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Trauer um Radprofi Lambrecht:Er galt als eines der größten belgischen Talente

Bjorg Lambrecht

Bjorg Lambrecht.

(Foto: imago)
  • Radprofi Bjorg Lambrecht, der für das Team Lotto Soudal fuhr, ist am Montag den Verletzungen erlegen, die er beim Sturz auf der dritten Etappe der Polen-Tour erlitten hatte.
  • Die Anteilnahme in der Branche war umgehend groß.
  • Der Flame Lambrecht aus Gent, 22 Jahre alt, galt als eines der vielversprechenden belgischen Talente.

Eigentlich sollte dieser vierte Tag der 76. Polen-Tour einer werden, der für Spannung sorgt. Auch schöne Bilder der wilden Landschaft sollte das Fernsehen einfangen. Nach dem Start in Jaworzno, 20 Kilometer von Kattowitz entfernt, folgte zunächst ein längeres Flachstück, ehe es fürs Peloton erstmals in die Berge ging. Es warteten nicht gleich alpine Riesen wie bei der Tour de France, aber zwei Anstiege der ersten Kategorie im Massiv von Kocierz. In der Regel teilt sich das Feld in solchen Abschnitten einer Rundfahrt. Aber von Normalität kann seit Montag keine Rede mehr sein. Geschlossen fuhren die 149 Fahrer am Dienstag in Kocierz ein. Die Strecke wurde verkürzt, von 173 km auf 133,7 km. "Aus Respekt gegenüber Bjorg haben sich die Organisatoren gemeinsam mit der Renn-Jury und den Teams dazu entschlossen, die Etappe zu neutralisieren", hieß es am Morgen in einer Mitteilung.

Bjorg Lambrecht, der für das Team Lotto Soudal fuhr, war tags zuvor den Verletzungen erlegen, die er beim Sturz auf der dritten Etappe erlitten hatte.

Die Anteilnahme in der Branche war groß, Mannschaften, Sponsoren, frühere, aktuelle Profis kondolierten umgehend in Sozialen Medien. "Ich bin zutiefst geschockt", teilte der deutsche Sprinter John Degenkolb mit, "ein sehr trauriger Tag für den Radsport." Der Flame Lambrecht aus Gent, 22 Jahre alt, galt als eines der vielversprechenden belgischen Talente. 2017 gewann er das U23-Rennen von Lüttich-Bastogne-Lüttich, 2018 wurde er Zweiter im Straßenrennen bei der Nachwuchs-Weltmeisterschaft in Innsbruck. In diesem Jahr setzte Lambrecht seine Entwicklung fort. Er sicherte sich die Jungfahrerwertung beim Critérium du Dauphiné, wurde Vierter beim Tages-Klassiker La Flèche Wallonne, Sechster beim renommierten Amstel Gold Race; beim dortigen Sieg des Niederländers Mathieu van der Poel hatte sich Lambrecht hinter namhafter Konkurrenz eingereiht. Knapp vor ihm lagen der Däne Jakob Fuglsang, der Franzose Julian Alaphilippe und der Berliner Maximilian Schachmann vom Team Bora-Hansgrohe. In seinem zweiten Jahr auf der World Tour war Lambrechts Karriere gerade dabei, Fahrt aufzunehmen.

Das Unglück ereignete sich auf regennasser Fahrbahn

Das Unglück geschah, wie das polnische Online-Portal Onet und Cyclingnews.com berichteten, rund 50 km vor dem Ziel der dritten Etappe in Zabrze. Lambrecht sei in eine Betonkonstruktion gerast, nachdem Regen für schwierige Renn-Verhältnisse gesorgt hatte. Er sei noch auf der Straße reanimiert und in ein Krankenhaus in Rybnik transportiert worden. Am Abend mussten Ärzte den Tod des Leistungssportlers vermelden. Der Sportinformationsdienst zitierte den Rennleiter Czeslaw Lang, der darauf verwies, der Sturz sei nicht auf einer "Hochgeschwindigkeits-Abfahrt" geschehen, sondern auf einer Geraden - "er zögerte einen Moment, er verließ den Asphalt und die Tragödie ereignete sich". Die niederländische Zeitung Het Nieuwsblad berichtete, Lambrecht habe nach Stürzen vor ihm ausweichen wollen. Es hatte an diesem Tag einige Unfälle gegeben, die aber glimpflich ausgingen. Um Lambrecht die letzte Ehre zu erweisen, wurde beschlossen, dass am Dienstag jedes der 22 Teams einmal die Führung übernehmen und Lotto Soudal als erstes ins Ziel rollen sollte.

Lambrecht ist nicht der erste Radprofi, der 2019 während eines Rennens starb. Der Belgier Stef Loos, 19, war im März falsch abgebogen und mit einem Van zusammengeprallt. Der Niederländer Robbert de Greef erlitt beim Omloop van de Braakman einen Herzstillstand. Vier Wochen kämpften Ärzte um sein Leben, vergeblich. Wie gefährlich der Radsport sein kann, verdeutlicht die sehr lange Liste an Opfern, zu denen nicht nur verunglückte Fahrer zählen. Der Brite Tom Simpson fiel 1967 bei der Fahrt auf den Mont Ventoux tot vom Rad. Ursache: ein Cocktail aus Amphetaminen, Betäubungsmitteln und Alkohol.