Basketball:Signal in Rot

Die Basketballer des FC Bayern verteidigen mit dem deutlichen 81:65-Sieg gegen stark kämpfende Ulmer den Titel im Pokalwettbewerb und zeigen, dass sie auch im Meisterrennen schwer zu schlagen sein werden.

Von Ralf Tögel

Nachdem Serge Ibaka jedem Gegner per Handshake seinen Respekt gezollt hatte, ging er ein paar Schritte beiseite, berührte das Parkett und küsste seine Finger. Der Center des FC Bayern hatte gerade mit neun Punkten und mächtigen Blocks zum ersten Titel des FC Bayern in dieser Saison beigetragen. Diese Szene allein war Beleg, wie viel Ibaka, der bekanntlich schon die Meisterschaft in der NBA gewonnen hat, dieser Triumph im neuen Trikot bedeutete. Der FC Bayern hat gerade mit dem letztlich deutlichen 81:65-Sieg seinen Pokaltitel verteidigt und ein unübersehbares Zeichen an die Konkurrenz gesendet: Auch die Meisterschaft wird nur über diese

Münchner Mannschaft zu holen sein.

Es war ein begeisterndes Finale in einem begeisternden Turnier, es wurde um jeden Zentimeter gekämpft, immer wieder hechteten Spieler nach dem Ball, rangelten auf dem Boden oder purzelten übereinander. Unter dem Strich aber setzte sich die große Qualität des Top-Four-Ausrichters durch, da half es auch wenig, dass sich die Fans der unterlegenen Halbfinalisten aus Berlin und Bamberg mit dem Underdog solidarisierten und den Ulmern phasenweise eine Heimatmosphäre bescherten.

Anton Gavel, der Ulmer Trainer, hatte seinen Spielern einen simplen Plan nach dem Halbfinalsieg gegen Alba Berlin mit ins Bett gegeben: "Essen, schlafen und vorher versuchen, noch ein bisschen Information in die Köpfe zu bekommen." Taktisch werde man allein aufgrund der Zeitnot nicht viel bewegen können, erklärte Gavel: "Es ist enorm wichtig in der Defensive dagegenzuhalten, wir werden den Kampf annehmen und dann sehen."

Bayern-Trainer Pablo Laso hat einfach mehr Möglichkeiten, sprich: die bessere Mannschaft

Frei übersetzt: Wir haben keine Chance, aber die wollen wir nutzen. Denn im Vergleich zu den Berlinern am Vortag, die von den Schwaben in der Schlussphase 87:79 niedergekämpft wurden, hat der Titelverteidiger deutlich mehr Qualität im Kader. Zwar hatte Ulm ein paar Stunden weniger Pause, dafür hatten die Münchner "vier, fünf Euroleague-Partien mehr" in den Knochen. Weil aber auch sein Team in das Achtelfinale des Eurocups eingezogen ist, der eine Liga unter der europäischen Königsklasse anzusiedeln ist, wollte Gavel keinen Vorteil bei einem der Kontrahenten ausmachen.

Die Bayern hatten sich gegen überforderte Bamberger beim souveränen 81:62-Halbfinalsieg nicht gerade überanstrengen müssen, vielmehr hatte Coach Pablo Laso die Möglichkeit, die Last auf alle Schultern zu verteilen. Aber wie schon gegen die Oberfranken tags zuvor fanden die Gastgeber auch im Finale gegen Ulm schleppend ins Spiel. Ein Fehlwurf folgte dem nächsten, die Schwaben trafen vom ersten Versuch an, auch weil die Ulmer Spieler die Trainervorgabe diszipliniert umsetzten und den Gegner unter den Körben wirkungsvoll bearbeiteten. Vor allem L. J. Figueroa und das 19-jährige Spielmacher-Juwel Juan Nunez, die beide 17 Punkte erzielten, gingen voran: Ulm führte mit 18:9 Punkten nach dem ersten Viertel.

Aber nicht nur Gäste-Trainer Gavel wusste um die Qualität und die Breite im Münchner Kader, die sie nach dem müden ersten Durchgang umgehend unter Beweis stellten. Vor allem Elias Harris (9 Punkte), dessen Rolle im erlesenen Kader die eines Ergänzungsspielers ist, brachte mit viel Energie den Umschwung. Und je seltener die Ulmer Würfe ihr Ziel fanden, desto besser trafen die Münchner. Nach nur drei Minuten im zweiten Viertel stellte Kapitän Vladimir Lucic (9) per Dreier zum 20:18 (13.) die erstmalige Führung her, die Partie kippte in die erwartete Richtung. Die Bayern erhöhten die Intensität in der Defensive, gestatteten den Ulmern kaum mehr einfache Würfe - und hatten offensiv schlichtweg die besseren Möglichkeiten.

Basketball: Zu schnell: Gleich geht Münchens Sylvain Francisco (li.) S am Ulmer Karim Jallow vorbei und erzielt zweiseiner 17 Punkte.

Zu schnell: Gleich geht Münchens Sylvain Francisco (li.) S am Ulmer Karim Jallow vorbei und erzielt zweiseiner 17 Punkte.

(Foto: Wunderl/Beautiful Sports/Imago)

Die logische Folge war die 35:28-Führung zur Halbzeit, die nach dem Wechsel schnell in den zweistelligen Bereich (39:29, 23. Minute) ausgebaut wurde. Mit zunehmender Spieldauer brachte der große Favorit seine physischen und individuellen Vorteile aufs Parkett, auch weil Trainer Laso schlichtweg mehr Möglichkeiten hatte, als sein Gegenüber Gavel. Als die nie aufgebenden Ulmer den Münchnern nochmals gefährlich nahe kamen (42:46), schickte Laso wieder Harris aufs Spielfeld, der sofort Akzente setzte. "Er war für mich der beste Spieler", adelte FCB-Geschäftsführer Marco Pesic dessen Leistung. Harris selbst sah im Pokalsieg, den Ertrag "von viel harter Arbeit. Wir werden eine immer bessere Einheit."

Und dann waren da ja noch drei Weltmeister im FCB-Kader: Isaac Bonga (3) rackerte unter allen vorhandenen Körben, Niels Giffey (6) war in schweren Momente zur Stelle und Andreas Obst, der 13 Punkte erzielte, konterte den Ulmer Anschluss zum 42:46 mit zwei trockenen Dreiern. Für Weltmeister Obst war dieser Titel "von besonderer Bedeutung, gerade in dieser Saison". Womit er auf die hohen Erwartungen anspielte: "Es ist eine erste kleine Belohnung."

Übertroffen wurde der Distanzschütze von Sylvain Francisco, der mit seinen pfeilschnellen Dribblings von den Ulmern nie zu kontrollieren war, 17 Punkte sammelte und zum besten Spieler des Pokalturniers gewählt wurde.

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