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Bob:Alles nur geliehen

Mariana Jamanka Vanessa Mark

Nur noch beim Abklatschen Probleme: Mariana Jamanka (re.) und ihre Anschieberin Vanessa Mark.

(Foto: Roman Koksarov/AP)

Olympiasiegerin Mariama Jamanka siegt beim Auftakt in Sigulda - trotz Stürze und Personalrochaden im deutschen Team.

Von Thomas Gröbner

Die Fahrt war eigentlich zu Ende, aber sie ging trotzdem irgendwie weiter, und das schmerzte schon beim Hinsehen. Es war die Unglückskurve Nummer 13, in der der Schlitten der deutschen Meisterin Laura Nolte umkippte und übers Eis schepperte, Kurve um Kurve, und irgendwo zwischen Bob und Bahn waren die Köpfe von Nolte und ihrer Anschieberin Debohra Levi.

Bob - Weltcup

Durchgeschüttelt, aber unverletzt: Laura Nolte (links) und Deborah Levi (rechts) nach ihrem Sturz.

(Foto: Roman Koksarov/dpa)

"Klassischer Fehler, Ausfahrt 13", analysierte Bundestrainer René Spies später, "sie sind den schnellen Bedingungen zum Opfer gefallen". Dass er sich am Samstag in lettischen Sigulda nicht mehr grämte, das lag zum einen daran, dass Nolte und Levi (beide BSC Winterberg) unverletzt aus dem Bob kraxelten. Aber auch daran, dass die Zusammenarbeit der deutschen Konkurrentinnen am Ende zwei Podiumsplätze sicherte.

Jamanka hatte ihren Bob im Training richtig "zerstört"

Olympiasiegerin Mariama Jamanka (Oberhof) hatte sich gerade so für den Weltcup qualifiziert, siegte aber souverän vor dem Schlitten aus Österreich von Katrin Beierl (+ 0,13 Sekunden) und ihrer deutschen Konkurrentin Kim Kalicki (+ 0,58 Sekunden) aus Wiesbaden. Und das, obwohl auch Jamanka im Training schwer gestürzt war - und ihren Bob dabei zu Schrott gefahren hatte.

Richtig "zerstört" hatte sie ihr Arbeitsgerät, erzählte Jamanka im Ziel. Sie stieg dann um in den Schlitten ihrer Kollegin Kim Kalicki, und saß beim Rennen wieder in einem neuen Bob: Drei Schlitten, ein Weltcup-Sieg, das war die Rechnung für Jamanka. Das fand auch Bundestrainer René Spieß beachtlich: "Sie hat ihre Klasse hier ausgespielt."

Aber ihr Sieg wäre nicht ohne die Hilfe ihrer Konkurrentinnen möglich gewesen. Denn nicht nur den Schlitten, sondern auch die Anschieberin hat sich Jamanka ausgeliehen. Vanessa Mark aus dem Team von Laura Nolte ersetzte die erschöpfte Annika Drazek, die eine Pause bekam. Alles neu auf dieser schwierigen Bahn, das setzte auch Jamanka zu: "Ich war sehr sehr aufgeregt. Und freue mich, dass ich mit Vanessa direkt den ersten Sieg feiern konnte." Mark war bei ihrem Debüt siegesgewiss, im Ziel fiel sie Jamanka um den Hals: "Ich hab' es dir doch gesagt."

Dass trotzdem noch nicht alles rund lief, das zeigte sich im am Ende der Läufe. Erst bremste die neue Anschieberin zu spät, und der Schlitten schoss über die Auslaufzone hinaus. Im zweiten Lauf klappte es zwar mit dem Bremsen im Ziel, dafür ging das Abklatschen mit Jamanka schief.

Aber gut, dass einmal nicht alles rund läuft im deutschen Team, das dürfte der Konkurrenz Hoffnung geben. Dass es trotzdem nicht reicht, die deutschen Pilotinnen zu schlagen, eher nicht.

© SZ/jki
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