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Borussia Dortmund:"Schneller, schneller"

Fußball: Saison 2020/2021, Trainingslager von Borussia Dortmund am 11.08.2020 in Bad Ragaz (Schweiz). Trainer Lucien Fa
(Foto: Noah Wedel/imago)

Trainer Lucien Favre bereitet Borussia Dortmund auf die nächste Titelattacke vor. Nicht alles kann vom Trainer kommen: Von Spielern wie Julian Brandt, Erling Haaland und Jadon Sancho werden weitere Entwicklungsschritte erwartet.

Lucien Favre überlässt nichts dem Zufall. Eine halbe Stunde vor dem angesetzten Training misst er die Abstände zwischen den Hütchen mit großen Schritten selber ab, das abschließende Spiel unterbricht er häufig für Anweisungen. Der Trainer von Borussia Dortmund, dem Zweiten der vorigen Saison, weiß: In der kommenden Spielzeit soll es mit einem großen Titel klappen. Dafür lässt Favre die BVB-Profis in seiner Schweizer Heimat mächtig schwitzen.

"Schneller, schneller, schneller", fordert der 62-Jährige bei Passübungen auf dem Trainingsgelände Ri-Au in Bad Ragaz. "Konzentration" ist eines seiner Lieblingsworte bei der rund 90-minütigen Einheit, "Ballkontrolle" ein anderes. Favre steht dabei unter besonderer Beobachtung.

In seinen zwei Jahren in Dortmund langte es bisher allein zum Gewinn des Supercups. In der Liga erwies sich der FC Bayern als zu stark. Im DFB-Pokal und in der Champions League verlor der BVB unter Favre immer im Achtelfinale. Eine Vertragsverlängerung mit dem akribischen Arbeiter ist daher derzeit kein Thema. "Wir haben ein gewachsenes Vertrauensverhältnis zueinander. Verein und Trainer haben festgestellt, dass wir die Notwendigkeit einer Vertragsverlängerung nicht sehen. Wir gehen so in die Saison. Das haben wir miteinander vereinbart", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Favres Kontrakt endet im Juni 2021. Bis dahin will er beweisen, dass er den BVB zu großen Titeln führen kann.

Die Unterstützung der Spieler hat er. "Seit Lucien Favre gekommen ist, denke ich schon, dass wir die Stabilität für eine ganze Saison haben", sagte Marco Reus zuletzt. Es habe zwar noch nicht für den ganz großen Coup gereicht, "aber man kann sehen, dass wir näher rankommen", so der derzeit wieder einmal verletzte Kapitän.

Nach dem Verbleib des englischen Offensivspielers Jadon Sancho, 20, wird vom Stammpersonal nur Achraf Hakimi den Klub verlassen, der zu Inter Mailand wechselt. Im belgischen Fußball-Nationalspieler Thomas Meunier wurde Ersatz gefunden. Das Talent Jude Bellingham, 17, verstärkt zudem das BVB-Mittelfeld. Von Spielern wie Julian Brandt, Erling Haaland und eben Sancho wird noch ein weiterer Schritt nach vorne erwartet. Ob Favre dafür der richtige Mann ist, wird sich zeigen. Dem Taktikfuchs haftet ein wenig der Makel an, wichtige Spiele zu verlieren. Seine Art sei zu zögerlich, lautet ein Vorwurf. "Lucien ist so, wie er ist, authentisch. Die öffentlichen Diskussionen um ihn herum waren teils sehr unfair", sagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl im Sportbuzzer-Interview. Favre kann aber auch anders. Wenn die Übungen in Bad Ragaz nicht zu seiner Zufriedenheit ausgeführt werden, geht er lautstark dazwischen. Die verhängten Liegestütze als Strafe erzeugen zumindest bei den nicht betroffenen Profis Heiterkeit.

© SZ vom 13.08.2020 / sid

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