Die erste Schlagserie kassierte Tom Schwarz bereits vor dem Gong zur ersten Runde. Er stand mitten in der MGM Grand Garden Arena, einem der ruhmvollsten Orte in der Welt des Boxsports, um ihn herum 9012 Zuschauer, der Ringsprecher verlas seinen Namen. Da bekam Schwarz zwei rechte Fäuste an die rechte Wange. Es folgten eine linke Faust an die linke Wange, noch eine rechts, links, rechts, links, rechts. Schwarz schüttelte den Kopf, er war bereit. Die acht Fäuste hatte er selbst geschlagen, es wirkte, als wolle er sich wachrütteln, um sich zu vergewissern, dass er wirklich in dieser Arena boxen darf, gegen Tyson Fury, einen der größten Namen des Schwergewichts. Doch die Schlagserie gegen den eigenen Kopf sollte bereits der letzte wirkungsvolle Moment von Schwarz an diesem Abend sein. Seinen Gegner traf er nur sechsmal.

Der größte Abend in der bisherigen und vielleicht auch in der weiteren Karriere des Profiboxers Schwarz dauerte nicht einmal sechs Minuten, dann war er vorbei, abgebrochen vom Ringrichter. "Natürlich fühlt es sich blöd an", sagte Schwarz nach dem technischen Knockout zum Ende der zweiten Runde, "aber ich habe alles gegeben." Das Schmerzhafte an diesem Abend war für ihn daher auch nicht das vorzeitige, frühe Ende des Kampfes. Wirklich schmerzhaft war die Erkenntnis, wie groß der Abstand zur Weltspitze dann doch ist.

Boxen Anstößig und unfassbar
Boxer Tyson Fury

Anstößig und unfassbar

Nach dem Sieg gegen Wladimir Klitschko hat Tyson Fury jahrelang nicht geboxt - er wog fast 180 Kilo und nahm Kokain. Nun kämpft er in Las Vegas gegen einen Deutschen.   Von Saskia Aleythe

Vor dem Kampf hatte Schwarz, 25, noch problemlos mit dem Entertainer Fury mitgehalten. Er blödelte, posierte, er tanzte ein wenig, er sagte ein paar freche Sprüche. Beim offiziellen Wiegen futterte er einen Schokoriegel, so wie vor zwei Wochen Andy Ruiz vor seinem Kampf gegen Anthony Joshua, den Ruiz überraschend gewonnen hatte. Fury hatte all das nicht beeindruckt. Der Favorit hatte am Freitag gesagt: "Erste Runde. Dann ist es vorbei." Dass er diese Prognose überstanden hat, war der größte Erfolg von Schwarz an diesem Abend. Und dennoch konnte er mit dem Boxer Fury nicht mehr mithalten.

"Der Schlüssel war es, mich selbst zu genießen"

Der 30 Jahre alte Brite, der 2015 Wladimir Klitschko nach zehn Jahren an der Spitze des Schwergewichtsboxens entthront hatte, dominierte den Kampf von der ersten Sekunde an. Fließend glitt er durch den Ring, das Gewicht auf dem hinteren Fuß, immerzu bereit, mit seiner rechten Faust vorzuschnellen. Dazwischen traf er Schwarz fast beiläufig mit linken Haken oder mit Geraden, mitten durch die Deckung hindurch. Schwarz hechelte dem Geschehen hinterher, er setzte vereinzelte Schläge, keiner davon störte Fury. In der Rundenpause setzte sich der 206 Zentimeter große Brite nicht einmal auf seinen Stuhl, obwohl er sich diesen eigens höher hatte bauen lassen. "Der Schlüssel war es, mich selbst zu genießen", sagte Fury.

Zur zweiten Runde wollte er sich mit umgekehrter Auslegung genießen, nun führte er mit der rechten statt mit der linken Hand. Sofort traf er mit einem linken Haken. Schwarz startete nun zwar gelegentlich Schlagserien, vergeblich. Besonders frustrierend war die zur Mitte der zweiten Runde. Vier Schläge setzte Schwarz, jedem Schlag wich Fury geschickt mit dem Oberkörper aus. Dann nahmen die Attacken des Briten zu. Linker Aufwärtshaken. Rechter Haken. Linker Haken. Nach einer Schlagserie verformte Fury sein Gesicht zu einer Grimasse. Noch ein linker Haken. Fury nickte anerkennend, so zufrieden war er mit der eigenen Kraft. Die Fäuste ließ er nun baumeln, er hatte erkannt, dass ihm dieser Gegner nicht gefährlich werden würde. Nach zwei Geraden ins Gesicht ging Schwarz zu Boden, seine Nase blutete längst. Er stand auf, das schon, doch kurz vor dem Ende der Runde rettete der Ringrichter Schwarz aus der Bedrängnis; aus seiner Ecke kam auch das Handtuch geflogen, als Zeichen des Aufgebens.

Den Abend hatte Fury also genutzt, um eindrucksvoll nachzuweisen, dass er gegenwärtig einer der besten, vielleicht sogar der beste Boxer im Schwergewicht ist. Nach einem weiteren Aufbaukampf wird er 2020 wohl ein weiteres Mal gegen den WBC-Champion Deontay Wilder boxen; das erste Duell im Dezember endete mit einem Unentschieden. Und Schwarz? Wird wohl erst einmal wieder gegen deutlich unbekanntere, aber auch deutlich weniger talentierte Boxer antreten. Mit den ganz Großen darf er sich zumindest im Training messen, sein Bezwinger versprach, ihn nach England einzuladen. Fury sagte: "Er wird stärker zurückkommen."

Boxen Der größte Kampf seiner Karriere

Boxer Tom Schwarz

Der größte Kampf seiner Karriere

Tom Schwarz fordert in Las Vegas den großmäuligen Tyson Fury heraus - als klarer Außenseiter. Doch der Deutsche betont, dass er die Psychospielchen beherrscht.   Von Benedikt Warmbrunn