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Boxen:Freiwillig überführt

Box-Weltmeister Manuel Charr wird positiv auf zwei anabole Steroide getestet, seine für Ende September geplante Titelverteidigung fällt aus. Der 33-Jährige sagt: "Ich bin total geschockt, ich habe noch nie etwas genommen."

Von Benedikt Warmbrunn

Das Leben, wie Manuel Charr es führt, ist eines, in dem der nächste Aufreger nie fern ist. Als junger Boxer fiel er durch Provokationen auf - bei seinem ersten großen Kampf gegen Vitali Klitschko war er dann jedoch ausgesprochen zahm. Als nicht mehr ganz so junger Boxer wurde er an einem Imbissstand angeschossen, nach einem Streit mit einem anderen Boxer. Und als Charr dann vermeintlich ganz oben angekommen war, im vergangenen November, als er den WM-Titel im Schwergewicht gewonnen hatte, gab es sofort die nächsten Schlagzeilen. Es ging nicht um seinen Titel, es ging nur um seinen Pass. Erster deutscher Schwergewichtsweltmeister seit dem legendären Max Schmeling, damit hatte Charr geworben. Allerdings hatte der in Libanon geborene Syrer überhaupt keinen deutschen Pass.

Ende September sollte er nun zum ersten Mal seinen Titel verteidigen, gegen den US-Amerikaner Fres Oquendo. Doch nun kam ihm der nächste Skandal zuvor. Die Bild-Zeitung meldete an diesem Donnerstag, dass Charr, 33, positiv auf die anabolen Steroide Epitrenbolon und Drostanolon getestet worden sei. Charrs Management bestätigte am Mittag, dass der Kampf gegen Oquendo abgesagt worden sei, wegen eines "unerwünschten Befundes". Nach dem positiven Test auf "zwei auffällige Stoffe" seien alle in Charrs Umfeld "schockiert". Charr selbst sagte der Bild: "Ich bin total geschockt. Ich habe noch nie etwas genommen."

Der Boxsport ist in den vergangenen Jahren nicht durch einen konsequenten Anti- Doping-Kampf aufgefallen. Viele Verbände kooperieren nicht mit der Welt-Anti- Doping-Agentur Wada und somit auch nicht die unter ihnen versammelten Boxer. Getestet werden die Athleten dadurch in der Regel nur nach dem Kampf, nicht aber in der entscheidenden Phase der Vorbereitung, in der die Leistung besonders nachhaltig gesteigert werden kann. Charrs positive Probe hatte die Voluntary Anti-Doping Association Vada genommen, der sich der Boxer erst vor wenigen Monaten angeschlossen hatte, wie der Name schon sagt: freiwillig. Sollte auch die B-Probe positiv ausfallen, droht Charr als erstmals überführtem Boxer eine Sperre von sechs bis zwölf Monaten. Seinen WM-Titel hätte er dann auch verloren, bevor er ihn überhaupt einmal verteidigen konnte.

© SZ vom 21.09.2018

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