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Basketball:In Lauerstellung

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Intensive Vorbereitung: Bayreuths Trainer Raoul Korner hat sich bis zu zwölf Summer-League-Partien täglich auf der Suche nach Spielern angeschaut.

(Foto: Thomas Jäger/imago)

Bundesligist Medi Bayreuth will sich mit acht neuen Spielern als Playoff-Kandidat etablieren.

Der Juli gilt nicht gerade als optimale Zeit, um nach Las Vegas zu reisen. Deutlich über 40 Grad Durchschnittstemperatur und kein Regen in Sicht, doch darauf konnte Raoul Korner in diesem Sommer keine Rücksicht nehmen. Eine Woche verbrachte der Trainer von Medi Bayreuth in den USA, und die Hitze war das geringste Problem: "Hunderte", seufzt Korner, wenn man ihn fragt, wie viele Spieler er sich bei der NBA Summer League angeschaut habe. "Etwa zwölf Spiele sieht man dort jeden Tag, von mittags bis spät abends. Man muss gut vorbereitet sein und selektiv zuschauen, sonst ist man am Ende komplett überfordert."

Die Summer League ist kein reguläres Basketballturnier, auch wenn es am Ende einen Sieger und einen MVP, einen wertvollsten Spieler, gibt. "Eigentlich ist es ein großes Networking-Treffen", sagt Korner. "Alle wichtigen Basketball-Märkte sind vertreten, man tauscht sich mit Trainern, Managern und Beratern aus, um zu verstehen, was die anderen machen - und man verpflichtet im Idealfall direkt Spieler." Die Besten der Summer League wechseln in die US-amerikanische Profiliga NBA und wären für die Mehrheit der Klubs der Basketball-Bundesliga ohnehin nicht finanzierbar, daher fokussieren sich die BBL-Vertreter auf diejenigen, die durch das Raster fallen, erklärt Korner: "So paradox es klingt, im Idealfall verpflichten wir dort Spieler, die nicht gut spielen. Wir müssen Ausschau halten nach Leuten, bei denen wir die Anlagen erkennen, die aber bei den Showevents unterperformen."

Genau so jemanden hat die Bayreuther Delegation aus dem Trainer und dem sportlichen Leiter Matt Haufer in Reid Travis gefunden. Der 2,03 Meter große Center ist der neue Big Man in Bayreuth - und ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Bayreuther auf dem Transfermarkt vorgegangen sind. "Startspieler in der College-Meisterschaft NCAA, tolle Universitätskarriere. Ich war mir sicher, dass Reid in der NBA oder bei einem EuroLeague-Verein landet", sagt Korner. Doch Travis wird von derselben Agentur betreut wie Gabe York und Hassan Martin, die 2017 bzw. 2018 aus den USA nach Bayreuth wechselten. "Unser guter Ruf war da ausschlaggebend", sagt Korner. "Als ich in meinem ersten Jahr als Cheftrainer in den USA war, wurde Bayreuth ein wenig abgetan als der Verein, zu dem man nur geht, wenn sich gar nichts anderes findet. Das hat sich geändert."

Acht neue Spieler haben die Franken im Sommer geholt, zuletzt mussten sie auch noch auf den Ausfall von Andreas Seiferth reagieren, der mit einer Schulterverletzung mindestens vier Monate fehlen wird. Ihn soll der 31-Jährige Justin Raffington vom Aufsteiger Hamburg Towers in dieser Zeit ersetzen. Auch der 25-jährige Charles Cooke ist eine nennenswerte Verpflichtung, der Small Forward spielte schon einmal kurzzeitig in New Orleans in der NBA.

Mit diesem Kader will Korner, seit 2017 Bayreuths Cheftrainer, wieder "überperformen", wie es der 45 Jahre alte Österreicher nennt. "Wir haben das in meinen ersten beiden Jahren geschafft und sind in die Playoffs eingezogen, daraus ist dann eine etwas falsche Erwartungshaltung entstanden. Der zwölfte Platz aus der vergangenen Saison ist eigentlich der, auf den wir aus finanzieller Sicht gehören." Zwei Jahre lang war Bayreuth der überraschende Emporkömmling, eine Rolle, die in der BBL zuletzt Rasta Vechta übernahm. Doch Korner warnt: "Man muss aufpassen, die Liga ist so eng, dass man sehr schnell auch in die unteren Tabellenregionen rutschen kann."

Mit dem Abstieg hatte Bayreuth nichts zu tun, doch auch so hat die vergangene Saison viel Energie gekostet. Einen der markanten Punkte in einer enttäuschenden Spielzeit setzte Korner selbst, als er Anfang Mai nach der deutlichen Heimniederlage gegen Würzburg zu einer Art Wutrede ansetzte und seine Mannschaft scharf kritisierte. Für ihn sei das damals die richtige Reaktion gewesen. Ein Abschied aus Bayreuth sei trotz der Frustration von damals kein Thema gewesen: "Ich treffe keine strategischen Entscheidungen aus der Emotion heraus. Ich habe mir das gut überlegt." Und auch wenn es andere Angebote für Korner gab, seien sie kein Thema für ihn gewesen und Bayreuth die optimale Wahl. Parallel zum BBL-Team trainiert Korner auch die österreichische Nationalmannschaft. Entsprechend formuliert er seine Ziele: "Mit Österreich die Qualifikation für eine Endrunde schaffen und Bayreuth als Playoff-Kandidaten zu fixieren sind die zwei Themen, die meine nächsten Jahre bestimmen werden."