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Boxen:Hilfreiche Reformen

Lionhearted - Aus der Deckung

„Jahrelang habe ich kein Gehör gefunden und auch keine Mittel.“ – Ali Cukur stößt bei der Vereinsführung endlich auf Interesse.

(Foto: First hand Production/oh)

"Es ist fällig, dass ein Verein aus München in der Bundesliga startet": Ali Cukur will mit den Boxern des TSV 1860 nach oben. Regeländerungen sorgen dafür, dass der Plan realistisch erscheint - aber es geht auch ums Geld.

Der Kampf, den Ali Cukur in den nächsten Monaten betreuen wird, ist einer, in dem er sich kaum auskennt. Cukur ist Abteilungsleiter der Boxer des TSV 1860 München, er hat oberbayerische Meister geformt, bayerische Meister, deutsche Meister, Kämpfer von ihm sind später Profi geworden und haben dort um die ganz großen Titel geboxt. Doch der Kampf, den Cukur jetzt erst einmal betreuen muss, findet nicht im Ring statt. Es ist ein Kampf ums Geld.

Cukur will mit seinen Athleten in der Bundesliga antreten, seit Jahren schon, "aber jahrelang habe ich kein Gehör gefunden und auch keine Mittel". Jetzt aber sagt er: "Es ist fällig, dass ein Verein aus München in der Bundesliga startet." Und der Verein, an den er dabei denkt, ist tatsächlich sein Verein, der TSV 1860.

Dass Cukurs Wünsche so kurz vor der Verwirklichung stehen wie noch nie, liegt an ein paar Regeländerungen in der Bundesliga. Früher haben die Vereine bundesweit um die besten Boxer geworben, durch die Reform haben jetzt die Klubs eines Landesverbandes ein Vorrecht auf die dortigen Boxer, also bayerische Bundesligisten auf Boxer aus bayerischen Klubs. Das ist die eine Reform, die Cukur hilft. In Bayern, gerade in Oberbayern, gibt es viele Boxvereine mit talentierten Athleten, in München zum Beispiel noch den Boxwerk e.V., in der Umgebung traditionsreiche Abteilungen wie in Fürstenfeldbruck.

Die Klubmanagerin hat eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen

Cukur selbst hat seine Kämpfer oft an Bundesligisten ausgeliehen, sie sind dann nach Hannover gefahren, nach Berlin, nach Babelsberg. Sollte sich sein Traum vom Bundesligisten umsetzen lassen, müsste Cukur voraussichtlich hauptsächlich mit Straubing um die besten bayerischen Boxer konkurrieren. Acht Boxer treten pro Bundesliga-Kampftag an, hinzu kommen zwei weitere Paarungen für das Rahmenprogramm. Dass das zu organisieren sein wird, da ist sich Cukur sicher, "dass wir in die Bundesliga kommen werden, das wird schon klappen", sagt er, obwohl noch nichts unterschrieben ist. Aber natürlich geht es auch ums Geld.

Früher haben die besten Boxer 1500 bis 2000 Euro erhalten, für einen Kampf. Nun liegt die Grenze bei 500 Euro, das ist die andere Reform, die Cukur hilft. Da zusätzlich die Kosten für Anreise und Unterkunft durch die regionale Lösung deutlich geringer ausfallen, kann sich nun sogar Sechzig vorstellen, eine Bundesliga-Mannschaft nicht nur aufzustellen, sondern sie auch zu finanzieren. Laut Cukur lag der Etat eines ambitionierten Bundesligisten bisher bei bis zu 120 000 Euro, für die Saison 2020/21, zu der 1860 einsteigen will, schätzt er sie auf 30 000 bis 50 000 Euro.

Doch auch diese Summe kann der Verein nicht finanzieren, ohne kreativ zu werden. Die möglicherweise rettende Idee kam dabei Viola Oberländer, der Managerin aller Amateurabteilungen des Klubs: In die Bundesliga wollen die 1860-Boxer nun durch eine Crowdfunding-Aktion, durch Spenden von Sympathisanten also; dazu aufgerufen werden potenzielle Gönner auch im Internet. Willkommen, heißt es dort, sei jede Spende, egal in welcher Höhe. "Ob wir dadurch genug Geld sammeln werden, da bin ich skeptisch", sagt Cukur zwar. Die Gruppierung "Unternehmer für Sechzig" habe jedoch auch schon ihre Unterstützung zugesagt, für ein ganz traditionelles Sponsoring. Am Ende, denkt Cukur, müsste über das Crowdfunding nicht einmal die Hälfte der Einnahmen gestemmt werden. Und das ist dann eine Größenordnung, mit der er sich wohl fühlt in diesem Kampf, der nicht zwischen Ringseilen stattfinden wird.

© SZ vom 19.12.2019
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