Borussia Mönchengladbach:Gesunder Genuss

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Yann Sommer

Wieder fit - und das ist bitter notwendig: Gladbachs Torhüter Yann Sommer.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Gladbach geht mit guten Gefühlen ins erste wichtige Spiel der Saison - denn Torwart Yann Sommer scheint rechtzeitig für die Champions-League-Partie in Bern fit zu werden.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Am Fußballtorwart Yann Sommer ist ein Lebensmittelchemiker verloren gegangen. "Langsame Kohlenhydrate wie in der Süßkartoffel sind gut für die Muskeln, und das Kalium schützt gegen Krämpfe", erklärt der 27-jährige Schweizer in seinem Koch-Blog 'sommerkocht.ch' ganz aktuell die Vorteile einer Süßkartoffel-Karotten-Mousse mit Avocado, die er als "Sommersnack" anpreist. Sommer schreibt im Internet regelmäßig übers Essen, aber immer mit Hintergedanken.

Genuss und Gesundheit treiben ihn gleichermaßen an, aber kein Essen der Welt kann einen Kapselbandriss verhindern, wie Sommer ihn vor gut zwei Wochen im Training beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach erlitten hat. Er war umgeknickt, und die Meldung von seiner Verletzung löste bei den Gladbacher Medien eine kurze Panik aus, weil man Sommer bereits für lange Zeit ausfallen sah und dies vor allem unter Berücksichtigung des nahenden Saisonstarts und des Champions-League-Qualifikationsduells gegen die Young Boys Bern bedauerte. Am Dienstag (20.45 Uhr, ZDF) treten die Gladbacher zum Hinspiel beim Schweizer Vize-Meister an - aber Sommer ist wieder fit und wird höchstwahrscheinlich spielen können. Seine Regenerationszeit war viel kürzer als befürchtet, vielleicht haben Süßkartoffel und Avocado da ja auch mitgeholfen.

Der smarte helvetische Sunnyboy hatte sein letztes Pflichtspiel am 25. Juni in Saint-Etienne absolviert, als er mit der Schweiz bei der Europameisterschaft in Frankreich im Achtelfinale gegen Polen spielte. Die Partie ging im Elfmeterschießen verloren, Sommer und die Eidgenossen reisten "enttüüscht" und "truurig" ab, wie sie im Schweizer Jargon mitteilten, aber Sommer durfte sich mit der Vorfreude auf einen gleich aufregenden internationalen Saisonstart trösten. In diese Vorfreude hinein platzte am 29. Juli die Verletzung.

Ganz verheilt ist das Band noch nicht, "ich spüre das da unten schon noch", sagte er nach einem 0:0 im Test und der Generalprobe am vergangenen Samstag gegen Lazio Rom. Aber Sommer lächelte dabei, und daraus konnte man schon ersehen, dass sich Schmerz und Behinderung in Grenzen halten. "Es geht bei ihm", freute sich nach dem 90-minütigen Belastungstest auch der Gladbacher Trainer André Schubert, der am Dienstag in Bern nun vermutlich seine beste Mannschaft aufbieten kann, auch wenn Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud und Stürmer Lars Stindl zuletzt noch angeschlagen waren und ein bisschen kürzer traten.

Herausforderung Kunstrasen

"Am Dienstag geht es um sehr viel", sagt Sommer ungeachtet der Tatsache, dass am Mittwoch, 24. August, in Gladbach ja auch noch ein Rückspiel stattfindet. Taxiert wird der Wert eines Erfolgs gegen Bern auf mindestens 20 Millionen Euro, denn so viel mehr Geld ist in der Champions League mindestens zu verdienen im Vergleich zu jener Europa League, in der sich der Verlierer des Duells Bern-Gladbach trösten muss. Für die Borussen ist Bern eine Art Glückslos, wenn man bedenkt, dass auch Steaua Bukarest, AS Monaco oder AS Rom als Kontrahenten in Frage gekommen wären. So ein Playoff-Duell hatten die Gladbacher bereits 2012 absolviert, damals waren sie am ukrainischen Repräsentanten Dynamo Kiew gescheitert, "aber heute sind wir reifer", sagt der Sportchef Max Eberl, "damals waren wir naiver". Der Torwart Sommer war damals ebenso wenig dabei wie die meisten Kollegen im Kader. Nur Tony Jantschke und Patrick Herrmann haben damals im Rückspiel in Kiew schon mitgespielt, konnten beim 2:1-Sieg die 2:3-Hinspielniederlage aber nicht ausgleichen helfen.

Am Montag brechen die Gladbacher nach Bern auf, sie trainieren seit Sonntag ausschließlich auf Kunstrasen, weil im neuen Berner 'Stade de Suisse' im Ortsteil Wankdorf ein Kunstrasen liegt. "Auf Kunstrasen springt der Ball ein bisschen anders", sagt Schubert und will so klingen, als sei das keine große Beeinträchtigung für seine Mannschaft, aber gerade für den Torwart Sommer ist es das natürlich schon. Auf ihn kommt ein enormer Anteil daran zu, ob Gladbach zum zweiten Mal nacheinander in der Champions League mitspielen darf, aber er ist bereit, diese Verantwortung trotz seiner Verletzung anzunehmen.

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