Basketball:Lieber beim Zahnarzt

Alba Berlin - FC Bayern München

Hofft zumindest auf ein paar Minuten Einsatzzeit: der zuletzt etwas angeschlagene Vladimir Lucic.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Die FC-Bayern-Basketballer testen am Wochenende in eigener Halle beim hochkarätigen internationalen Vorbereitungsturnier ihre Form - und freuen sich auf die Rückkehr ihrer Zuschauer.

Von Sebastian Winter

Die Pre-Season ist nicht besonders populär bei Spitzensportlern, auch die Basketball-Profis des FC Bayern München nehmen die Saisonvorbereitung eher als notwendiges Übel hin. Ihr Trainer Andrea Trinchieri lässt sie im Kraftraum schwitzen, am Teambuilding arbeiten und die taktische Balance zwischen Offense und Defense finden, noch zwei Wochen haben sie dafür Zeit bis zum Saisonauftakt in der Bundesliga gegen Ulm am 26. September. Er könne einem Zahnarztbesuch mehr abgewinnen, berichtete selbst Führungsspieler Vladimir Lucic beim Pressefrühstück in einem Hotel im Münchner Süden. Immerhin kommt nach der Vorbereitungsreise durch Sardinien, Südtirol und Slowenien nun erneut etwas Abwechslung in den Trainingstrott.

Bei der Premiere des "Magenta Sport Cup" messen sich die Münchner im heimischen Audi Dome an diesem Wochenende mit ihren Konkurrenten aus der Euroleague, Roter Stern Belgrad und Panathinaikos Athen, sowie dem aktuellen italienischen Meister Virtus Bologna. Trinchieris Team trifft am Samstag (18 Uhr) im zweiten Halbfinale auf Bologna. Am Sonntag folgen dann das Spiel um Platz drei und das Finale. Für Zuschauer gilt die 3-G-Regel, darüber hinaus bietet der FC Bayern an beiden Spieltagen in Zusammenarbeit mit der Stadt München eine umfangreiche Impfaktion an: Jeweils von 14 bis 18 Uhr kann man sich am Audi Dome ohne Terminvereinbarung gegen das Coronavirus impfen lassen - das Angebot gilt auch für Nicht-Zuschauer und Personen ohne Erstwohnsitz in München.

"Es wäre illusorisch zu denken, jetzt, wo die Hallen offen sind, geht alles von null auf 100 Prozent", sagt Pesic

FCB-Geschäftsführer Marko Pesic ist froh, wieder Fans in der Halle begrüßen zu dürfen, knapp 6000 dürfen nach den aktuellen Bestimmungen in den Audi Dome, um die 90 Prozent der Gesamtkapazität. Pesic sieht dies als "exzellentes Zeichen", auch um optimistischer als im vergangenen Jahr in die Saison gehen zu können. Der 44-Jährige weist zugleich darauf hin, dass am Wochenende viele Ränge leer bleiben werden. Auch zum Saisonstart ist ein ausverkauftes Haus keineswegs garantiert. "Es wäre illusorisch zu denken, jetzt, wo die Hallen offen sind, geht alles von null auf 100 Prozent", sagt Pesic. Während der Pandemie hätten "die Leute andere Interessen entwickelt, sich vom Live-Erlebnis abgewendet. Es ist ein Prozess, und wir müssen den Fans den Zugang so angenehm wie möglich machen".

Das ist der Unterschied zu den Spielern, die Trainer Trinchieri gerade in diesem Stadium aus ihrer Komfortzone herausholen möchte. Die aber noch längst nicht alle auf demselben Leistungsstand sind und auch noch zu einer Einheit geformt werden müssen. Neun Zugänge muss der Italiener integrieren, darunter Euroleague-Stars wie Augustine Rubit, Darrun Hilliard und Othello Hunter. Zugleich sind bei weitem nicht alle Profis fit: Paul Zipser arbeitet nach seiner Anfang Juni erlittenen Hirnblutung am Comeback, unter zeitlichen Druck möchten ihn die Verantwortlichen nicht setzen. Beim hochkarätigen Testspiel-Wochenende ebenso fehlen werden Leon Radosevic, Aufbauspieler Corey Walden und auch Kapitän Nihad Djedovic, den muskuläre Probleme plagen. Die zuletzt angeschlagenen Lucic und Othello Hunter hoffen zumindest auf ein paar Minuten Einsatzzeit.

Ein "großartiges Turnier mit einem supersuperhohen Level" verspricht sich Trinchieri dennoch, der schon mal zeigt, dass nicht nur der ehemalige FC-Bayern-Fußballcoach Pep Guardiola mit Superlativen um sich werfen kann. Für Lucic hat er noch ein besonderes Lob übrig. "Vladimir hatte vergangene Saison die beste seines Lebens. Man braucht solche Führungsfiguren, er wird das Gesicht dieser Mannschaft sein."

Auch wenn sich der 2,04-Meter-Mann Vladimir Lucic zurzeit lieber in einen Behandlungsstuhl beim Zahnarzt zwängen würde als unter Trinchieri in der Halle zu schwitzen.

© SZ/lib
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